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Rügen Aufräumarbeiten an den Stränden der Insel
Vorpommern Rügen Aufräumarbeiten an den Stränden der Insel
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19:31 03.01.2019
Im Hafen von Altefähr wurde gestern der Fischkutter geborgen, der beim Hochwasser unterging. Quelle: Stev Baron, Hafen- und Tourismuswirtschaft
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Rügen

Nach dem Hochwasser durch Sturmtief „Zeetje“ zeigt sich nun das Ausmaß der Schäden auf der Insel Rügen. Besonders hart getroffen hat es das Ostseebad Göhren: Am Nordstrand ging das Wasser gestern noch immer fast bis an den Dünenfuß. Einige Strandzugänge sind von den Fluten ausgespült und erhebliche Teile der Düne abgetragen worden, informiert Alexander Stein von der Kurverwaltung. Betroffen ist vor allem ein längerer Bereich rechts und linkst der Seebrücke. Die Abbruchkante der Düne mit einer Höhe von 2,50 bis drei Metern sei ähnlich hoch wie vor zwei Jahren, als im Januar 2017 Sturmtief“ „Axel“ Vorpommern die schlimmste Sturmflut seit zehn Jahren bescherte. „Es ist schon bitter, wenn alle zwei Jahre solche Schäden entstehen“, so Stein.

Die Seebrücke musste am Mittwoch gesperrt werden und ist seit Donnerstagmittag wieder bis zur Hälfte begehbar. „In der anderen Hälfte müssen Reparaturarbeiten durchgeführt werden. Auch einige Strandzugänge müssen wieder in Ordnung gebracht werden“, so Stein. „An der Seebrücke haben wir schon gesehen, dass einige Handläufe in der Nähe des Brückenkopfes weggerissen sind. Auch die Dünenbegrenzer rechts von der Seebrücke wurden weggespült.“

Wie groß der Umfang der Schäden aber genau ist, soll die nächsten Tage geprüft werden, wenn eine Begehung möglich ist. „Vorher können auch keine Aufräumarbeiten beginnen“, so Stein.

Am Nordstrand von Göhren entstand eine bis zu drei Meter hohe Abbruchkante. Quelle: Alexander Stein

Keine Schäden an Düne und Strand

Aufatmen dagegen in Binz: Hier sind keine Schäden an Düne und Strand entstanden. „Die im Resultat des Sturmhochwassers 2017 realisierten Küstenschutzmaßnahmen haben bestens funktioniert“, freut sich Kurdirektor Kai Gardeja. Die Strandprofilierung, die Dünenverbesserung, die Einzäunung und auch die Bepflanzung mit Strandhafer hätten dazu geführt, dass der sonst insgesamt sensibelste Bereich zwischen Seebrücke und Fischer Kuse dem Hochwasser standhielt. Dies betreffe auch den gesamten Strandabschnitt bis zum Ortsteil Prora.

Für die Beseitigung der Flutschäden in Verbindung mit einer Modernisierung des Kurplatzes in Binz vor zwei Jahren hatte das Ostseebad lange auf die versprochene „Sorforthilfe“ vom Land in Höhe von 1, 1 Millionen Euro gewartet. Am 28. Dezember sei diese nun eingegangen, informiert Kai Gardeja.

Wirtschaftswege wurden in Mitleidenschaft gezogen

In Prora dagegen, wo es eine Erosions-, aber keine Küstenschutzdüne gebe, seien die Kräfte des Hochwassers deutlich sichtbar. Insbesondere die Strandabgänge seien dort deutlich stärker betroffen. Vor allem die Wirtschaftswege, also die Abgänge mit Betonspurplatten an den Rettungstürmen, wurden in Mitleidenschaft gezogen. „Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass Prora Teil des offiziellen Küsten- und Hochwasserschutzes in MV wird“, meint der Binzer Kurdirektor. Auch der Teil des Naturstrandes zwischen Fischer Kuse und Biosphärenreservat benötige dringend stabilisierenden Küstenschutz.

Am Strand von Binz haben die Aufräumarbeiten am Donnerstag begonnen, die bis Freitag abgeschlossen sein sollen. Quelle: Kurverwaltung Binz

Im Ostseebad haben die Mitarbeiter der Kurverwaltung bereits damit begonnen, Treibsel und Holz vom Strand zu entfernen. Bis zum Wochenende sollen diese Arbeiten größtenteils abgeschlossen sein. Zahlreiche Strandabgänge und Strandabschnitte sind bereits wieder begehbar. So auch die Seebrücke, die am Mittwoch aufgrund des hohen Seegangs stundenweise gesperrt war. Schäden sind an dem Seesteg derzeit keine zu verzeichnen, so Gardeja.

Strom rechtzeitig abgestellt

Glimpflich davon gekommen ist das Ostseebad Baabe. Zwar wurde das Bollwerk überflutet, doch man geht davon aus, dass an den Anlagen keine größeren Beschädigungen verursacht wurden. „Bis auf die Elektro-Anlagen, die müssen erst noch überprüft werden“, sagt Tourismusdirektorin Uta Donner. Vor zwei Jahren waren elektronische Versorgungsleitungen für die Segelboote am Steg durch das Wasser stark beschädigt worden. Diesmal hatte man den Strom rechtzeitig abgestellt.

Zu spät dran war dagegen Werner Wanitschke. „Das Wasser ist zu schnell gekommen, ich konnte nichts mehr vorbereiten“, erzählt der Baaber. Er hat am Hafen seinen Fischkutter „Lütt Matten“ stehen, den er im Sommer als Imbiss betreibt. „Er stand richtig im Wasser. Das ging aber schnell wieder zurück. Es hätte anders ausgesehen, wenn das Boot länger im Wasser gewesen wäre. Ich mache mir keine Sorgen, dass Schaden entstanden ist. Die Elektrik habe ich oben eingebaut „, so Wanitschke. Vor zwei Jahren halfen Sandsäcke und Pumpen gegen das Hochwasser, als das Baaber Bollwerk samt Hotel „Solthus“ von der Außenwelt fast abgeschnitten war, weil die Zufahrten überflutet wurden. Künftig will er sich allerdings besser langfristig rüsten und einen kleinen Schutz bauen.

Weitgehend unbeschädigt blieb der Strand von Baabe, auch wenn die Wellen bis zur Dünne rollten, weiß Uta Donner. Und auch in Sellin ist man erleichtert. „Die Schäden sind bei weitem nicht so hoch wie vor zwei Jahren“, erklärt Bürgermeister Reinhard Liedtke. Haupt- und Südstrand seien weitgehend unversehrt geblieben. Lediglich ein paar Bäume seien abgebrochen beziehungsweise herabgestürzt. Diese werden ab Montag beräumt. An den beiden zum Teil überfluteten Häfen in Sellin und Seedorf seien keine Schäden entstanden. Im erst im letzten Jahr eröffneten Wasserwanderrastplatz am Selliner See wurden die Versorgungspoller extra so hoch gebaut, dass ein Hochwasser keine Schäden anrichten kann, so Liedtke.

Fischkutter wurde geborgen

In Altefähr hat das Hochwasser den Fischkutter „Kehr Wieder“ mit sich gerissen. „Es passierte zwischen 19 und 20 Uhr“, sagt Stev Baron, Betriebsleiter der Hafen- und Tourismuswirtschaft. Da schaute dann nur noch ein kleiner Teil des Kutters heraus. Am Donnerstag wurde er geborgen. „Er wird auf jeden Fall draußen bleiben. Dort wo die Planken zusammenlaufen, ist nun ein großes Loch. Nach einer Begutachtung muss der Besitzer dann die Entscheidung treffen, was weiter passiert“, so Baron. Auch der Segelschule Sail & Surf wurde ein Opti entrissen, der auf dem Dänholm wieder angefunden und bereits zurückgeholt wurde. „Natürlich hat sich viel Dreck angesammelt, aber weitere Schäden wurden noch nicht entdeckt“, sagt Stev Baron. Allerdings werden die Planken der Stege erst noch inspiziert und auch die Stromkästen, die für diesen Zeitraum vorsorglich abgeschaltet wurden, werden erst nach einer Trocknungsdauer wieder in Betrieb genommen.

Einen glimpflichen Ausgang des Hochwassers sieht auch Nadin Kriesel von der Wasserschutzpolizei in Sassnitz. „Ich hätte mit mehr Schäden gerechnet“, sagt die Polizeioberkommissarin. Hier hat sich ein Sportboot losgerissen, das in einer Schilfkante bei Lietzow wieder aufgefunden wurde. Das Hochwasser machte jedoch auch den großen Schiffen zu schaffen. Im Fährhafen Mukran sind Fährschiff und Pierkante zu sehr aufeinander getroffen. „Dabei handelt es sich jedoch nur um eine leichte Kollision. Und mehr Schäden gab es zum Glück nicht“, so Nadin Kriesel.

Wasser stand in den Gebäuden

Auch Hiddensees Bürgermeister kann aufatmen. „Bei uns ist alles heil geblieben“, sagt Thomas Gens. „Klar gab es ein paar kleinere Abbrüche, aber alles im normalen Rahmen. Auch einige Buhnen sind abgetrieben.“ Das Hochwasser in Verbindung mit dem Nordwind sei für die Insel jedoch unkompliziert. „Das ist entspannt. An diesem Tag war zwar der Fährverkehr stillgelegt, konnte am nächsten Tag aber wieder starten“, so Gens.

Bürgermeister Holger Kliewe kann die Schäden in seiner Gemeinde Ummanz ebenfalls überblicken. „Es gab Überflutungen im Hafenbereich in Waase, wo das Wasser dann auch in den Gebäuden stand. Aber auch dort wo das Wasser über den Deich ging und Grünland und Ackerflächen überflutet hat, muss nun abgepumpt werden“, sagt der Bürgermeister. Holger Kliewe ist froh, dass es hier nicht zu Deichbrüchen kam, bedauert aber, dass die Kosten für die Pumparbeiten nun an den Bürgern hängenbleiben.

Gerit Herold und Wenke Büssow-Krämer

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