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Rügen Bauern ernten Unterschriften
Vorpommern Rügen Bauern ernten Unterschriften
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16:54 23.05.2017
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1 Quelle: Uwe Driest
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Neklade

Unter der Überschrift „Kein Ackerland für Ausgleichsmaßnahmen!“ rufen eine Arbeitsgemeinschaft aus Landwirten und Bürgermeister des Amtsbereichs Bergen seit Montag zu einer Unterschriftensammlung auf. Zum Ausgleich der mit dem Bau der Nord Stream 2 Pipeline im deutschen Küstenmeer verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft sind Kompensationsmaßnahmen auf der Insel Rügen geplant (die OZ berichtete). Die Frist für die Auslegung der Planungsunterlagen lief in der vergangenen Woche, zum Monatsende müssen Einwendungen gegen das Vorhaben beim Bergamt eingegangen sein und noch vor den Sommerferien soll der Erörterungstermin stattfinden.Durch diese Maßnahmen seien landwirtschaftliche Betriebe und ländliche Regionen in ihrer Existenz bedroht, heißt es in dem Text, unter den nach dem Willen der Landwirte in den kommenden Tagen möglichst viele Insulaner ihre Signatur setzen sollen: „Wir sehen das Verschwinden wertvoller landwirtschaftlicher Flächen mit großer Sorge und fordern den Stopp des Irrsinns der derzeitigen Ausgleichsregelung und den fortlaufenden Flächenfraß“ heißt es in dem Text weiter.

Landwirtschaftliche Flächen sollen weitestgehend ausgenommen sein

Mehr als 1000 Hektar Flächen seien in den vergangenen Jahrzehnten für den Bau von Straßen und Häusern auf der grünen Wiese oder auch Golfplätze verlorengegangen, schätzt der Poseritzer Landwirt Maik Zilian. Etwa 100 Hektar habe allein die Agrargemeinschaft Samtens für den Bau de neuen Bundesstraße abgeben müssen. Andere Flächen seien an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), den Landschaftspflegeverband Rügen oder Naturschutzorganisationen übergeben worden.Tatsächlich gibt es insgesamt auf Rügen zwar mit rund 60 000 Hektar weniger landwirtschaftliche Flächen als in anderen Regionen des Landes – nur die kreisfreien Städte weisen weniger auf – diese aber bestehen seit 20 Jahren konstant, weiß Karin Pisch, Geschäftsführerin des Rügener Bauernverbands. Um die 1000 Hektar davon würde NordStream gern für naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen verwenden, die der Gesetzgeber als Ausgleich für den Bau der Pipeline vorschreibt. Dieser Ausgleich muss soweit möglich in der von dem Eingriff betroffenen Bereich stattfinden. Zugleich sollen landwirtschaftliche Flächen weitestgehend ausgenommen sein. „Wir wollen auch kein Brachland schaffen“ betont Steffen Ebert, Sprecher von Unternehmenssprecher von NordStream. „Die Bauern können mit uns die Flächen bewirtschaften oder sie gegen Entschädigung abgeben.“ Bei der Übertragung des Nutzungsrechts für eine sogenannte „Dienstbarkeit“ seien beispielsweise extensive Umtriebsweiden vorstellbar. Wer nicht mehr intensiv wirtschafte und daher Einnahmeverluste habe, bekäme Flächen dazu. Denkbar wären auch Hilfen bei der Erschließung neuer Einnahmequellen beispielsweise im Tourismus. Ebert: „Wir könnten beim Bau von Reitwegen helfen und die Betriebe könnten Kutschfahrten anbieten.“

Unterschriftenlisten sollen in Supermärkten ausliegen

Auch eine von Anwohnern und der Stadt Putbus in die Diskussion geworfene Aufwertung des verschlammten Wreecher Sees durch Ausbaggerung und Öffnung des Abflusses würden die von NordStream beauftragten Planer naturschutzfachlich prüfen.Über diese Brücke mögen die Bauern indes nicht gehen und wehren sich dagegen, die Hoheit über ihre Scholle abzutreten. Dass Nordstream Termine immer sehr eng gesetzt und den Dialog nur schleppend begonnen hätte, habe viel Vertrauen zerstört, sagen die Landwirte. Bergens Bürgermeisterin Anja Ratzke steht ihnen zur Seite und will ihrer Stadtvertretung empfehlen, „zwei Beschlussvorlagen zum gemeindlichen Einvernehmen der Pläne und zu einem betroffenen städtischen Grundstück abzulehnen“. Ratzke will sich nun dafür verwenden, dass in Supermärkten und an weiteren stark besuchten Orten die Unterschriftenlisten ausliegen dürfen. „Jeder von uns wäre auch bereit, sich an einen Stand in der Innenstadt zu stellen“, meint Landwirt Johann Tophoff-Kaup und die Internetseite Bauern-fuer-ruegen sei in Arbeit. Am heutigen Mittwoch will die Arbeitsgemeinschaft bei einem weiteren Treffen mit Anliegern nächste Schritte beraten.

Uwe Driest

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