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Rügen Küster-, Provinzial- und Mädchenschule – Bildung wurde attraktiv
Vorpommern Rügen Küster-, Provinzial- und Mädchenschule – Bildung wurde attraktiv
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07:11 10.05.2019
Knabenklasse aus der Bergener Schulstraße von 1903.
Knabenklasse aus der Bergener Schulstraße von 1903. Quelle: Repro: Uwe Hinz
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Bergen

Erst nach 1644 kam es zu ersten Festsetzungen des Bezuges, die jedoch auch nicht immer von Bestand waren. So erhielt der Rektor 100 Thaler und 6 Fuder Holz (alte Maßeinheit, abgeleitet Fuhre) . Der Conrektor/Küster erhielt 18 Thaler, 2 Drömt Roggen (norddeutsches altes Getreidemaß) und 4 Fuder Holz. Der Kantor bekam im Jahr 30 Thaler, 4 Drömt Gerste und 4 Fuder Holz. Weitere Festsetzungen gab es in der Matrikel von 1667. Das Schulgeld betrug je Schüler 8 Schilling im Quartal. Jedoch konnte jeder mehr geben. Interessant war, dass es ab dem 16. Jahrhundert für Rektor und Kantor den sogenannten Lauftisch gab, auch „mensa cursoria“ genannt. Diese konnten des Mittags zu den Bürgern gehen und „aus einem Topf“ essen. Nach Aufzeichnungen des Präpositus Droysen wurde das auch teilweise so praktiziert. In späteren Jahren finanzierten die Bürger diesen Tisch je nach Wohlstand durch einen Geldbetrag. Erst 1778 wurde die mensa cursoria durch eine finanzielle Entschädigung an die Lehrer abgelöst.

Unterricht begann mit einem Gebet

Über Lehrinhalte an der Bergener Schule gab es eine Schrift des Rektors Martin Germann, datiert vom 12. Oktober 1692. Diese Schule wurde als eine Verbindung zwischen Latein- und Schreibschule geführt. Die Klassen waren in „prima, media und infima“ eingeteilt. Mittwoch und Sonnabend wurden 3 Stunden unterrichtet. Die anderen Tage waren es täglich 6 Stunden. In Einzelstunden wurden die Klassen zusammengelegt. Unterrichtet wurde von 7-10 und von 12-15 Uhr. Der Unterricht begann mit einem Gebet und einer Lesung aus der Bibel. Schwerpunkt: Lutherischer Katechismus. Religionsunterricht stand an erster Stelle. Danach kam das Studieren der lateinischen Sprache nach der „colloquia Coederrii“. Darauf folgte Griechisch. Die deutsche Sprache wurde nur nebenbei mit behandelt. Weiter gab es Arithmetic (Rechnen) und Calligraphie (Schönschreiben). Besonderen Wert legte man auf das Singen. Dieses konnte Anwendung im Kirchengesang und bei Begräbnissen finden.

Mädchen lernten im Kloster

Der Besuch der Schule war sehr säumig, da die Kinder oft in der Wirtschaft mit tätig waren. So führte die Synode 1707 Klage gegen den säumigen Schulbesuch der Kinder. Mehrere Versuche, die Schulordnung zu verändern, um die Knaben zum Unterricht zu bringen , blieben fruchtlos. Mädchen fanden im 16. und 17. Jahrhundert im Bergener Kloster Möglichkeiten, Schreiben und Lesen, Religion und Handarbeit zu lernen. So stand in der Berger Matrikel von 1667 eine Würdigung und die Bitte an die Klosterjungfern, weiter den Unterricht für Mädchen fortzusetzen. Diejenigen Mädchen, die nicht im Kloster unterrichtet werden konnten, fanden dann in der Küsterschule zusammen mit kleineren Knaben eine Bildungsstätte. Ein kleines Gedicht möchte an das Wirken des Kantors Christian Krey erinnern. Er war von 1721-1778 Kantor zu Bergen und ihm wurde eine wohlklingende und kräftige Stimme nachgesagt. Das war ein wichtiges Auswahlkriterium für die Kantorenstelle. Zum Tod des Bergener Diakonus Pistorius dichtete er folgende Zeilen: Ihr, die ihr Redlichkeit und wahre Freundschaft liebt, fragt, warum doch mein Mund den Trauer-Thon angiebt? Weint mit mir bitterlich; und wißt ihr was mich kränket? Mein Freund, die Redlichkeit, wird hin ins Grab gesencket.

Küster- und Provinzialschule

Die Küsterschule wurde 1803 noch als reine Leseschule geführt. Den Anspruch regulierten auch die Eltern für ihre Kinder, wenn sie als Unterrichtsstoff nicht mehr wünschten als lesen, Katechismus, Gebete und Gesang. Als Gegenpol gab es die Provinzialschule, die die Bürger die „Große Schule“ nannten. Sie stand nur der Bildung für Knaben offen. In einem Bericht von 1803 wurde beklagt, dass die Schüler oft nur bis zu einem Jahr in die Schule gingen, da die Eltern ein mehr an Bildung für unnötig hielten. Die Lehrer schickten die Kinder ebenfalls nach Hause, wenn zu wenig Schüler dem Unterricht beiwohnten. Hier war der Rektor Mathias ebenfalls sehr nachlässig. Zu Beginn des 19. Jahrhundert zählte Bergen etwa 1500 Einwohner. Davon besuchten circa 100 Kinder die Schulen. Erwähnen möchte ich den Rektor Koch, der die Anfänge einer Schülerbibliothek schuf und 1813 seinen Abschied nahm. Die Lücke füllte danach der Kantor Dammas als zeitweiliger Rektor aus.

Wirt und Schneider als Lehrer

Am 4.März 1814 übernahm der Sohn des Präpositus Karl Ludwig Droysen, Friedrich Michael Droysen, das Amt des Rektors der Stadt- und Provinzialschule. Am 4. Juni 1815 ging Schwedisch-Pommern an den preußischen Staat. Ausgangspunkt war Napoleons Niedergang und der anschließende Wiener Kongress. Aus der Porvinzialschule wurde nun eine „höhere Bürgerschule“, in der die Knaben die Voraussetzungen für ein Gymnasium erlangen sollte. Aus der ein- und zweiklassigen Schule wurde ab 1821 eine dreiklassige mit den Unterrichtsfächern Religion, Deutsch, Latein, Geschichte, Geographie, Rechnen und mehr. Da die Räumlichkeiten sehr zu wünschen übrig ließen, erboten sich der Schenkwirt und Schneidermeister Fick und der Zimmermann Müller, Räumlichkeiten für eine Elementarschule für Schulanfängern einzurichten und selbst zu unterrichten. 1855 gab es in Bergen zwei öffentliche Knabenschulen, eine geführt durch den Elementarlehrer Fick und die zweite durch den Küster Grahl.

Start für eine Mädchenschule

Die Bedeutung der Bergener Stadt-und Provinzialschule wurde durch das preußische Kulturministerium im März 1832 hervorgehoben. Bergens Schule sollte den Status einer Abiturientenprüfungskommission erlangen. Dem voraus ging eine Visitation des Stettiner Schulrats Koch im September 1833, die allerdings negativ ausfiel. Im Juli 1837 erhielt der Theologe Schwing von der Bergener Polizei die Genehmigung eine Mädchenschule einzurichten. Rektor Droysen, der am 9. Juli 1847 erst 57-jährig verstarb, hatte stets für ein neues entsprechendes Schulgebäude plädiert. Im Sommer 1844 kam es erstmalig zu Verhandlungen zwischen dem Schulrat Furchau und dem Bergener Magistrat über ein Grundstück. Dieses fand man zwischen Kloster-und Dammstraße. Für den Bau war eine Summe von 6540 Talern veranschlagt. So konnte nach Fertigstellung endlich im Herbst 1850 das neue Schulhaus in der heutigen Schulstraße bezogen werden. Rektor war von 1848 bis 1862 Theodor Schulze. Er hatte im oberen Stock seine Amtswohnung und es gab ein Auditorium für besondere Schulanlässe. Im Dachgeschoss wohnte der Schulwärter Paulsen. Die übrigen Räumlichkeiten des Hauses waren für den Schulunterricht vorgesehen.

Nach dem Krieg Berufsschule

Die neue Lehrstätte wurde mehr und mehr nicht nur von Bergener Elven besucht, sondern Kinder aus allen rügenschen Regionen gingen hier zur Schule. Besonders zog das Bildungsangebot für Fremdsprachen und die humanistischen Wissenschaften an und damit die Voraussetzungen für eine höhere Bildung. Das Haus in der Schulstraße war stets der Bildung gewidmet. Nach 1945 wurde das Gebäude als Berufsschule genutzt, später dann als pädagogisches Kreiskabinett. Im Nebengebäude befand sich die Kreisfilmstelle. Nach der Einheit Deutschlands zog 1991 in die alte Knabenschule die Volkshochschule mit umfangreichen Bildungsangeboten ein. Heute 2019 ist es verwaist und wartet auf neue Lebensenergie.

Neuorganisation des Schulwesens

Über die mangelnden Gehälter der Lehrer gab es bereits im 19. Jahrhundert ständig Beschwerde. Hier lagen die Autoritäten bei der Stadt – 1855 vertreten durch den Schulrat Dr. Wantrup und den Superintendenten Dr. Klöpper. Das war auch Thema als es 1855 um die Errichtung einer öffentlichen Mädchenschule ging. Nach langen Verhandlungen kam es am 17. September 1856 zu einer Denkschrift über die Neuorganisation des Schulwesens. Der Gingster Superintendent Neumann war ebenfalls Regierungskommissar und nahm im Auftrag eine Revision der Bergener Schulen vor. Hier empfahl er dringend dem Scholarchate eine Hebung der Provinzialschule und die Umwandlung der privaten Töchterschulen in öffentliche Institutionen. Die nun existierende Wernichsche höhere Töchterschule, sowie eine siebenklassige allgemeine Stadtschule und eine zweiklassige Freischule sollten Bestand haben. Zu der Zeit gab es 571 schulpflichtige Kinder. Eine Armenkinderstube mit 9 Mädchen gab es ebenfalls in Bergen. Als 1858 die Schulreform griff wurden die Elementarschulen, die sogenannten Küsterschulen, mit integriert.

So erweiterten unsere Vorfahren das Bildungsniveau für die Kinder dieser Stadt und für Rügen. Es wurde der Bau der Arndt- Realschule als höhere Bildungseinrichtung zum 300-jährigen Stadtjubiläum am 19. Juni 1913 möglich und trägt bis heute neben zahlreichen weiteren Bildungseinrichtungen Früchte. Mehr dazu in Teil 3.

Uwe Hinz

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