Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Baustopp an der Villa „Merlin“
Vorpommern Rügen Baustopp an der Villa „Merlin“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:16 20.03.2019
Die Balkone an der Bäderstilvilla wurden abgerissen. Quelle: Stefan Sauer
Binz

Etliche Balkone an der Fassade sind schon verschwunden. Und auch der Namenszug der Villa „Merlin“ ist abmontiert worden. Holzreste liegen aufgetürmt neben dem Haus. Die Abrissarbeiten an der Bäderstilvilla in der Elisenstraße 5 waren in vollem Gange. Doch dann wurden sie vom Landkreis gestoppt. „Wir haben einen Baustopp ausgesprochen, weil in diesem Gebiet eine Erhaltungssatzung der Gemeinde gilt. Wir sind angehalten einzuschreiten, wenn gegen Recht verstoßen wird“, begründet Kreissprecher Olaf Manzke. Der Eigentümer müsse dies nun mit der Gemeinde klären. Wenn dieser den Baustopp nicht einhalte, werden ihm Zwangsmaßnahmen und Bußgeld angedroht.

„Der Eigentümer hat keinen Antrag auf eine Genehmigung gestellt, er hat weder eine Bau- noch eine Abrissgenehmigung“, sagt Bauamtsleiterin Romy Guruz. „Wir waren über die Dreistigkeit entsetzt.“ Laut Erhaltungssatzung für Alt-Binz bedürfen der Rückbau, die Änderungen und die Nutzungsänderungen sowie die Errichtung baulicher Anlagen in diesem Geltungsbereich einer gemeindlichen Genehmigung. Ziel ist es, die städtebauliche Eigenart des Gebietes zu erhalten. Ordnungswidrigkeiten können mit einer Geldbuße bis zu 25 564,50 Euro geahndet werden.

Dass sich in der Elisenstraße Bautätigkeit ankündigen könnte, ahnte man in der Gemeindeverwaltung. „Weil schon massiv in die Verkaufswerbung gegangen wurde“, so Guruz. Wofür, ist auf der Internetseite der Agentur Binz Exquisit nachzulesen: Dort ist für 2019 der Neubau der Villa Chloé in Bestlage am Kurplatz nur vier Minuten vom Strand entfernt angekündigt mit maximal neun exklusiven Wohneinheiten in moderner Bäderarchitektur mit Aufzug und Tiefgarage. Eigentümer ist Wolfgang Zeibig, dem auch das Schlosshotel Ranzow samt Golfplatz gehört.

„Wir haben einen Bauantrag gestellt für die Niederlegung und eine Neubebauung. Dies ist im Verfahren, und wir warten das Verfahren ab. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, so Zeibig. Er verweist darauf, dass er bereits sechs oder sieben Häuser in Binz gebaut beziehungsweise saniert habe, darunter auch denkmalgeschützte.

Abrissarbeiten begannen freitags

Von den Plänen der Bauherren habe die Gemeinde offiziell nichts gewusst, so Bauamtsleiterin Guruz. Die Abrissarbeiten hätten freitags plötzlich begonnen. „Unser Außendienst war informiert worden und dann vor Ort. Da waren die Balkone schon abgerissen. Sehr ärgerlich“, so Guruz. Daraufhin sei der Landkreis informiert worden, der schließlich den Baustopp verhängt habe. Dies sei dem Eigentümer mitgeteilt worden, der keinen Widerspruch eingelegt habe. Die Gemeinde sei mit ihm über dessen Rechtsanwalt im Gespräch, wie weiterfahren wird. Man müsse sehen, ob die Fassade der Villa wieder rekonstruiert wird oder ein Neubau mit der Auflage, diesen in ähnlicher Kubatur und Gestaltung des alten Gebäudes zu errichten, genehmigt wird, so Romy Guruz. Dieser könne auch modern adaptiert sein, wofür es im Ostseebad schon gute Beispiele gebe.

Eine Abrissgenehmigung für ein Gebäude brauche ein Bauherr beziehungsweise Eigentümer in der Regel nicht einzuholen, sagt Kreissprecher Olaf Manzke. Diese sei aber vonnöten, wenn ein Gesetz dies erfordere. Das könnte bestehender Denkmalschutz sein oder wie in diesem Fall die gemeindliche Erhaltungssatzung. Die Gemeinde hatte kürzlich im Landkreis eine Anfrage zum möglichen Denkmalschutz für das Gebäude sowie das angrenzende Ensemble am Kurpark gestellt, so die Bauamtsleiterin. Der für Rügen zuständige Denkmalpfleger der Kreisverwaltung, Dr. Markus Sommer-Scheffler, sei bereits vor Ort gewesen. Experten müssen nun prüfen, inwieweit die Villa beziehungsweise Gebäudeteile erhaltungswürdig sind.

Villa ist nicht denkmalschutzwürdig

Die Balkone waren nicht historisch, sondern dem Vorbild angelehnte Nachbauten. Dazu habe es 1996 seinerzeit vom Bauherren einen Antrag auf Rekonstruktion gegeben, erklärt der Kreisdenkmalpfleger. Die Balkone seien aus Pressspanholz gefertigt, die Fenster aus Kunststoff. Da dies keine originale Substanz sei und das Gebäude durch den Umbau vor 20 Jahren stark verändert wurde, sei es nicht denkmalschutzwürdig. Dies habe das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege bestätigt, so Sommer-Scheffler.

Abgesehen davon gebe es aber die 1999 vom Landkreis erlassene Denkmalbereichsverordnung für den historischen Ortskern von Binz. Die darin vermerkte Kernzone des alten Badeortes mit den Ur-Achsen von Binz aus dem Ende des 19. Jahrhunderts sollen nun um die Elisenstraße, Heinrich-Heine-Straße und Schwedenstraße erweitert werden. Damit würden dann Gebäude in diesem Bereich dem Denkmalschutz unterliegen, was das äußere Erscheinungsbild betreffe, so Sommer-Scheffler. Ob dann Fassaden, Balkone oder Türmchen erhalten oder nachgebaut werden müssen, entscheide das Bauamt im Einvernehmen mit der Denkmalschutzbehörde.

Die Bäderstilvilla „Merlin“ wurde 1907 als Sommerpension gebaut und stand 2018 für 1,9 Millionen Euro zum Verkauf. Von 1996 bis 2002 sei das Haus aufwendig rekonstruiert und saniert worden, stand seinerzeit im Exposé. In diesem hieß es auch, dass in den vergangenen Jahren laufend notwendige Instandhaltungen und Renovierungen vorgenommen worden. Damals befanden sich in der Villa neben drei Ferienwohnungen im Erdgeschoss. Daneben gab es die Privatwohnung der Eigentümer im Ober- und Dachgeschoss. Das Grundstück hat eine Größe von rund 800 Quadratmetern.

Kurz nach Beginn der Abrissarbeiten

Gerit Herold

Dokumentationszentrum Prora zeigt Ausstellung über Flüchtlingskonferenz von 1938 in Évian

20.03.2019
Rügen Fotoausstellung in der Stadtbibliothek - Harro Schack: Stadtgeschichte in Alltagsbildern

Aus Liebe zu seiner Heimatinsel hat Harro Schack in den vergangenen Jahrzehnten tausendfach den Auslöser seiner Kamera betätigt. In Sassnitz wird eine kleine Auswahl seiner Arbeiten gezeigt.

20.03.2019

Der Engländer Malcolm Wood ist auf Rügen als Unternehmer erfolgreich. Die Diskussionen um den Austritt Groß Britanniens aus der EU findet er vor eines: ermüdend.

20.03.2019