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Rügen Braucht Waase ein Fischereimuseum?
Vorpommern Rügen Braucht Waase ein Fischereimuseum?
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08:18 24.03.2018
Fischer Detlef Diedrich und seine ehemaligen Kollegen würden gern ein Fischerei-Museum in Waase errichten
Fischer Detlef Diedrich und seine ehemaligen Kollegen würden gern ein Fischerei-Museum in Waase errichten Quelle: Uwe Driest
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Ummanz

Früher lebten viele Menschen der Insel von der Fischerei, heute immer häufiger vom Landverkauf. Dem aussterbenden Berufszweig würden Detlef Diedrich und seine ehemaligen Berufskollegen Bernd Hopp, Uwe Luchtehand und Iwo Nordt zumindest gern einen Platz im Museum verschaffen. Als Ort dafür können sich die Fischer den 1979 von der Fischereigenossenschaft Ummanz erbauten Netzschuppen am Ortseingang von Waase vorstellen. Damit er zum historischen Ortskern mit Kirche, Küsterhaus und Pfarrscheune passt, möchte Diedrich ihn mit ziegelroter Fassade und Rohrdach versehen. „Das würde für Touristen und Einheimische ein schönes Ortsbild ergeben“, glaubt Diedrich.

Im Museum würden dann allerlei Utensilien der Boddenfischerei vom Stellnetz über die Reuse bis zu holländischen Schlittschuhen Platz finden. „Das wäre ein wichtiger Schritt zu mehr Qualität statt Quantität im Tourismus“, so Diedrich. „Vormals selbst arbeitende Fischer könnten das Museum betreiben und alte Techniken vorführen.“ Fischräucherei und Kochkurse könnten das Angebot ergänzen.

Am Ortseingang plant die Gemeinde einen modernen Zweckbau

Wenn er davon spricht ist zu spüren, dass es sich um eine Herzensangelegenheit handelt. Mehr als 36 Jahre lang war Detlef Diedrich Berufsfischer und damit einer der letzten in Mecklenburg-Vorpommern, wie er betont. Diedrichs Frau Lore entstammt einer alteingesessenen Ummanzer Familie, die seit dem 14. Jahrhundert auf der Insel lebt. Sein Sohn Henry führt die Familien-Tradition nun in fünfter Generation fort. Er ist der letzte Fischer von Ummanz.

Detlef Diedrich engagiert sich auch in der Gemeindevertretung, wo er einen Antrag für seine Idee einbrachte. Zu spät, sagt Holger Kliewe. „Wenn die damit vor zwei Jahren gekommen wären, hätten wir darüber diskutiert“, so der Bürgermeister der Gemeinde Ummanz. „Inzwischen haben wir rechtskräftige Beschlüsse und befinden uns mitten im Verfahren.“ Bau- und Förderanträge für den Bereich am Ortseingang und für das Gutshaus seien bereits gestellt. Eine Arbeitsgruppe aus Gemeindevertretern und sachkundigen Bürgern habe sich dafür entschieden, den alten Netzschuppen abzureißen. „Wir planen dort einen Zweckbau mit normgerechten Maßen. Damit schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe“, so Kliewe. So könne Raum für Feuerwehr, Dorfgemeinschaftshaus mit Versammlungsraum und Toilettentrakt geschaffen werden. „Dabei soll nur ein Teil des Traktes als Flachbau ausgeführt werden.“ Um das Ortsbild macht sich der Bürgermeister keine Sorgen. Schließlich befände sich der historische Ortskern um die Kirche „auf der anderen Straßenseite“. Hinter dem Netzschuppen aber „sehen alle Häuser anders aus“.

Ist Marina am Fokker Strom nur Vorwand für Penthouse- und Luxuswohnungen?

Stimmt nicht, weiß Ortschronistin Rita Hoff, die in einem davon wohnt. Die sieben „ehemaligen VEG-Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäude“ stehen vielmehr in der Denkmalliste des Landkreises. Thema: „So baute die DDR.“ Zwar würde sich auch Rita Hopp wünschen, dass die Volksvertreter im Sinne der Gemeinde an einem Strang ziehen und sich einmal gefassten Beschlüssen beugen, „aber ein Fischerei-Museum gehört wirklich nach Waase und dafür reichen dann auch keine 20 Quadratmeter“. Größer soll nach derzeitigem Planungsstand der Raum nicht werden, den die Investoren eines „Wasserwanderrastplatzes“ um Jürgen Breuer, der den Bücherturm in Binz plante und den Arzt Volker Haberkorn am Ufer des Fokker Stroms vorsehen.

Das Gewässer sei für ortsunkundige Segler gar nicht befahrbar, wissen Einheimische. Für eine touristische Nutzung müsste der Strom ständig ausgebaggert werden, da wegen der Strömung das Fahrwasser ständig wechsele. Die Fischer steckten früher Pricken, um den jeweiligen Verlauf zu kennzeichnen. Auch das könnte in einem künftigen Fischereimuseum erklärt werden, meint Detlef Diedrich. So wie auf Hiddensee, wo Neuendorfer Fischer vor fast zehn Jahren ein Museum einrichteten. Auch das Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum entstand aus einer Initiative von Bürgern – auf 300 Quadratmetern.

Driest Uwe

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