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Rügen Bolzen auf dem Acker: Fußballer zeigen Stadt die Rote Karte
Vorpommern Rügen Bolzen auf dem Acker: Fußballer zeigen Stadt die Rote Karte
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21:22 07.05.2014
Verärgerte Nachwuchsfußballer: Auf dem „Garzer Acker“ ist die Stolpergefahr besonders groß. Etliche Eltern haben ihre Kinder bereits zu einem anderen Verein geschickt. Quelle: Kay Steinke
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Garz

Gefährliche Löcher im Rasen, desolate Umkleidekabinen und ein Vereinshaus mit undichtem Dach: Aufgrund dieser schlechten Trainingsbedingungen wenden sich immer mehr Nachwuchstalente vom Fußballverein FSV Garz 1947 ab und wechseln den Club. Die Fußballer der Stadt wollen dies nun nicht länger hinnehmen. Sie fordern die Stadtvertreter auf, mehr für die Zukunft des größten Vereines von Südrügen zu tun.

„Seit Jahren machen wir auf die Probleme aufmerksam“, sagt Vereinsmitglied Danilo Goers. „Es wurden sogar 6700 Euro in einen Entwurf investiert, der zeigt, wie das Vereinsgelände aussehen wird: Kunstrasenfeld mit Helikopter-Landeplatz, vier Umkleidekabinen und Konferenzraum.“ Bis heute habe sich aber niemand an die Umsetzung getraut.

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Vermutlich sei der Entwurf wegen der Investitionssumme von 1,8 Millionen Euro wieder in einer Schublade verschwunden. „Für die Stadt ist das viel Geld“, sagt Goers. „Dabei wurden wir aber nicht gefragt, was der Verein selbst machen könnte. Allein für den Abriss des maroden Gebäudes wurden mehr als 30 000 Euro veranschlagt. Das hätten wir aber selbst machen können.“ Auch auf andere Posten sei dieses Verfahren anwendbar.

Nun wollen die Garzer den Druck auf ihre Stadtvertretung erhöhen, denn nur bis 2019 sei eine Förderung des Projektes möglich. „Ich habe mit Wirtschaftsminister Harry Glawe Modelle durchgesprochen“, sagt Goers. „Wenn wir nicht handeln, bekommt Garz keinen neuen Platz.“

Für die Spieler sei dies aber nicht akzeptabel. „Erst wurde es angekurbelt und dann wird nichts gemacht“, kritisiert Martin Sikorski. Der 28-jährige Garzer findet, dass die Stadt die Setzung ihrer Prioritäten überdenken sollte. „Als wir den Entwurf gesehen haben, waren wir alle erst euphorisch“, sagt er. „Eine solche Entwicklung ist nicht nur für uns gut, sondern auch für auswärtige Schulkinder. Sie könnten hier nach dem Unterricht spielen.“ Auch für Eltern sei ein moderner Platz ein Argument, um sich in Garz anzusiedeln.

Trotz der schlechten Qualität ist der Platz komplett ausgelastet. An jedem Tag der Woche wird trainiert. Auch Trainer Robert Baumann fordert Maßnahmen. „Man kann sich nicht Gesundheitsstadt nennen und dann für den Sportverein nichts tun“, sagt er und zählt einige Mängel auf: „Im Haus gibt es keinen Platz für Bälle und Material. Daher lagern wir die Sachen draußen in einem Bauwagen. Das Dach des Vereinsheimes können wir vom Moos nicht befreien, sonst regnet es rein.“ Zusätzlich sei besonders die Umkleidesituation der Schiedsrichter peinlich. „Ihre Kabine ist zwei Quadratmeter groß“, sagt Baumann. „Kommen mehr als zwei, müssen sie sich in einer Laube bei den Nachbarn umziehen.“

Daher befürworten gerade jüngere Spieler wie Wilhelm Goers (18) den Neubau. „Ich bin für Kunstrasen“, sagt er. „So ein Platz muss weniger gepflegt werden und ist im Winter bespielbar. Andere Vereine vermieten die Fläche sogar.“

Auch Marcello Paasch (34) wünscht sich den Rasen, denn dem Trainer der Nachwuchsabteilung laufen die Talente davon. „Unsere Jungs sind auf Kunstrasen schnell überfordert“, sagt er. „Auf unserem Platz können wir auch kein modernes Kurzpass-Spiel trainieren, der Ball rollt nicht.“ Auch sei die Verletzungsgefahr hoch. „Die Spieler knicken oft um“, sagt Paasch. „Einige Eltern haben ihre Kinder daher zu anderen Vereinen geschickt.“



Kay Steinke