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Rügen Bergener nehmen jede Hürde
Vorpommern Rügen Bergener nehmen jede Hürde
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00:00 20.12.2017
Mit vollem Einsatz: Jugendgruppenleiter Justin Heydrich (li.) beim Sprung über den „Wassergraben“.
Mit vollem Einsatz: Jugendgruppenleiter Justin Heydrich (li.) beim Sprung über den „Wassergraben“. Quelle: Fotos: Anne Ziebarth
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Bergen

Der Veranstaltungsraum im Bergener Feuerwehrgebäude ist bereits festlich geschmückt, Schalen voller Plätzchen stehen bereit. Doch am Nachmittag wird hier noch fleißig gebüffelt. Elf Mitglieder der Jugendfeuerwehr sind zusammengekommen, um ihr theoretisches Wissen über Feuer und Brände zu erweitern.

Teil des Bergener Brandschutznachwuchses: Angelina (10), Tizian (11) , Martina (12) und Justin (10, v.li.).
Ich fand, Feuerwehr hörte sich aufregend und spannend an. Und das stimmte ja dann auch. André Muswieck Wehrführer Bergen, über seine Zeit bei den Jungen Brandschützern

Dabei sind die Kleinen trotz der teils komplizierten Inhalte mit großer Konzentration dabei. „Wir müssen ja wissen, wie ein Feuer entsteht, um es löschen zu können“, erklärt die 10-jährige Angelina fachkundig. „Heute nehmen wir zum Beispiel das Branddreieck durch. Es beschreibt, was für einen Brand eigentlich nötig ist, nämlich Sauerstoff, Wärme und der brennbare Stoff natürlich.“

Bei so viel Physik und Kopfarbeit sieht Jugendwart Helmut Seilert aber auch immer zu, dass der praktische Teil und der Spaß nicht zu kurz kommen. Der 12-jährige Adrian zum Beispiel ist seit zwei Jahren in der Jugendwehr, seine Lieblingsübung ist die „Gruppe im Löscheinsatz“. „Wir trainieren zwar ohne Wasser, aber die Übung kommt einem Einsatz in vielen Dingen doch recht nahe“, sagt er. Auch das sportliche Programm, was vor jedem Dienst absolviert wird, steht bei den Jungen und Mädchen hoch im Kurs. „Wir laufen immer ein paar Runden zum warm werden. Ein Feuerwehrmann muss ja schließlich auch fit sein“, findet Maximilian. „Und es macht ja auch Spaß.“ Die 13-jährige Cindy nickt bestätigend. Sie mag vor allem die Mannschaftsspiele. Abwurfball zum Beispiel oder Fangen. „Bei uns wird sehr viel Wert auf das „Miteinander“ gelegt“, betont Jugendwart Helmut Seilert. „Eine Feuerwehr ist ja schließlich keine Ein-Mann-Armee und bei späteren Einsätzen kann es immer nur „gemeinsam“

gelingen, die Gefahren abzuwehren.“

Bergens Wehrführer André Muswieck beobachtet die eifrigen Jungs und Mädchen mit einem etwas wehmütigen Lächeln. „Ich habe damals 1987 auch bei der Jugendfeuerwehr in Bergen angefangen“, erzählt er. „Damals hieß das noch ,AG Junge Brandschützer’, erst 1991 wurde die Jugendfeuerwehr in ihrer heutigen Bezeichnung gegründet. Auch die Motivation der jungen Leute sei damals ähnlich wie heute. „Ich bin durch eine Wandzeitung in der Schule auf die Jungen Brandschützer aufmerksam geworden“, erinnert er sich. „Technik interessierte mich. Und ich fand, dass sich Feuerwehr aufregend und spannend anhörte. Und das stimmte ja dann auch.“

Feuerwehrmann sei immer ein Traumberuf von ihm gewesen, nur kurzzeitig verdrängt durch den Wunsch, Tierarzt zu werden. Beruflich ging es für ihn dann aber in Richtung Forstwirtschaft, heute arbeitet Muswieck als Ranger im Nationalpark. Das Amt des Wehrführers hat der 46-jährige Muswieck seit zwölf Jahren inne. Im Ehrenamt, versteht sich, denn auf der Insel Rügen arbeiten alle Feuerwehrleute freiwillig und ohne Gehalt, oft geht für das Engagement ein nicht zu unterschätzender Anteil der Freizeit drauf.

Wehrführer André Muswieck jedenfalls schaut jeden Tag nach der Arbeit noch für einige Stunden in seinem Büro in der Feuerwache vorbei. „Die Bürokratie ist nicht weniger geworden“, sagt er. Auch sonst habe sich in den Jahren seiner Feuerwehrtätigkeit einiges verändert. „Die Voraussetzungen für uns sind ganz andere. Früher gab es einfach weniger Telefone, so dass wir oft erst am Einsatzort waren, wenn der Brand schon die volle Ausdehnung erreicht hatte“, sagt er. Heute ginge die Information dank der Pieper und der Einsatzleitstelle in Stralsund ruckzuck. Brände würden heute seltener zum kompletten Ausbrennen von Häusern oder Wohnungen führen. „Auch die Brandmelder haben einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen“, ergänzt er. „Auch wenn Fehlalarme für uns sehr ärgerlich sind. Für den Brandschutz sind die Brandmelder ein Segen.“

Anne Ziebarth