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Rügen Arndt-Gesellschaft widmet sich Fragen der Demokratie
Vorpommern Rügen Arndt-Gesellschaft widmet sich Fragen der Demokratie
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08:00 26.06.2018
Der neue Vorstand der Ernst-Moritz-Arndtgesellschaft. Quelle: Uwe Driest
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Groß Schoritz

Wir wollen keine rein historische Gesellschaft sein, sondern uns der Frage zuwenden, was Demokratie heute bedeutet“, meint Klaus-Michael Erben. Der 62-jährige Neukamper ist seit der Mitgliederversammlung vom vergangenen Wochenende frischgebackener Vorsitzender der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft. „Weil ich nicht von der Insel stamme und gern eine Einheimische an meiner Seite wissen wollte, teile ich mir den Vorsitz mit Christa Steinke“, so Erben. Stellvertreter ist Thomas Sahlender aus Neustadt am Rübenberge, der ein Ferienhaus in Groß Schoritz besitzt und Schatzmeisterin bleibt Gabriele Pitzke aus Binz. Beisitzerinnen sind nun Agnes Heine, Museumspädagogin im Jagdschloss Granitz und Regina Zeitz aus Puddemin.

Als Ehrenmitglied kooptierte der neue Vorstand mit Winifred von Arndt eine Nachfahrin des Namensgebers der Gesellschaft. „Im kommenden Jahr möchten wir ein Familientreffen am Geburtsort unseres bekannten Vorfahren durchführen“, sagt die 1938 geborene Sprecherin der über Schweden, England und die USA verteilten Arndt-Familie, die selber in Hamburg lebt. Ihr Zweig der Familie entstammt der Linie von Carl Moritz, Arndts Sohn aus erster Ehe. Den Adelstitel erhielt die Familie 1885 aus der Hand von Wilhelm I., der die Revolution von 1848/49 hatte niederschlagen lassen. „Das Bild des Hauses in Groß Schoritz hatte mich meine gesamte Kindheit über begleitet. Nach der Wende sah ich es zum ersten Mal und im Sommer 1992 gründeten wir mit Maria Pakulla den Verein“, erzählt sie.

Die Schwerpunktsetzung des neuen Vorstands, der sich künftig noch mehr für demokratische Werte und eine humanistische Gesellschaft einsetzen möchte, teilt sie ausdrücklich. „Ernst Moritz Arndt war willensstark und streitbar. Wie Caspar David Friedrich, der sich weigerte, die Herrscher abzubilden, folgte auch Arndt nie dem Adel und erduldete die Folgen in Form eines Berufsverbots“, sagt die alte Dame. „Jeder Mensch steht sich selbst eigenverantwortlich vor“, habe die Maxime ihres berühmten Vorfahren gelautet.

Übernimmt Gregor Gysi die Verteidigung?

Wir sehen Parallelen zwischen jener Zeit und heute“, sagt Michael Erben. Demokratie würde zunehmend falsch verstanden. Immer mehr Menschen würden nach dem Motto „Viel Freiheit, wenig Verantwortung“ eine Anspruchshaltung herausbilden und Konflikte immer häufiger mit Polemik statt mit Argumenten austragen. „Deswegen möchten wir auch auf Rügen zu aktiver Bürgerbeteiligung aufrufen und einen konstruktiven Dialog innerhalb der Zivilgesellschaft befördern“, so Erben. Dass die Arndt-Gesellschaft dabei früh ansetzen möchte, entspricht ebenfalls dem Gedanken ihres Namens-Patrons. Arndts reformpädagogische Schriften hatten schon früh das Interesse von Friedrich Fröbel, dem Begründer des „Kindergartens“, geweckt. „Wer die frühen Lebenszustände nicht frisch und natürlich durchlebt, der tritt in die folgenden wie ein Lahmer und Blinder“, glaubte auch Arndt. Gemeinsam mit Schülern des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums will Michael Erben daher ein Demokratie-Tribunal durchführen. „Beim Arndt-gegen-die-Bundesrepublik-Deutschland-Verfahren wollen wir hinterfragen, wie es um Demokratie im persönlich erlebten Alltag bestellt ist“, so Erben. Arndt ist dann der Ankläger und die Bundesrepublik die Beklagte.

Der könnte dann ein prominenter Verteidiger zur Seite stehen: Als zur Monatsmitte Gregor Gysi auf Einladung des Gingster Buchladens seine Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“ in der Kunstscheune Vaschvitz vorstellte, ergriff Winifred von Arndt prompt die Gelegenheit und fragte den Juristen, ob er die Verteidigung übernehmen möchte. Das könne er sich durchaus vorstellen, habe Gysis Antwort gelautet.

Uwe Driest

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