Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Auf Rügen und Hiddensee steigen die Abwassergebühren
Vorpommern Rügen Auf Rügen und Hiddensee steigen die Abwassergebühren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 15.12.2018
Im nächsten Jahr zahlen die Insulaner mehr fürs Abwasser. Die Gebühren werden erhöht. Quelle: OZ-Archiv
Anzeige
Bergen

Alles andere als ein guter Geschenke-Onkel zeigt sich der Zweckverband für Wasserversorgung und Abwasserhandlung Rügen (Zwar) kurz vor Weihnachten. Denn im nächsten Jahr müssen die Rüganer tiefer in die Geldbörse greifen. „Die Gebühren fürs Abwasser steigen“, gibt Reinhard Litty einen entsprechenden Beschluss der Verbandsversammlung wieder. Die habe sich, so der Vize-Chef des Zwar, in dieser Woche dafür ausgesprochen, dass die genannte Gebühr 2019 von 2,68 auf 2,99 Euro je Kubikmeter erhöht wird – um die Kosten zu decken. Noch vor Jahresfrist sah es anders aus. Da war die Abwassergebühr wegen höherer Einnahmen aus der Abwasserreinigung 2015 und 2016 für 2018 von 2,92 Euro um 24 Cent auf 2,68 Euro gesenkt worden. „Die nunmehr beschlossene Erhöhung betrifft die Abwassermengen- und nicht die Grundgebühr“, unterstreicht Litty.

Keine Erhöhung ohne Ursache. In diesem Zusammenhang führt Litty die thermische Klärschlammverwertungsanlage ins Feld, die der Zweckverband an der Kläranlage hat bauen lassen. Die war etwa 14,5 Millionen Euro und wurde Mitte Juni des vergangenen Jahres in Betrieb genommen. Damals hatte Zwar-Geschäftsführer Axel Rödiger schon angekündigt: „Mit der Inbetriebnahme müssen wir eine Gebührenerhöhung bei Abwasser kalkulieren.“ Dieser Satz wird nunmehr Realität – „wegen der Abschreibungen für die Investitionskosten“, sagt Litty.

Die Anlage ist die erste ihrer Art in Mecklenburg-Vorpommern. In der kann neben Klärschlamm, der in der Vergangenheit noch entwässert und auf Äcker als Dünger ausgebracht worden war, auch Strand- und Rechengut verwertet werden. Das entstehende Biogas wird in Strom und Wärme umgewandelt.

An der Preisspirale dreht der Zweckverband nicht nur beim Abwasser, sondern auch bei der Schlammabfuhr aus Kleinkläranlagen beziehungsweise der Entleerung des Inhaltes abflussloser Sammelgruben. „Nach drei Jahren Gebührenstabilität kommt es ab 2019 auch hier zu Erhöhungen“, sagt Litty. Vom 1. Januar an müssen 43,51 Euro je Kubikmeter statt bisher 28,35 Euro gezahlt werden. Dazu sehe sich der Zweckverband gezwungen, um eigene Kosten abfedern zu können. Auch rechtliche Rahmenbedingungen hätte dazu geführt, dass diese gestiegen seien. „So machte die gesetzlich vorgeschriebene Entsorgung der Auffangbehälter in den Kleingartenanlagen die Anschaffung besonderer Fahrzeuge notwendig, und die arbeitsschutzrechtlich geforderte Doppeltbesetzung der Fahrzeuge erhöhen die Personalkosten. Auch hier wirkt sich das Kostendeckungsprinzip gebührenerhöhend aus“, macht Litty in diesem Zusammenhang deutlich.

Zudem werde bei der Abfuhr des Inhaltes aus abflusslosen Sammelgruben ab dem neuen Jahr eine Anfahrtspauschale plus eine Mengengebühr erhoben. „Während die Anfahrtspauschale mit zunehmender Abfuhrmenge sinkt, bleibt der Kubikmeterpreis in Höhe von 7,10 Euro gleich. Je Abfuhr werden dann bei Mengen bis zu drei Kubikmetern 100 Euro, bei bis zu 5,99 Kubikmetern 80 Euro und ab sechs Kubikmeter 50 Euro erhoben“, geht Litty ins Detail.

Er hat aber schließlich auch noch eine gute Nachricht für die Verbraucher: „Die Gebühr fürs Trinkwasser wurde nicht erhöht.“ Auch im kommenden Jahr seien 1,94 Euro pro Kubikmeter zu zahlen. Beim Zweckverband wird von einem täglichen Bedarf von 130 Litern je Einwohner ausgegangen, was einem wöchentlichen Verbrauch von einem Kubikmeter und etwa 50 Kubikmetern im Jahr entspricht. Doch der tatsächliche Wert liegt darunter. So sind beispielsweise im Jahr 2016 in Deutschland pro Kopf 124 Liter Wasser verbraucht worden. Aber nach Angaben des Zweckverbandes sollen die Rüganer noch weit unter diesem Durchschnittswert liegen. Derzeit sind 99 Prozent der Haushalte auf den Insel Rügen, Ummanz und Hiddensee an das Trinkwassernetz angeschlossen. Dem Zweckverband gehören an die 40 Städte und Gemeinden an.

Chris-Marco Herold