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Rügen CDU will Altes Kühlhaus für die Fischerei erhalten
Vorpommern Rügen CDU will Altes Kühlhaus für die Fischerei erhalten
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15:32 20.09.2019
Das alte Kühlhaus soll auch zukünftig der Standort für die Fischerei in Sassnitz bleiben, fordert die CDU in einem Antrag für die Stadtvertretung. Sie befürchtet, dass sich der Stadthafen im Ergebnis des Architektenwettbewerbs zu einem „beliebige Eventtourismushafen“ entwickeln könnte. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Was wird aus dem Alten Kühlhaus und der ehemaligen Fischhalle im Sassnitzer Stadthafen. Darüber zerbrechen sich nicht nur deutsche und andere europäische Architekten beim gegenwärtig laufenden Wettbewerb (die OZ berichtete) die Köpfe. Auch viele Sassnitzer und andere Insel-Bewohner und -Besucher machen sich Gedanken über die Zukunft der Gebäude, die von der Blütezeit der Fischerei in Sassnitz und der einstigen Bedeutung der Hafenstadt zeugen. Die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung warnt jetzt davor, diesen Wirtschaftszweig voreilig totzusagen und einer Wiederbelebung alle Wege zu verbauen. In einem Antrag fordert sie stattdessen, dass der Bürgermeister und die städtische Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft (HBEG) gemeinsam mit der Stadtvertretung und allen Beteiligten die notwendigen Schritte unternehmen sollen, „um der Ostseefischerei im Stadthafen Sassnitz eine Zukunft zu bereiten“.

Die Fischhalle im Hafen von Sassnitz in den 70er Jahren Quelle: Stadtarchiv Sassnitz

Denn die liegt praktisch seit Jahren am Boden. Eine Flotte wie zu den Hoch-Zeiten der Fischerei ist hier schon lange nicht mehr zu Hause. Die Anzahl der Sassnitzer Fischer, die von hier aus noch zum Fang hinaus fahren, kann man an einer Hand abzählen. Das, was sie anlanden, verladen sie meist gleich über die Kaikante in Kühltransporter. Die einstige Fischhalle und das Alte Kühlhaus werden nur noch selten für ihre ursprünglichen Zwecke genutzt. „Aber das heißt doch nicht, dass es mit der Fischerei für alle Zeit vorbei sein muss“, begründet der Stadtvertreter Nils Peters den Antrag. Er und seine Mitstreiter befürchten, dass mit dem jetzt in Gang gesetzten Architektenwettbewerb auch das Ende des Fischereihafens eingeläutet werden könnte. Möglicherweise werde diese Industrie zugunsten weiterer touristischer Nutzungen an den Rand gedrängt. „Dabei müssten wir die Fischereitradition mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wiederbeleben“, so Peters. Das müsse den Tourismus ja nicht ausschließen. „Aber wo wenn nicht in Sassnitz sollten Einheimische erleben, wie Fisch angelandet und vielleicht sogar verarbeitet wird?“

Maritime und touristische Nutzung unter einen Hut bringen

Bürgermeister Frank Kracht sieht diese Gefahr durch den gegenwärtig laufenden Wettbewerb nicht. „Die Vorgabe des Preisgerichts an die Teilnehmer lautet ausdrücklich, die maritime und touristische Nutzung zu vereinen.“ Ihre Ideen dazu wollen die Architekten im Oktober vorstellen. Zum Jahresende soll die Entscheidung des Preisgerichts bekanntgegeben werden. „Und dann gehen wir auch in die kommunalpolitischen Gremien und in die Öffentlichkeit.“

Keinen Event-Tourismushafen!

Den Christdemokraten ist das zu spät. Sie wollen schon in der übernächsten Stadtvertreter-Sitzung, also noch vor Jahresende, über die Problematik der Fischerei sprechen und dazu Fachleute einladen. Bis dort nicht geklärt ist, wohin die Reise gehen wird, sollen keine Entscheidungen zur Zukunft des Fischereihafens und der entsprechenden Gebäude gefällt werden. „Insbesondere sind die Maßnahmen zu steuern und zu stoppen, die derzeit womöglich auf eine anderweitige Nutzung des Alten Kühlhauses hinauslaufen“, heißt es in dem Antrag, über den die Stadtvertreter am Dienstag beraten werden. Gerade dieses Gebäude sei ideal geeignet, um eine zukunftsorientierte und moderne Fischerei zu etablieren. „Der Stadthafen Sassnitz muss auch in der nächsten historischen Etappe der Ostseefischerei zentraler Fischereistandort bleiben. Ein Wandel des Stadthafens zu einem beliebigen Event-Tourismushafen allein kann nicht im Sinne unserer Bürger sein.“

Kühlhaus zum Sassnitz-Forum umbauen?

Diesen Eindruck hinterlassen auch viele Facebook-Eintragungen von Rüganern und Gästen, die sich zu unserem Beitrag über den Architektenwettbewerb äußerten (siehe Kasten). Mit einem dreiseitigen Brief hat sich der Sassnitzer Dr. Joachim Behrendt an den Präsidenten der Stadtvertretung und an den Geschäftsführer der Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft gewandt. Behrendt, der lange Zeit Konzeptionen für die Freizeitindustrie erarbeitet hat, kritisiert darin, dass die Einwohner ungefragt blieben und warnt vor möglichen Fehlern bei der Entwicklung des Hafens. „Wir Sassnitzer (. . .) kopieren oftmals schlecht Dinge, die es in vielen Orten auf unserer Insel schon vielfach besser gibt.“ Behrendt wünscht sich, dass die historisch wertvollen Hafenanlagen wenigstens in ihrer Kubatur erhalten blieben. Ansonsten gibt es für die Fischerei in seinen Überlegungen kaum noch Platz. Aus dem Alten Kühlhaus könnte ein „Sassnitz-Forum“ werden, ein Tor zum Hafen und ein Veranstaltungs- und Aufenthaltsort mit großen Glasflächen und einer durch das Gebäude verlaufenden Rutsche, die auch Erwachsene benutzen können. Die benachbarte Fischhalle sollte für Maisonette-Ferienwohnungen genutzt und über eine Brücke vom Dach mit dem gegenüberliegenden Parkhaus verbunden werden.

Joachim Behrendt sähe es gern, wenn nicht nur die Architekten ihre Vorschläge unterbreiten könnten, sondern auch die Sassnitzer –in einer Diskussionsrunde, in der sich jeder nur einmal zu Wort melden und nicht auf die Vorschläge seines Vorredners Bezug nehmen darf.

Ein Wahrzeichen von Sassnitz

Sanieren oder abreißen und durch einen Neubau ersetzen – viele Leser haben auf unserer Facebook-Seite klar Position für den Erhalt bezogen. „Ich hoffe sanieren“, schreibt Maria Rogge. „Mein Opa hat dort früher gearbeitet bis Ende der 80er Jahre. Als Kleinkind war ich so oft in seinem Büro. Ich hoffe es bleibt. Denn damit bleiben auch die Erinnerungen.“ Auch andere erinnern sich gern an Freunde und Verwandte, die dort tätig waren. Wieder andere geben zu bedenken, dass die Bauten die Ansicht des Hafens prägen. „Sanieren! Das gehört unbedingt zum Hafenbild“, findet Christiane Ottensmann. „Das Flair des Hafens muss erhalten werden!“, spricht sich auch Simon Hanke für den Erhalt der Bauten aus. Für Benedikt Liesegang stellt sich die Frage gar nicht. Das Ensemble präge das Hafenbild und müsse saniert werden. „Die sonst wohl wieder entstehende 0-8-15-Architektur wäre das größere Übel“, befürchtet er.

„Kommt drauf an, was günstiger ist“, findet Lothar Starke. Man könne ja einen Neubau auch nach den alten Bauplänen errichten. „Abreißen und ein Hotel mit Bäderarchitektur errichten mit Geschäften und Museum zur Fischerei“ –das wünscht sich „La Rs“ in seinem Beitrag. „Wir haben genug Hotels“, meint hingegen Annett Halle. „Kommt da ein Hotel hin, fehlen auch da die Arbeitskräfte.“ Mit schwarzem Humor kontert solche Ideen Dietra Hengelhaupt: „Am besten abreißen, ein großes teures Hotel hinbauen und ein Appartementhaus.“ Dirk Lorenz rät, erst einmal ein Nutzungskonzept zu entwickeln und dann die Frage zu entscheiden. DoerTe könnte sich eine Kletterhalle vorstellen.

Dass die Gebäude stehen bleiben sollten, darin sind sich Rainer Norman Müller und Marita Lüder einig. Doch während es für ihn ein „Mahnmal für die vielen Fische, die hier getötet wurden“, ist, sieht die Urlauberin, die jedes Jahr den Hafen besucht, darin ein Wahrzeichen von Sassnitz.

Von Maik Trettin

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