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Rügen Teepott, Ufo, Kurmuschel: Binz huldigt Hyparschalen-Baumeister Müther
Vorpommern Rügen Teepott, Ufo, Kurmuschel: Binz huldigt Hyparschalen-Baumeister Müther
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16:55 20.09.2019
Sven Schäfer vom Technikbereich der Kurverwaltung richtet die Tafeln aus, die am Müther-Platz neu aufgestellt wurden. Quelle: Holger Vonberg
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Binz

Mit einem außergewöhnlichen Theremin-Konzert mit Carolina Eyck und der Präsentation des Videokunstwerks „IDLE“ von Stefan Hurtig startet die Müther-Woche im Ostseebad Binz am 21. September um 20 Uhr am Rettungsturm (Strandaufgang 6). Das Theremin ist ein 1920 erfundenes elektronisches Musikinstrument, das berührungslos gespielt wird und dabei Töne erzeugt. An das Konzert schließt sich die Präsentation des Videokunstwerkes an, das im Frühsommer im Müther-Turm entstanden ist. Die etwa einstündige Open-Air-Veranstaltung wird umrahmt von einer faszinierenden Lichtinstallation.

Müther wäre dieses Jahr 85 geworden

Der Abend ist der knallige Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, darunter Führungen, Vorträge, Kreativkurse und eine Sonderausstellung, mit denen die Kurverwaltung des Ostseebades Binz in ihrer Themenwoche vom 21. bis 27. September an den Visionär, Landbaumeister von Rügen und Hyparschalen-Spezialisten Ulrich Müther (1934-2007) und dessen Bauten erinnert. In diesem Jahr wäre der Binzer 85 Jahre alt geworden, dessen Schalentragwerke international Beachtung finden.

Während der Entstehung des Kunst-Projektes im Müther-Turm. Quelle: Kurverwaltung/Holger Vonberg

Mit das bekannteste Bauwerk ist das sogenannte „Ufo“- der futuristisch anmutende Rettungsturm in der Düne am Binzer Strand, der die beleibteste Außenstelle des Standesamtes ist. 1982 ist der nur drei bis fünf Zentimeter dünne Betonschalenbau errichtet worden, der bis 2003 als Ausguck für Rettungsschwimmer diente. In und an diesem Denkmal, das die Wüstenrot Stiftung 2017 aufwendig sanieren ließ, hat der Leipziger Medien-Künstler Stefan Hurtig Anfang Mai dieses Jahres ein Video gedreht. Dafür steuerten die Rügener Kommunikationsdesigner Christiane Burwitz und Stefan Pocha mit ihren Drohnen-Aufnahmen den besonderen Blick von oben bei.

Der vor zwei Jahren sanierte Müther-Turm an der Strandpromenade ist eine Außenstelle des Standesamtes Binz. Quelle: Kurverwaltung Binz/ Christian Thiele

Die ehemalige Palucca-Schülerin, Choreografin, Ausdruckstänzerin und Tanzlehrerin Jana Rath hatte nicht lange gezögert, als sie von Stefan Hurtig das Konzept zum Video-Kunstprojekt bekam. Die Tänzerin ist von diesem außergewöhnlichen Ort fasziniert. Seit ihrer Kindheit kenne sie die Insel Rügen als Urlaubsort. Auf dem Binzer Wachturm war ihr Vater in den Anfangsjahren als Rettungsschwimmer im Einsatz.

Vom 23. bis 27. September können Interessierte den Rettungsturm jeweils von 14 bis 16 Uhr besichtigen. Aus Gründen der Statik ist die Besucherzahl auf 15 Personen gleichzeitig begrenzt. Der Eintritt ist frei.

Sonderbustour mit 51 Ingenieuren

„Wir freuen uns, dass sich zur Müther-Woche bereits eine Sonder-Bustour mit 51 Personen angekündigt hat. Die Reisegruppe besteht aus Ingenieuren vom Verein Deutscher Ingenieure, die die Bezirksgruppe Westmecklenburg sowie Studenten der Hochschule Wismar organisiert haben“, informiert Marikke Behrens von der Kurverwaltung.

Eine Sonderausstellung über den Landbaumeister Ulrich Müther und dessen Werk mit Fotos, technischen Zeichnungen und 3D-Modellen ist im Haus des Gastes zu sehen. Quelle: Gerit Herold

Dass das Interesse zu Müther groß ist, hatte auch die Premiere der Themenwoche im letzten Jahr gezeigt. Rund 250 Besucher kamen allein zu den Nachmittagen, an denen das „Ufo“ besichtigt werden konnte. Bis zu 90 Gäste am Tag hatten sich auch die Müther-Ausstellung im Haus des Gastes angesehen. Die Besucher wünschten sich unter anderem eine Info-Tafel am Rettungsturm. Diese wird nun pünktlich zur 2. Müther-Woche am Strandzugang 6 aufgestellt, so Behrens.

Eine Sonderschau zu Müther wird auch diesmal im Haus des Gastes gezeigt. Auf 17 Tafeln erzählt sie über Lebensstationen und Werke Ulrich Müthers. Texte und Fotos dokumentieren die weltweite Verbreitung seiner Bauprojekte und erläutern die außergewöhnlichen Fertigungsverfahren des Hyparschalenspezialisten.

Über 70 Bauwerke

Ulrich Müther war Spezialist für Betonschalen und entwarf ab 1963 extravagante und filigrane Hyparschalenbauten. Nach seinen Entwürfen entstanden über 70 Bauwerke, die meisten auf Rügen. Dazu gehören unter anderem: Ostseeperle Glowe, Inselparadies Baabe, Kurmuschel Sassnitz, Schwimmhalle im Cliff Hotel, Buswartehäuschen Binz und Buschvitz. Aber auch Bob-und Rennschlittenbahnen sowie Planetarien im In- und Ausland wurden nach der Müther-Methode errichtet.

Neun 3D-Modelle seiner Bauten, darunter das Ahornblatt Berlin und der Warnemünder Teepott, sind in der Sonderausstellung zu sehen. Sie ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Die Kurverwaltung bietet zudem wieder eine exklusive Bus-Tour am 26. September an, bei der unter anderem das ehemalige Kinderferienlager Borchtitz, die Ostseeperle Glowe und die Kurmuschel in Sassnitz Stationen sind. Dies wird Prof. Ludwig von der Hochschule Wismar leiten.

Die Kurmuschel in Sassnitz ist eine Station der Bustour. Quelle: Andreas Süß

Die Schalenbauten in Binz können Interessierte bei einer Ortsführung erkunden, die am 23. September um 10 Uhr am Haus des Gastes beginnt. Die Tour führt zum Rettungsturm, zu Müthers Versuchsschale (Bushaltestelle) am Kreisverkehr und zum IFA Ferienpark, wo sich Müthers Spur erst auf den zweiten Blick wiederfindet. Am 27. September findet eine abendliche Sonder-Foto-Tour mit dem Binzer Fotografen Mirko Boy statt.

In zwei Kreativkursen am 24. und 27. September im Haus des Gastes können die Besucher – vom Kind bis zum Fachmann – mit einfachen Mitteln wie Holzstäben, Zahnstochern, Fäden und Gipsbinden ausprobieren, wie die für Müther-Bauten typischen gekrümmten Flächen auf ganz einfache Weise entstehen.

Dokumentarfilm in Haus des Gastes

„Für den Schwung sind Sie zuständig“ heißt der Dokumentarfilm, der am 24. September um 19.30 Uhr im Haus des Gastes gezeigt wird. Zu Gast ist die Regisseurin Margarete Fuchs. In dem etwa einstündigen Streifen werden Ulrich Müther sowie drei seiner Bauarbeiter in den verschiedenen Schaffens- und Lebensphasen ihres Wirkens begleitet. Der Bogen spannt sich von der Aufbruchstimmung in den 60er Jahren über das Bauen im Ausland bis zu den Veränderungen durch die Wende. Den Zuschauer erwartet neben Aufnahmen der eindrucksvollen Architektur auch ein Stück Politik und Sozialgeschichte in der DDR.

Der Multimediavortrag „Der Landbaumeister von Rügen“ wird einen Tag später um 19.30 Uhr im Haus des Gastes veranstaltet. Torsten Seegert präsentiert dabei Aufnahmen aus Filmarchiven, auf denen Müther-Bauten in der DDR zu sehen sind.

Seit 2015 gibt es an der Promenade den Ulrich-Müther-Platz. Quelle: Maik Trettin

Auf auf Initiative des Fördervereins „Museum Ostseebad Binz“ trägt seit 2015 ein kleiner Platz an der Strandpromenade in der Nähe des „Ufos“ den Namen seines Schöpfers. Der etwa zehn mal acht Meter große „Ulrich-Müther-Platz“ soll aufgewertet und neu gestaltet werden. Dazu wurde ein Projekt mit der Hochschule Wismar angeschoben, wo seit dem Jahre 2006 das Müther-Archiv betreut wird, um das Erbe des Binzer Ingenieurs zu bewahren.

Studenten der Hochschule Wismar hatten vor zwei Jahren ihre Entwürfe in Binz präsentiert unter dem Motto „Von leuchtenden Blüten bis zu klingenden Schalen“. Quelle: Gerit Herold

13 Studenten Bachelor- und Master-Studenten der Hochschule Wismar bschäftigten sich mit Ideen zur Neugestaltung des Areals in Binz. Die künftigen Produktdesigner, Architekten und Innenarchitekten stellten vor zwei Jahren erste Entwürfe vor, die auch im Zusammenspiel mit medialen Informationen umgesetzt werden könnten. Über einige davon wird zur Müther-Woche und darüber hinaus am Müther-Platz an der Strandpromenade informiert. Die Kurverwaltung hat dazu am Freitag am Müther-Platz fünf Tafeln aufgestellt.

Wismarer Studentinnen mit ihrem Entwurf zur Gestaltung des Müther-Platzes. Die großen Schalen könnten als Spiel- und Liegeflächen genutzt werden. Quelle: Haike Werfel

Eine Idee der Studenten: Schalen mit einer maximalen Größe von drei mal drei Metern, die Müthers Hyparschalen nachempfunden sind und aus farbig pigmentiertem Beton hergestellt sind, mit LEDs illuminiert sowie mit QR-Code und Audio-Guide ausgestattet werden. Diese Kunstwerke sind zum Anfassen, Ausruhen, Spielen, Staunen und Informieren gedacht und transportabel.

Welches Konzept favorisiert und wann umgesetzt wird, dazu gibt es auf OZ-Anfrage keine Aussage von Kurverwaltung und Gemeinde.

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