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Rügen Auf Tour mit Vorpommerns Leuchtturmwärtern 2.0
Vorpommern Rügen Auf Tour mit Vorpommerns Leuchtturmwärtern 2.0
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08:00 23.04.2018
Etwa im dreimonatigem Rhythmus wartet die Fachgruppe Nachrichtentechnik der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Seefahrtszeichen in der Region.
Etwa im dreimonatigem Rhythmus wartet die Fachgruppe Nachrichtentechnik der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung die Seefahrtszeichen in der Region. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Sassnitz

Mit einem Spaziergang durch den Wald beginnt dieser Arbeitstag für die Seezeichenmechaniker der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Die Wartung des Leuchtfeuers Kollicker Ort steht auf dem Plan. Nach der Ankunft an der Ortssteueranlage Stubbenkammer beim Nationalpark-Zentrum Königsstuhl bedeutet dies erstmal einen bepackten 45-minütigen Fußmarsch. Für die Arbeit am Leuchtfeuer notwendige Utensilien im Fahrzeug oder im Dienstgebäude zu vergessen, würde den Aufenthalt erheblich in die Länge ziehen. „Vor Ort haben wir kein Wasser, also muss auch das mit“, erklärt Jörg Kubus. Während er sich mit seinem Kollegen Hans-Jürgen Balkow und dem Auszubildenden Franz Adolf Heichel von der Fachgruppe Nachrichtentechnik auf den Weg zum Leuchtfeuer macht, bleibt Ole Dammann an der Ortssteueranlage Stubbenkammer und übernimmt in der Zeit Kontrollarbeiten an der dort untergebrachten Steuereinheit und Energieversorgung. Hier wird die Anlage als erstes auf Ortsbetrieb umgestellt und der Bauhof in Stralsund auf dem Dänholm und die Verkehrszentrale in Warnemünde über die anstehenden Arbeiten informiert, damit eventuelle dort auftretende Fehlermeldungen keinen Einsatz auslösen.

Die Seezeichenmechaniker warten in regelmäßigen Abständen den Leuchtturm Kollicker Ort auf Rügen. Wo einst handwerkliches Geschick gefragt war, übernimmt heute die Technik die Kontrolle.

Der Weg durch die Natur

Ungefähr zwei Kilometer weiter – vorbei an Bächen und umgestürzten Bäumen – warten jetzt 235 Stufen auf dem Abgang zum Leuchtfeuer Kollicker Ort. Ein Zaun versperrt den Wanderern hier den Zutritt. 60 Meter tiefer fängt die eigentliche Arbeit jetzt erst an. Dazu gehören auch gewöhnliche Reinigungsarbeiten, denn die Kormorane haben an dem 1904 erbauten Leuchtfeuer in den letzten Wochen reichlich Dreck hinterlassen. In dieser Zeit müssen die Kollegen regelmäßig zum Fenster putzen anrücken. Innen wird ein Blick auf die optische und technische Einrichtung geworfen. „Im Jahr 2000 wurde das alte Drehfeuer gegen eine Gürteloptik ausgetauscht“, erklärt Kubus. „Die sorgt dafür, dass das Licht in alle Richtungen gleichmäßig gebündelt ausgestrahlt wird.“ Die Kennung – jedes Leuchtfeuer hat sein eigenes Signal – wird durch eine 24V/250W Halogenglühlampe erzeugt. Alle sechs Sekunden wird vom Kollicker Ort aus ein LongFlash auf die Ostsee geschickt.

Signale von der Küste

Sechs Lampen sind hier montiert, von denen – sensorgesteuert – nur je eine von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang in Betrieb ist. Fällt sie aus, gibt es noch fünf in Reserve. Nach 2000 Stunden Brenndauer wird sie gewechselt. Auf den Millimeter genau muss die neue Lampe nach dem Einsetzen ausgerichtet werden. „Um eine höchstmögliche Lichtausbeute zu bekommen, muss der Brennpunkt der Linse überall den gleichen Abstand zur Gürteloptik haben“, erklärt Jörg Kubus. Ist der Austausch erfolgt, wird per Telefon wieder Meldung an Ole Dammann auf der Ortssteueranlage gegeben. Einschalten, Ausschalten. Als hätte die Technik nur darauf gewartet, streikt pünktlich zum Besuch der Seezeichenmechaniker plötzlich der Sensor. „Nach 18 Jahren kann das passieren. Da müssen wir nochmal wiederkommen. Inzwischen sorgt eine Interimsschaltung dafür, dass das Feuer weiter leuchtet“, sagt Kubus.

Der moderne Leuchtturmwärter

Der kleine Überraschungseinsatz hat den Aufenthalt am Kollicker Ort verlängert. Noch einmal überall wischen, dann begibt sich die Gruppe nach fast zweieinhalb Stunden auf den Rückweg. Die den Wald durchflutende Sonne bringt die Kollegen ins Schwärmen. „Der Beruf ist schon einmalig. Man kommt viel rum“, ist sich auch der Azubi im ersten Lehrjahr, Franz Adolf Heichel, seiner Wahl sicher. Seit 1978 ist Hans-Jürgen Balkow auf den festen Schifffahrtszeichen – so der Oberbegriff für alle Leuchttürme, Leuchtfeuer, Richtfeuer und Leitfeuer – zu Hause. „Früher war der Beruf noch handwerklicher. Da wurden die Feuer mit Gas oder Öl betrieben. Jeden Tag musste der Leuchtturmwärter da diese Strecke nehmen, um hier aufzufüllen“, sagt der 62-Jährige. Wenn die Pflege vielleicht auch nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt wie zu den Zeiten der Leuchtturmwärter, so wird sie dafür technisch anspruchsvoller. „Wir sind sozusagen die Leuchtturmwärter 2.0“, meint sein Kollege Jörg Kubus.

50 Schifffahrtszeichen werden betreut

Spätestens alle drei Monate werden die Türme für eine Wartung aufgesucht. Über 50 Schifffahrtszeichen betreut das Team vom Dänholm. In der nächsten Woche ist Hans-Jürgen Balkow auf Hiddensee im Einsatz. Der Kollicker Ort ist aber sein Liebling. „Gerade diese Lage macht es so besonders. Hier kommt nicht jeder hin“, begründet Balkow. Zurück beim Kollegen Ole Hammann bei der Ortssteueranlage gibt es noch eine Auswertung der Wartung. Eine Fledermaus hat sich inzwischen vom Dachboden in die Räume verirrt. Ansonsten läuft in den Räumen alles nach Plan. Nachdem auch der Fledermaus wieder aufwärts geholfen wurde ist es bereits Nachmittag und für das Team geht es wieder zurück auf den Dänholm.

Nostalgie oder Notwendigkeit

Das Leuchtfeuer Kollicker Ort hat übrigens einen Zwilling – das Ranzower Leuchtfeuer. Der Turm war bis 1999 in Betrieb, wurde 2002 ab- und 2004 am Kap Arkona wieder aufgebaut. Dort kann es im Gegensatz zum Leuchtfeuer Kollicker Ort besichtigt werden. Oft hören die Seezeichenmechaniker der Frage, ob Leuchttürme, Leuchtfeuer und Co. noch zeitgemäß sind. „Unsere festen Schifffahrtszeichen sind immer noch sehr wichtig. Die Schiffe haben zwar modernere Navigationstechnik, aber Technik kann auch ausfallen“, sagt Jörg Kubus. Dann können sich die Seefahrer an dem Licht eines Leuchtfeuers orientieren. „In engen Revieren und Fahrwassern sind die Richt- und Leitfeuer ohnehin das beste Navigationsmittel.“ Auch schwimmende Seezeichen könnten ihre Lage verändern. „Man muss alle Systeme im Verbund sehen. Nur so ist die Sicherheit des Schiffsverkehrs gewährleistet.“

Wenke Büssow-Krämer

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