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Rügen Bäume fallen am Weg zum Königsstuhl
Vorpommern Rügen Bäume fallen am Weg zum Königsstuhl
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00:00 10.03.2017
„Wir werden den Wald in einer Tiefe von etwa einer Baumlänge gründlich auflichten.Dr. Ingolf Stodian, Nationalparkamt Jasmund
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Sassnitz

Im Nationalpark fallen erneut alte Buchen. Seit Anfang der Woche sägen Waldarbeiter Bäume links und rechts der Straße zwischen dem Baumhaus Hagen und dem Nationalparkzentrum ab. Dort wird für den Nationalparkgedanken, die Natur Natur und den Wald Wald sein zu lassen, geworben. Wie passt das zu den Fällungen?

Der hölzerne Abstieg am Wedding: Der untere Teil der Konstruktion wurde bereits abgebaut. Die Treppe wird komplett erneuert. Quelle: Foto: I. Stodian

Dezernatsleiter Dr. Ingolf Stodian, der für den Nationalpark auf Jasmund verantwortlich zeichnet, spricht von einem ungeliebten, aber leider notwendigen Kompromiss. Einerseits ist seine Behörde der Nationalparkidee verpflichtet, andererseits aber auch weiteren gesetzlichen Bestimmungen. „An den Straßen gilt für uns die gleiche Verkehrssicherungspflicht wie für andere auch.“ Die Umsetzung dieser Pflicht hatte bereits im vergangenen Jahr vielfach für Verstimmung gesorgt, als Bäume an der Landesstraße zwischen Sassnitz und dem Abzweig am Baumhaus gefällt und liegengelassen wurden. Jetzt soll das auch an der Straße zwischen dem Abzweig und dem Königsstuhl geschehen.

Bäume stehen viel zu dicht

„Wir werden den Wald in einer Tiefe von etwa einer Baumlänge gründlich auflichten“, kündigt Ingolf Stodian an. Die Buchen stünden dort viel zu dicht. Wären es in anderen Wäldern etwa zwölf Baumriesen pro Hektar, seien es am Straßenrand mehrere hundert. „Die Stämme können gar nicht umfallen, wenn sie abgesägt sind.“ Weil die Bäume kaum Licht bekommen und kein Platz für ihre Wurzeln ist, gehen viele ein. Diese Exemplare und jene, deren Äste zu weit über die Straße ragen, werden gefällt.

Das seien etwa 60 Prozent. Ihr Fehlen in dem Streifen an der Fahrbahn werde kaum auffallen. „Das Areal ist immer noch voll bestockt“, sagt der Dezernatsleiter. Dazu kommt, dass im Gegensatz zu den Fällungen im vergangenen Jahr das Holz aus dem Wald geholt und vermarktet wird. „Darüber haben wir lange mit den Fachleuten diskutiert“, so Stodian. Denn sterbendes Holz sei bekanntermaßen die Grundlage für neues Leben im Wald. „Aber in diesem Fall kommt wegen des dichten Bestandes so viel zusammen, dass wir es diesmal nicht einfach liegenlassen können.“ Lediglich die Kronen bleiben zurück und werden in den hinteren Teil des Waldes gezogen.

Noch etwa zwei Wochen sollen die Arbeiten dort andauern. In der Zeit kann es auf der Straße immer mal wieder für einige Minuten Sperrungen geben. „Aber dann haben wir dort erst mal für eine Weile Ruhe“, hofft Stodian. Für ihn ist wichtig, dass diese Baumfällungen abgeschlossen sein werden, bevor die Sanierung der Straße zum Königsstuhl beginnt. Die Pläne dafür werden derzeit geprüft; im Sassnitzer Bauamt hofft man auf einen Baubeginn noch in diesem Jahr. Gebaut wird im Nationalpark bereits an einer anderen Stelle: Dieser Tage haben Mitarbeiter begonnen, den unteren Teil der Treppe am Wedding abzureißen. Der Zugang vom Wald zum Strand hinter den früheren „Prinzenhäusern“ ist morsch und muss erneuert werden. Und nicht nur das: Auch hier werden Bäume weichen, kündigt Ingolf Stodian an. „Einige Buchen drohen, auf die Treppe zu fallen.“ Sie sollen – wie die kranken und absterbenden Exemplare an dem Abgang – zum Ende des Monats abgesägt werden.

Weniger Stufen beim Abstieg

Anschließend werden die Reste der oberen Treppe abgebaut und durch eine neue Holzkonstruktion an der selben Stelle ersetzt. Die wird möglicherweise etwas anders verlaufen als die bisherige. „Wir wollen versuchen, natürliche Abstufungen im Gelände stärker zu nutzen und die Zahl der Treppenstufen zu reduzieren“, so Ingolf Stodian. Das reduziert zum einen den Pflegeaufwand, ist zum anderen aber auch für die Passanten angenehmer. Ob im unteren Bereich überhaupt noch Holzstufen notwendig seien oder einfache Erdstufen genügen, wird sich nach dem Abriss der gesamten Konstruktion zeigen.

Wanderer können den Bereich derzeit trotz der fehlenden Holzkonstruktion im unteren Bereich benutzen. Während der Baumfällungen Ende des Monats und im April, wenn die neue Konstruktion installiert wird, wird dieser Abstieg vom Wald zum Strand kurzzeitig gesperrt sein, kündigt das Nationalparkamt an und verweist auf die Alternativen: Die Spaziergänger können entweder einen der Zugänge im unmittelbaren Stadtgebiet von Sassnitz nutzen oder sie weichen auf den nur rund 300 Meter entfernten Abstieg an der Piratenschlucht aus.

Letzterer bleibt bis auf weiteres zusammen mit der Treppe am Kieler Bach die einzige Verbindung zwischen Hochufer und Strand im Nationalpark. Die im vergangenen Jahr teilweise zerstörte Treppe am Königsstuhl ist nach wie vor gesperrt. Über ihre Zukunft beraten zurzeit noch Vertreter des Schweriner Wirtschafts- und des Landwirtschaftsministeriums.

Maik Trettin

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