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Rügen B 96n auf Rügen: Nicht jeder ist froh über die neue Straße
Vorpommern Rügen B 96n auf Rügen: Nicht jeder ist froh über die neue Straße
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06:00 25.06.2019
Vor der Freigabe des letzten Bauabschnitts der B 96n zwischen Samtens und Bergen wird noch letzte Hand angelegt. Quelle: Uwe Driest
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Samtens

Die B 96: Sie ist ein Mythos. Vom Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien führt sie über Berlin bis an die Ostsee. Die einstige Traumstraße der DDR gilt als eine Art ostdeutsche Route 66 und wurde deswegen schon von der Gruppe Silbermond besungen. „Und die Welt steht still hier im Hinterwald / Und das Herz schlägt ruhig und alt / Und die Hoffnung hängt am Gartenzaun / Und kaum ein Mensch kommt je vorbei“, heißt es in dem Lied. Die Zeilen gelten heute allenfalls noch für den auf dem Festland gelegenen Teil der Straße, meint Andreas Klug, frisch gewählter Bürgermeister der Rügener Gemeinde Rambin.

Durch Rambin rollte der Verkehr schon auf der alten B 96. „Alt“ deshalb , weil im Jahr 2015 parallel zur ursprünglichen B 96 eine neue Straße dazu kam: die B 96n, die von vielen als Rügenautobahn bezeichnet wird. Von der Rügenbrücke an Altefähr vorbei und bis Samtens reicht die neue Trasse seitdem. Und ab Dienstag, dem 25. Juni, kommt ein neuer Abschnitt hinzu, der von Samtens bis Bergen reicht.

Das zweite Teilstück der B 96 n auf der Insel wird am 25. Juni übergeben.

Deutlich mehr Verkehr und Lärm

Während nun Hoteliers der Rügener Bäderküste und Gewerbetreibende im Sassnitzer Hafen die neue Bundesstraße herbeisehnen, können Anlieger nicht nur Vorteile erkennen. Fahrzeugdichte und Lärmpegel hätten deutlich zugenommen mit der B 96n, meint zum Beispiel der Rambiner Bürgermeister Andreas Klug. „Während die Autos früher mit Tempo 50 durch die Dorfstraße fuhren, jagen sie heute mit mindestens hundert Sachen über die Schnellstraße“, sagt er „Das führt zu einer allgemeinen Verlärmung, die wir an der alten B 96 noch nicht hatten.“ Das werde auch durch die von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) vor drei Jahren zugesagte Lärmschutzwand nicht viel besser werden – falls die jemals kommt. „Das Ärgerliche ist, dass alles so verdammt lange dauert“, sagt Klug. Außer Absichtserklärungen und bebilderten Planungen sei noch nichts passiert. Zwar wohnt Klug selbst direkt an der Dorfstraße und kann jetzt wieder in seinem Vorgarten frühstücken, aber im Neugebiet von Rambin würde niemand mehr bei offenem Fenster ein Auge zu tun.

Behörde nahm Straße am Montag ab

Ob sie nun geliebt oder gehasst wird - Befürworter und Kritiker der neuen Fernverkehrsstraße B 96n eint die Erleichterung darüber, dass die Straßenbauarbeiten auf der Insel Rügen mit der heutigen Freigabe des letzten Abschnitts enden. Auf dem neuen Asphaltband legten Kolonnen noch bis zuletzt Hand an Schilder, Fahrbahnmarkierungen und Leitplanken. Ein Bagger schob Erdreich an der Wildbrücke zusammen, über die künftig Fuchs und Hase die Straße queren sollen. Auch der Zaun, der den Tieren als Sichtblende dient, steht inzwischen. Am vergangenen Freitag nahm die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -baugesellschaft (Deges) das Bauwerk ab. „Dabei ging es nur noch um Feinheiten in Randbereichen, die bis Ende Juli nachzubessern sind“, sagt Kay-Uwe Meyer, Baubevollmächtigter der Deges. So hätten die Regengüsse der vergangenen Tage die noch nicht mit Gras befestigten Böschungen rutschen lassen. Am Montag folgte die Abnahme durch die Verkehrsbehörde.

Alte Straße wird Geheimtipp

Auf der anderen Seite der Straße in Rambin hat Marco von Kessel inzwischen seinen Frieden gemacht mit der neuen Verbindung. „Ich freue mich, wenn die alte Straße wieder durchgehend befahrbar ist. Sie wird dann gerade während der An- und Abreisetage zum Geheimtipp werden und es wird mehr Urlauber geben, die hier entlang fahren und uns finden“, glaubt der Inhaber der Alten Pommernkate. Wenn die Feriengäste Ruhe und Muße hätten, würden sie auch mehr kaufen. „Als die Menschen vor dem Bau der B 96n im Stau standen, wollten sie ihre Fahrt nicht gern unterbrechen. Künftig müssen sie nicht mehr befürchten, dass sie nach einem Zwischenstopp nicht zurück auf die Straße gelangen“, so von Kessel. „Insgesamt glaube ich aber nicht, dass wir der Insel durch immer mehr Straßen immer mehr Urlauber zuführen sollten.“ Stattdessen sollten lieber Vor- und Nachsaison beispielsweise durch Förderung des Radtourismus gestärkt werden. „Der hat bereits deutlich zugenommen, seit es einen Radweg entlang der alten Bundesstraße gibt. Allein am Freitag kam eine Gruppe von 80 Radlern auf unseren Hof gefahren.“

Hiddensee-Verkehr staut sich an Bahnübergang

Ein Stück weiter in Samtens stellt Ökobauer René Thom der Straße ebenfalls kein gutes Zeugnis aus. Mehr Verkehr gebe es und bedeutend lauter sei es geworden. Sein Hof liegt an der Straße nach Garz zwischen der Abfahrt Samtens und dem Bahnübergang. „Seit der Verkehr nach Schaprode und Hiddensee nicht mehr von der alten Bundesstraße Richtung Norden abbiegt, sondern von der Abfahrt der neuen Schnellstraße an unserem Hof vorbei und über die Bahngleise geleitet wird, staut sich der Verkehr in beiden Richtungen vor der geschlossenen Schranke“, hat er beobachtet. Thom ist einer jener Landwirte, die Flächen für den Straßenbau abgeben mussten. Rund fünf Hektar seien es gewesen, für die er bei heutigen Grundstückspreisen etwa das Sechsfache bekommen würde. „Heute können sich nur noch Apotheker und Ärzte so ein Investment auf Rügen leisten“, sagt er bitter. Etwas Gutes kann er der neuen Situation aber auch abgewinnen: „Wir sind froh, dass wir die alte 96 bald wieder für uns haben“.

Nächste Sperrung angekündigt

In Stönkvitz betreibt Uwe Glaubitz das Landhotel Rügen. Der Hotelier bedauert den Verlust tausender Bäume in seinem Bereich und bezweifelt zudem die Wirkung der Wildbrücke. „Die Tiere sterben jetzt hier“, sagt er. Wildtiere würden über die alte Straße laufen, wo sie vom Zaun an der neuen Bundesstraße gestoppt würden. „Wenn sich dann ein Auto nähert, treten sie vor Angst den Rückweg an und laufen in den Verkehr.“ Allein in den vergangenen zwei Wochen habe er zwei tote Rehe, Hasen und einen verendeten Fuchs gesehen. Auch an den wirtschaftlichen Nutzen des Neubaus mag er nicht recht glauben: „Für den sanften Tourismus brauchen wir eine Fernverkehrsstraße auf der Insel? Ob das zielführend ist?“ Neben einer verbesserten Ausschilderung seines Hotels würde sich Uwe Glaubitz vor allem eine Radwegeverbindung wünschen.

Ungetrübt ist zumindest die Freude von Oliver Albe, Pächter der Esso-Tankstelle Höhe Bergen. Noch. „Jetzt sind wir erst einmal erleichtert über die Freigabe der Straße“, sagt er. Von Mitte September bis Ende Mai kommenden Jahres kündigt sich allerdings eine erneute Sperrung der B 96 in der Ortschaft Semper an. „Das tut uns mehr weh als das Umleitungs-Chaos an der B 96“, sagt er. In den drei Jahren der B-96-Sperrungen zwischen Ralswiek und Strüßendorf habe es für ihn weder Vor- noch Nachsaison gegeben. Die Leute blieben einfach weg.

Uwe Driest

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