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Rügen Sellin: Ortsteile gegen Gewerbepark
Vorpommern Rügen Sellin: Ortsteile gegen Gewerbepark
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07:53 27.02.2019
In Sichtweite des Neuensiener Sees soll nach dem Willen der Gemeindevertretung ein Gewerbegebiet auf der Grünen Wiese entstehen. Quelle: Uwe Driest
Sellin

Still ruht der Neuensiener See und still war es eine Zeitlang um das Vorhaben der Gemeinde geworden, ein Gewerbegebiet etwa zweihundert Meter von dessen Ufer entfernt auf der sprichwörtlichen grünen Wiese zu errichten. Bis zur vergangenen Woche als Gemeindevertreter Matthias Scheibe (Linke) zur Versammlung von Einwohnern der Selliner Ortsteile Seedorf, Moritzdorf, Neuensien und Altensien in die Gaststätte „Seeblick“ lud. Was denn wohl mit den zahlreichen Einwendungen gegen das Projekt geworden sei und ob denn die Einwohner mit einer Antwort darauf rechnen dürften, begehrte Christa Fröhling-Walenka zu wissen. Als sie von dem Vorhaben erfuhr, habe sie es zunächst für einen verfrühten April-Scherz gehalten. „Auf die Idee wäre ich im Leben nicht gekommen, dass das jemand ernsthaft versuchen würde. Schließlich handelt es sich hier um ein rein touristisches Gefüge“, so die Neuensienerin.

Mit ihrer Meinung steht sie nicht allein da. Von mindestens 80 Einwendungen weiß Manfred Rakelmann. „Fast Alle Bewohner von Seedorf und Neuensien haben sich beteiligt, um das Projekt zu verhindern“, sagt der Seedorfer Hotelier, der seit 1997 im Dehoga-Vorstand der Insel aktiv ist. „Ich vertrat seit jeher die Auffassung, dass wir nicht mehr Betten, sondern bessere Qualität und sanften Tourismus brauchen. Das Projekt wäre für mich der Anfang zur weiteren Bebauung auf der grünen Wiese“, so Rakelmann. Wenn alle Dämme brechen, könne im schlimmsten Fall eine Bebauung bis nach Thiessow entstehen, fürchtet er.

Von schwerwiegender Verletzung des Naturschutzes und der Bedrohung einer Allee ist in den Einwendungen die Rede. Zudem sei die Beteiligung nicht ordnungsgemäß verlaufen, Anwohner nur unzureichend informiert worden, eine zu diesem Zweck geplante Veranstaltung abgesagt und eine Sitzung der Gemeindevertretung verlegt worden, rügen die Kritiker. Auch habe der Ausschuss für die Ortsteile im vergangenen Jahr nicht getagt, beklagten Anwohner. Schließlich zählt zu dessen Aufgaben laut Hauptsatzung der Gemeinde auch „die Veräußerung, Vermietung und Verpachtung von Grundvermögen der Gemeinde soweit es im Ortsteil gelegen ist“.

Matthias Scheibe, der auch Vorsitzender des Ausschusses ist, verteidigte den Beschluss der Gemeindevertretung, räumt aber zugleich ein, dass das Vorhaben auf „erheblichen Widerstand“ stößt und es eine nennenswerte Zahl von Einwendungen gab, „die wir nicht ignorieren können“. Das Gremium wolle die Entscheidung daher nicht mehr vor der Kommunalwahl „durchpeitschen“, sondern den Bürgern Gelegenheit geben, die Sache bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen. Nach der Wahl würde dann der von der Gemeinde beauftragte Planer die Einsprüche der Einwohner abwägen, Fragen der Verkehrsanbindung und Umweltverträglichkeit prüfen, den Bebauungsplan überarbeiten und erneut zur Diskussion stellen, erklärt Bauamtsleiter Erik Andreas. „Wenn die Gemeindevertretung der Auffassung ist, ihren Nachfolgern, die Chance einzuräumen, zu gestalten, ohne sie vor vollendete Tatsachen zu stellen, ist das legitim.“

Ausschussmitglied Daniel Adler, selber Gewerbetreibender, warb für die Umsetzung des B-Plans. „Wir können nicht nur vom Tourismus leben, sondern brauchen auch Gewerbeansiedlungen. Machen Sie einen Vorschlag für einen Standort in Sellin, damit die Gewerbesteuer hier bleibt“, so Adler. „Was hat das Gewerbe davon, wenn der Tourismus geschädigt wird?“, fragte eine Einwohnerin. Letztlich hingen auch die meisten Gewerke vom Tourismus ab, fanden auch andere Zuhörer. Dem Streben nach finanziellem Wachstum sei keine Grenze gesetzt, den natürlichen Ressourcen hingegen schon, so der Tenor. „Wenn das die einzige infrage kommende Stelle auf Selliner Gebiet ist und die so gravierende Nachteile hat, muss man vielleicht in anderen Gemeinden suchen“, meinte Christa Fröhling-Walenka. Den Vorschlag griff Scheibe auf: „Sollte sich im Bereich benachbarter Gemeinden ein geeigneter Standort finden, ließe sich vielleicht über eine gemeinschaftliche Nutzung nachdenken.“

Uwe Driest

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