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Rügen Rügenfestspiele auf Platte, im Buch und im Programmheft
Vorpommern Rügen Rügenfestspiele auf Platte, im Buch und im Programmheft
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12:58 24.07.2019
Die Rügenfestspiele von 1959 und 1960 erfuhren eine umfassende mediale Auswertung.
Die Rügenfestspiele von 1959 und 1960 erfuhren eine umfassende mediale Auswertung. Quelle: Jens-Uwe Berndt
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Ralswiek

In Sachen Marketing – wie es heute bezeichnet wird – waren die Kulturoberen der DDR durchaus bewandert. Die Rügen-Festspiele, die bereits bei ihrer ersten Auflage 1959 von Zehntausenden besucht worden waren, erfuhren nach diesen vier Aufführungswochen im Sommer eine umfassende mediale Auswertung. Dazu gehören gewiss die attraktiven Autogrammpostkarten der Schauspieler und des Künstlerischen Leiters Hanns Anselm Perten. Die attraktivste Veröffentlichung wurde nach der 59er Saison allerdings das Buch „Klaus Störtebeker“, herausgegeben von Kurt Barthel (Kuba) und Perten – erschienen im Friedrich Hofmeister Verlag Leipzig.

Ein Buch in zwei Formaten

Von dem Buch gab es mindesten zwei Formate: Einmal das haptisch sehr ansprechende Hochformat von 34 x 24 Zentimetern und einmal die kleinere, quadratische Variante. Das große Buch hat mit der gesamten Ballade und den zahlreichen Schwarzweißfotos praktisch denselben Inhalt, wie die kompaktere Version, wurde mit einigen Farbfotos aber noch aufgepeppt und dadurch für Fans – die es damals gewiss schon gegeben hat – noch um einiges interessanter. Das Buch „Klaus Störtebeker“ bot alles, was das Herz begehrte: Alle Szenen mit den dazugehörigen Dialogen, die gesamte Besetzungsliste, die Auflistung aller Chöre und Tanzgruppen, Notenpartituren zweier Lieder.

In der DDR gab es von der Störtebeker-Ballade in Ralswiek Bücher, Broschüren, Schallplatten und von den Darstellern Autogrammpostkarten

Für 1960 war das veranstaltende DDR-Kulturministerium bestens gerüstet. Ein 38-seitiges Programmheft informierte über den historischen Klaus Störtebeker ebenso, wie es die Entstehung der „Rügenfestspiele“ als „ein Beitrag zum sozialistischen Volkstheater“ beschrieb. Der Komponist der „Störtebeker-Suite“, Günter Kochan, wurde vorgestellt, die schwierige Arbeit von Kurt Barthel, den historischen Stoff zu einem Theaterstück zu machen, dargestellt. Die Broschüre verweist auf die Störtebeker-Stiftung in Verden an der Aller, schlägt eine Brücke vom Piraten über den Bauernkrieg bis hin zum „Kommunistischen Manifest“ von Karl Marx. Vermutlich zu dem Programmheft gab es ein achtseitiges Beiblatt, in dem alle Darsteller und weitere Mitwirkende sowie das gesamte Produktionskollektiv aufgelistet wurden.

Die Lieder auf Zehn-Zoll-Vinyl

Ein echter Schatz ist das Buch „Klaus Störtebeker“ von Kochan, Kuba und Perten aus dem VEB Hinstorff Verlag Rostock. Ähnlich wie die Veröffentlichung aus dem Hofmeister-Verlag beinhaltet es die gesamte Ballade. Hier allerdings nicht in den Szenen der Aufführung, sondern als Geschichte erzählt, in der die Handlungen und Ereignisse literarisch beschrieben werden. Zwar ist das Buch mit vier Fotos nur spärlich bebildert, kann aber mit der Zehn-Zoll-Vinyl-Ausgabe der „Störtebeker-Suite“ punkten. Darauf zu hören sind Robert Lauhöfer, Helmut Rehm, Jörg Kaehler (als Sprecher), der Rundfunkchor Leipzig, der Kinderchor des Ensembles der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft und das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig.

Die publizistischen Kleinode förderte eine 80-jährige Sassnitzerin zutage, die damals als junges Mädchen als Kleindarstellerin bei den Rügenfestspielen mitwirkte. Namentlich möchte sie nicht erwähnt werden, wandte sich mit dem Material allerdings an die OSTSEE-ZEITUNG, als sie in unserer Zeitung die Geschichte vom ersten Henker des Klaus Störtebekers, Manfred Heyer (86) aus Bergen, gelesen hatte.

Jens-Uwe Berndt