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Rügen Rügener Trinkwasser besser als Mineralwasser
Vorpommern Rügen Rügener Trinkwasser besser als Mineralwasser
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20:56 02.11.2018
Die Brunnenbohrung am Ortsausgang von Bergen Richtung Putbus wurde in Tag- und Nachtschichten vorangetrieben. Quelle: Uwe Driest
Bergen

Etwas gespenstisch mutete die Szenerie schon an, die sich Anwohnern und vorbeifahrenden Autolenkern bis Halloween am Ortsausgang von Bergen bot. Tag und Nacht arbeiteten auf spärlich beleuchteter Baustelle Brunnenbauer, die mittels eines mehrere Meter hohen Bohrers ein tiefes Loch in das Erdreich trieben. Die Männer einer Stralsunder Bohrfirma waren im Auftrag des Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (Zwar) tätig, der im Einzugsgebiet Bergen sieben Brunnen betreibt. Deren Lebensdauer bewegt sich zwischen 20 und 50 Jahren, weswegen sie nach und nach ersetzt werden. In diesem Jahr ließ der Zwar daher je zwei neue Brunnen in Bergen und bei Karow bohren. Der Standort wird dabei nicht etwa mit Wünschelruten gefunden. Vielmehr begannen Mick Ulrich und seine Leute Anfang des Jahres mit ersten Probebohrungen auf Grundlage von Untersuchungen der Kieler Hydrogeologin Ulrike Lammers. Ist eine Stelle ausgemacht, wird in einem ersten Pumpversuch Wasser entnommen und anschließend gemessen, wie lange es dauert, bis der alte Grundwasserstand wieder erreicht ist. In Bergen-Süd begann die eigentliche Bohrung dann Ende August. „Es lief gut“, erklärt Mick Ulrich von der Bohrgesellschaft „Vormann und Partner“, dass der Brunnen bereits nach zwei Monaten fertig war. „Es kommt auf die Größe an“, meint Ulrich. „Mit einem 30-Tonnen-Bohrer geht es eben schneller als mit einem Sechs-Tonner.“

Bei Bohrungen ab einer Tiefe von hundert Metern bedarf es einer Genehmigung des Bergamts. Der Grundwasserleiter bei Bergen befindet sich aber in einer Tiefe zwischen 24 und 49 Metern und „ist mit 25 Metern besonders mächtig“, sagt Fachfrau Lammers. Darunter dichte die für Rügen typische feine Kreide den Grundwasserkörper ab. Während der 800 Millimeter starken Bohrung wurde zugleich eine Verrohrung hinabgeführt, welche verhindert, dass die Bohrwand einbricht. Das Rohr wurde nach dem Einbau einen 17 Meter langen Wickeldrahtfilters wieder entfernt.

Leitungswasser besser als Mineralwasser

Knapp könne Wasser kaum werden, meint Lammers. Nicht einmal extreme Sommer wie der zurückliegende oder jener von 1996 hätten zum Engpass geführt. Der jährliche Bedarf wird sorgfältig geprüft und dabei auch der Tourismus berücksichtigt. Die für die Wasserversorgung notwendige Fläche von 40 Quadratkilometern, auf denen Wasser gewonnen wird, errechnet sich aus Verbrauch und Niederschlägen. Die Wasserwirtschaftler gehen von einem täglichen Bedarf von 130 Litern je Einwohner aus, was einem wöchentlichen Verbrauch von einem Kubikmeter und etwa 50 Kubikmeter im Jahr entspricht. „Davon versickert aber nicht alles, weil viel entwässert wird, wobei das Wasser an der Oberfläche abgeführt wird“, erklärt Lammers. Von dem jährlichen Niederschlag von 700 Millimetern gelangen auch deswegen lediglich zehn Prozent ins Grundwasser.

Nachdem der neue Brunnen an die Rohrwasserleitung angeschlossen war, hieß es am Dienstag „ !“, als Ulrike Lammers den ersten Krug mit frischem Brunnenwasser füllte und anschließend kostete. „Das Wasser ist so klar, als käme es aus dem heimischen Hahn und besser als jedes Mineralwasser“, schwärmt Lammers vom Rügener Nass. „Trinkt mehr Leitungswasser“, appelliert daher auch Matthias Maschke, der beim Zwar für das Trinkwasser zuständig ist. „Dann würden auch weniger Plastikflaschen verbraucht, die lange Transportwege hinter sich haben.“ Der Zwar geht mit gutem Beispiel voran und installierte im Foyer einen Wasserspender für seine Mitarbeiter. Maschke ist Herr über 25 Wasserwerke auf Rügen und einem auf Hiddensee sowie inselweit 141 Brunnen, aus denen jedes Jahr 5,3 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden. Allein im Trinkwasserbereich investiert der kommunale Zweckverband dafür fünf Millionen Euro jährlich. „Wasser müsste eigentlich teurer sein“, findet daher Ulrike Lammers.

Uwe Driest

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