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Rügen B96n auf Rügen dem Verkehr übergeben
Vorpommern Rügen B96n auf Rügen dem Verkehr übergeben
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20:58 25.06.2019
Dirk Brandenburger (Deges), Bundesminister Andreas Scheuer, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Landrat Stefan Kerth, Staatssekretär Patrick Dahlemann, Oberbürgermeister Alexander Badrow und Verkehrsminister Christian Pegel beim Banddurchschnitt (v. li.). Quelle: Deges
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Im - aus Sicht des Redners - richtigen Moment ließ der Fahrer eines Lkw der Firma „Insellogistik“ im Vorbeifahren seine Fanfare ertönen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) griff die Steilvorlage gerne auf und deutete den Gruß des Truckers als Freude über „das große Finale eines ehrgeizigen Projekts“. Scheuer übergab gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und zahlreichen geladenen Gästen am Dienstag den letzten Bauabschnitt zwischen Samtens und Bergen dem Verkehr. „Ab heute ist die B96n von der A20 aus kreuzungsfrei zu befahren.

Das ist ein Fortschritt für Mobilität und Lebensqualität. Eine moderne Verkehrsanbindung ist ein Standortvorteil und der Weg nach Berlin und Hamburg wird nun gefühlt kürzer. Wirtschaft braucht Wege, das ist der Kraftstoff der Entwicklung“, so Scheuer. 15 Jahre Arbeit und 489 Millionen Euro für eine Strecke von 54 Kilometern seien eine strukturpolitische Investition in die Entwicklung des ländlichen Raums und damit die Gleichheit der Lebensverhältnisse in Ost und West.

Deswegen sei er gern nach Samtens gekommen. Der Ortsname sei slawischen Ursprungs und würde so viel wie „einsam“ bedeuten. Das bestätigt die „Rügen-Bibel“ von Ohle-Baier zwar nicht, aber dass der Ort künftig ebenso wenig einsam sein wird, wie in der Vergangenheit, dürfte zutreffen. Im Jahresdurchschnitt würden täglich 20 000 Fahrzeuge, in sommerlichen Spitzenzeiten auch mal 26 000 die Straße befahren, so Scheuer. „Das hätte die alte B96 natürlich nicht geschafft“, freute sich der Bayer die neue Straße. An der stört ihn lediglich die grüne Farbe des Mittelstreifens. „Wir wären bereit, ihn in schwarz-rot-gold ändern zu lassen“, bot Scheuer daher an. Am Rand der Feier äußerte sich der Bundesminister zum Thema Maut-Verbot durch die EU. Sein Haus prüfe derzeit die Folgen des Urteils. „Im Vorfeld abgeschlossene Verträge haben wir dem Parlament offen gelegt. Für deren Kündigung gibt es schließlich triftige Gründe.“

Galerie von der Freigabe der

Am Dienstag wurde der letzte Abschnitt zwischen Samtens und Bergen dem Verkehr übergeben.

Die Ministerpräsidentin betonte auch die Bedeutung von Natur, jedoch dürfe die Diskussion darum „nicht schwarz-weiß“ verlaufen. Demokratische Prozesse sähen umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfungen vor, die Abläufe auch schon mal verlangsamen. „Wir brauchen Natur, aber auch Straßen.“ Für die Umsetzung der vom Gesetzgeber geforderten Ausgleichsmaßnahmen ist bei der Deges Thomas Ulbricht zuständig. Für ihn geht die Arbeit auch nach Öffnung der Straße noch weiter. Wanderungen von Tieren sollen künftig über die neue Wildbrücke in Holzbauweise geleitet werden, erklärt er. Zudem habe man 60 Hektar aufgeforstet, Waldränder gestaltet, Hecken gepflanzt und Biotope für Insekten, Vögel und Fledermäuse geschaffen. „Wir schaffen eine Vernetzungsstruktur von Swine bei Sehlen bis nach Vieregge auf der Halbinsel Lebbin“, damit die Biodiversität erhalten bleibt“, ergänzt Forstamtsleiterin Ricarda Pries. Natürlich sei der Naturzustand nicht besser als vorher, „aber wir haben das Beste draus gemacht“.

„Es gibt keinen Grund zu feiern“, fanden daher Aktivisten des Naturschutzbundes (NABU) und blieben dem Anlass fern. Man wolle nicht als Feigenblatt dienen, heißt es in einer vorab versandten Mitteilung. Nach fast dreijähriger Bauzeit seien 2.500 Fichten, Eschen und Buchen gefällt worden. Die Kosten für den 14 Kilometer langen Abschnitt von Samtens-Ost bis zum großräumigen Knotenpunkt vor Bergen beliefen sich auf 55,6 Millionen Euro. „Zusammen mit der bereits 2015 fertiggestellten Strecke von Altefähr bis Samtens summierten sich die Kosten damit auf 152,1 Millionen Euro, nahezu doppelt so viel wie ursprünglich vorgesehen“, so der Nabu. Dass Infrastruktur und Natur sich nicht ausschlössen, „ist mit dem Schockbauwerk auf Rügen nun endgültig widerlegt“. Die Kreuzung vor Bergen wurde ersetzt durch ein monströses Bauwerk, „das die Landschaft entseelt und die Inselstraßen verstopft“.

Aktivisten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (AFDC) hielten während der Festveranstaltung ein Transparent hoch, auf dem sie auf die Gefahren aufmerksam machten, die Radfahrern auf der B196 zwischen dem neuen Kreuz und Bergen drohen. Weil sogar die Bahn davon ausging, dass es dort einen Radweg geben werde, habe sie eigens einen Übergang für Fußgänger und Radfahrer an der Bahnstrecke nach Putbus geschaffen. Der Minister sagte zu, mittels einer nicht-amtlichen Beschilderung auf einen touristischen Radweg hinzuweisen. Das „Provisorium“ soll bis zur Fertigstellung der Ortsumgehung Bergen im Jahr 2026 gelten.

Die eigentliche Öffnung der neuen Bundesstraße erfolgte erst am Abend. Um kein Risiko einzugehen, entschloss sich Kay-Uwe Meyer, Baubevollmächtigter der Deges, die Freigabe in die verkehrsärmeren Abendstunden zu verlegen, wenn zwischen 20 und 22 Uhr die Vorstellung der Störtebeker-Festspiele läuft. Später seien noch die Streichungen an den Wegweisern zu entfernen, der Bahnübergang an der B196 zurückzubauen und im Herbst auch die für Lkw-Kontrollen durch den Zoll genutzten Parkplätze bei Samtens wiederzuerrichten. „Bis Mitte kommenden Jahres habe ich noch auf der Insel zu tun“, so Meyer.

Uwe Driest

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