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Rügen Busfahrerstreik auf Rügen: Ab 3.45 Uhr wehten vor dem Betriebshof die Verdi-Fahnen
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Busfahrerstreik auf Rügen: Ab 3.45 Uhr wehten vor dem Betriebshof die Verdi-Fahnen

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17:09 16.01.2020
Knapp 50 Mitarbeiter streikten vor dem Bergener Betriebshof am Tilzower Weg 33. Quelle: Mathias Otto
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Rügen

Ausnahmezustand auf der Insel: In den Morgenstunden fuhren bis auf Einzelfälle in Bergen und Sassnitz keine Busse. Schüler und Leute, die auf das öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, standen an leeren Haltestellen. Mit dem Warnstreik will Verdi vor den Tarifverhandlungen mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband MV am Freitag in Schwerin Druck machen.

Um 3.45 Uhr trafen die ersten Busfahrer vor dem Betriebshof am Tilzower Weg 33 ein. Um diese Uhrzeit würde sonst an einem Wochentag der erste Fahrer vom Depot fahren. Bis in die frühen Morgenstunden hinein füllte sich der Platz. Knapp 50 Mitarbeiter machten dort in ihren gelben Warnwesten und Trillerpfeifen auf sich aufmerksam. Bei vier Grad wärmten sie sich zwischendurch an einer Feuertonne auf oder tranken Kaffee. „Wir sind gut vorbereitet in den Streiktag gegangen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende und Mitglied der Tarifkommission Olaf Naujoks.

700 Euro Einmalzahlung hatte der Kommunale Arbeitgeberverband angeboten. Viel zu wenig, sagt der Verdi-Vertreter. „Wir fordern eine Erhöhung von 2,06 Euro pro Stunde, plus einen Pauschalbetrag von 100 Euro“, sagt er. Dies sei auch ein Zeichen für zukünftige Fahrer. „Wir haben auf der Insel einen Altersdurchschnitt von 50 Jahren. Und junge Leute rücken nicht nach, weil zum einen die Entlohnung nicht stimmt und sie die Arbeitsbedingungen als schlecht empfinden“, so Olaf Naujoks.

Eltern brachten Kinder zur Schule

Während die Busse noch auf dem Betriebshof standen, hatten nicht wenige Einwohner Mühe, ihre Kinder rechtzeitig zur Schule zu bringen. Kurz vor 7 Uhr in Gingst: Reihenweise fuhren Autos von Eltern und Großeltern vor, die den Nachwuchs persönlich zur Schule fuhren. Die Stimmung war trotzdem gelassen. „Für mich spielt der Streik keine Rolle. Mein Kind lade ich jeden Tag an der Schule ab und fahre danach weiter zur Arbeit“, sagte eine Mutter. „Ich muss zwar heute einen Umweg in Kauf nehmen, weil meine Kinder sonst immer den Bus nehmen. Ich finde es aber richtig, dass die Busfahrer für mehr Geld im Lohnbeutel auf die Straße gehen“, sagte ein Vater. Ähnliches Bild vor der Regionalen Schule in Garz. Bis zum Signal für die erste Stunde war die Straße mit parkenden Autos gefüllt.

Eltern brachten in Gingst ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Quelle: Mathias Otto

„Alle Gingster Schüler waren wie erwartet pünktlich zum Unterricht da. Nur diejenigen, die auf den Bus angewiesen sind, fehlten“, sagt André Farin, stellvertretender Schulleiter der Regionalen Schule Gingst. Er konnte die Eltern am Vortag noch rechtzeitig über den Streik informieren. „Viele sind berufstätig, haben einen langen Anfahrtsweg nach Gingst und würden sich deshalb auf den Nahverkehr verlassen.“ Wie das Bildungsministerium mitteilte, sind diese Schüler entschuldigt, wenn keine Busse fahren.

Verwunderung bei Taxifahrern

Lange Anfahrtswege haben auch Jugendliche, die in Bergen das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium besuchen. Schulleiter Christoph Racky hatte sich zu Beginn des Unterrichtstages einen ersten Überblick verschafft. „Hier hält es sich in Grenzen. Nur in wenige Klassen fehlen Schüler aufgrund des Streiks“, sagt er. Auch in Garz und Altenkirchen war ein Großteil der Kinder und Jugendlichen pünktlich im Klassenraum, wie die Schulleitungen mitteilten.

Verwunderung gab es hingegen bei den Taxifahrern. „Wir waren vorbereitet, ein Mitarbeiter hatte deshalb früher angefangen. Wir hatten am Vormittag aber nicht einen einzigen Fahrgast, der aufgrund des Streiks auf das Taxi umgestiegen wollte“, berichtet Rüdiger Rachow vom gleichnamigen Taxibetrieb in Sellin. Gleiche Situation bei den Kollegen von Taxi Schwabe. „Wir hatten keinen Anruf, keine Extrafahrt“, so Petra Schwabe.

ZOB Bergen: So leer sieht es für gewöhnlich an einem Wochentag nicht aus. Quelle: Mathias Otto

Auf der Insel wurden auch einige Einwohner vom Streik überrascht. Wenig erfreut war deshalb Ruth Dinger, als sie um 8.20 Uhr an der Haltestelle am Putbusser Circus stand und erst dann erfuhr, dass vorläufig kein Bus kommt. „Der Streik wird auf den Rücken der Bürger ausgetragen. Die Leidtragenden sind diejenigen, die darauf angewiesen sind“, sagte die Rentnerin. Wenigstens einen Hinweis auf dem Haltestellenschild hätte sie sich gewünscht. Ihren Einkaufstag in Bergen will sie nun auf Freitag verschieben.

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Von Mathias Otto

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