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Rügen Besitzer des „Hotel am Meer“ fing als Tiefkühlhändler an
Vorpommern Rügen Besitzer des „Hotel am Meer“ fing als Tiefkühlhändler an
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08:00 14.09.2019
Inhaber Wolfgang Schewe auf dem Dach seines Hotels am Meer in Binz mit großartigem Blick auf die Binzer Bucht. Quelle: Christian Rödel
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Binz

Manchmal, spät abends, geht Wolfgang Schewe (66) auf die Dachterrasse seines „Hotels am Meer“ in Binz. Dann blickt er auf den Strand, hört die Wellen rauschen, sieht im Norden die Lichter von Sassnitz. „Das ist ein wunderbarer Anblick“, sagt der Unternehmer.

Etwas Entspannung kann der im Örtchen Gingst aufgewachsene gebürtige Rüganer auch gut gebrauchen. Denn in einem Alter, mit dem andere in Rente gehen, hat er in den nächsthöheren Gang geschaltet.

Zweites Hotel gekauft

Im vergangenen Jahr kaufte er an der Binzer Promenade zusätzlich zu seinem Stammhaus „Hotel am Meer“, das er 1995 eröffnete, auch noch die Villa Nixe. Ein prestigeträchtiges Haus mit einem Anbau, insgesamt 16 Suiten, Spa-Bereich und Restaurant. Schewe hat dort mit Krediten alles wieder in Top-Zustand versetzt, nachdem der Vorbesitzer zuletzt wenig investiert hatte.

Da auch sein privates Wohnhaus an der Strandpromenade steht, ist er mit drei Immobilien an der teuersten Meile des Landes einer der erfolgreichsten einheimischen Investoren. „ Es ist toll, an diesem Platz etwas Bleibendes zu schaffen“, sagt Schewe.

Inzwischen eines der beliebtesten eigentümergeführten Häuser an der Ostsee: Das Hotel am Meer. Inhaber Wolfgang Schewe eröffnete es 1995, zuvor betrieb er an gleicher Stelle das Café Sahara. Quelle: Stefan Sauer

„Warum tue ich mir das eigentlich noch an?“

Allerdings bringen vor allem die beiden Hotels eine Menge Arbeit: „Manchmal frage ich mich natürlich, warum ich mir das alles noch antue. Das eine Haus lief ja schon gut genug. Aber ich kann nicht anders. Wir sind in einer Unternehmerfamilie groß geworden, unsere Eltern hatten die bekannte Bäckerei in Gingst. Sie haben diesen Betrieb bis zum Jahr 2004 aktiv geführt, da war Mutti schon 75 und Papa 73 Jahre alt. Diesen Wunsch etwas zu gestalten, den haben sie uns vererbt“, meint der Unternehmer.

Sein Bruder Harald Schewe ist ebenfalls ein Macher, ihm gehört an der Binzer Strandpromenade die Villa Salve. Die jüngere Schwester Susanne ist auf dem Darß in Ahrenshoop ebenfalls im Tourismus erfolgreich.

Angefangen mit Tiefkühlprodukten

Bei allem Aufwand, er wisse ein gutes Team um sich, um alles hinzubekommen, sagt Wolfgang Schewe. Unter insgesamt 50 Mitarbeitern, in erster Linie seine Lebensgefährtin Sandra Fuchsgruber und Tochter Johanna. Bis zur Hotelierkarriere musste er allerdings ein paar Umwege nehmen.

„Ich bin eigentlich Diplomingenieur, 1987 wurde es mir in der DDR zu eng und ich bin aus politischen Gründen nach harten Jahren von damals Ost- nach West-Berlin ausgereist“, erzählt er. Nach der Wende kehrte der Rüganer zurück auf die Insel, gründete das Unternehmen Schewes Eis & Tiefkühlkost und verkaufte Produkte an Hotels an der vorpommerschen Küste. Parallel betrieb er an der Binzer Promenade das seinerzeit legendäre Café Sahara, wo es von Mai bis September jeden Abend Live-Musik gab.

Elf Monate nach ersten Spatenstich eröffnet

Als das Grundstück für sein heutiges „Hotel am Meer“ 1994 zum Verkauf stand, schlug Schewe zu. „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl.“ Elf Monate nach dem ersten Spatenstich konnte er eröffnen. Heute zählt das „Hotel am Meer“ mit seinen 60 Zimmern in zentraler Lage zu den bekanntesten Häusern in Binz.

„Ich bin froh, dass der Plan aufgegangen ist und sich der Mut ausgezahlt hat. Ich bin keiner, der in der dritten Reihe Bustouristik macht, ich will Premium, musste dafür aber auch Risiko gehen und mir von Banken ordentlich Geld leihen“, sagt der durchtrainierte Unternehmer.

Seine Pläne für die Zukunft? „Die Qualität in meinen Häusern immer weiter verbessern, sichere und gute Arbeitsplätze schaffen und erhalten!“ Der Blick auf die schöne Binzer Bucht gibt ihm täglich die nötige Kraft dazu.

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