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Rügen Chance vertan: Keine Mehrheit für Hannes-Präkel-Ring
Vorpommern Rügen Chance vertan: Keine Mehrheit für Hannes-Präkel-Ring
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01:40 18.04.2018
Bergen

Auch wenn ein Verhältnis von zehn zu fünf eine deutliche Sprache zu sprechen scheint, war es ein knappe Entscheidung: Bergen bekommt vorerst keine Straße, die nach ihren Ex-Bürgermeister Hannes Präkel benannt wird. Beantragt hatte das die Fraktion der Linken am vergangenen Mittwochabend, als es darum ging, für den so genannten Wohnpark Mehrzweckplatz, der sich unmittelbar neben der alten Eigenheimsiedlung erstrecken soll, den Namen für eine Ringstraße zu finden. Zur Debatte standen: Boddenring, Zirkusring, Teteler Ring und Königsblick.

Wenn wir die Möglichkeit haben, ihn zu ehren, sollten wir das nutzen.André Schröder (Linke)
Hannes Präkel ist als Person garantiert nicht anfechtbar.Matthias Ewert (CDU) Präsident der Stadtvertretung
Gerade von der CDU/FDP-Fraktion hätte ich diese Ablehnung nicht erwartet.Julia Präkel, Enkelin

„Wir haben uns den Hannes-Präkel-Weg als fünfte Variante überlegt“, sagte André Schröder. „In diesem Jahr haben wir den zehnten Todestag von Hannes Präkel. Und wenn wir die Möglichkeit haben, ihn zu ehren, sollten wir das nutzen.“ Präkel, der über ein Vierteljahrhundert bis 1987 Bürgermeister von Bergen war, habe einen enormen Rückhalt in der Einwohnerschaft gehabt. Er habe sein ganzes Leben der Entwicklung der Stadt gewidmet und sich deshalb einer enormen Beliebtheit erfreut. „Selbst habe ich ihn nie kennengelernt, aber aus seinen Tagebuchaufzeichnungen habe ich herausgelesen, dass er ein sehr bescheidener Mensch gewesen ist“, begründete Schröder den Vorschlag. „Er selbst hätte nie zugestimmt, dass wir eine Straße nach ihm benennen, weshalb wir auch den Begriff ,Weg’ gewählt haben. Das weist auf diese Bescheidenheit hin.“

Angelika Hornfeldt von der SPD-Fraktion vertrat allerdings die Ansicht, dass die Straße wie geplant „Ring“ heißen sollte, was Hannes Präkel angemessener sei. Die Linke schloss sich diesem Vorschlag an.

Vor der Abstimmung nahm sich die CDU/FDP-Fraktion eine fünfminütige Auszeit, in der man sich ganz offensichtlich gegen einen Hannes-Präkel-Ring entschied. Denn am Ende waren es mit Eva-Maria Schwerin, André Schröder, Peter Wendekamm von den Linken, der SPD-Frau Hornfeldt und dem Präsidenten der Stadtvertretung Matthias Ewert (CDU) nur fünf der 15 Anwesenden, die sich für den Bürgermeisternamen entschieden. Der Rest – sechs CDU/FDP-Fraktionsmitglieder, Kristine Kasten und Monika Quade (beide SPD) sowie Carmen Kannengießer und Rainer Eggers vom Bürger Bündnis Bergen (BBB) – votierten für den Boddenring.

Dabei waren die Motive der Ablehnung recht unterschiedlich. Kannengießer begründete sie zum Beispiel mit einem Bekenntnis zu Präkel, was das Abstimmungsergebnis dann doch relativiert: „Wir finden, dass der Name Hannes Präkel nicht irgendwo in ein Wohngebiet am Rande der Stadt gehört. Nach ihm sollte eine Straße oder ein Platz im Zentrum benannt werden.“ Die CDU/FDP-Fraktion handelte laut Matthias Ewert nach dem Grundsatz, Straßen nicht nach Personen benennen zu wollen. Er selbst sieht das aber anders. „Hannes Präkel ist einer von zwei Ehrenbürgern der Stadt und als Person garantiert nicht anfechtbar“, sagte Ewert gegenüber der OZ. „Außerdem hat er damals mit dafür gesorgt, dass die Eigenheimsiedlung dort draußen entstehen konnte. Dazu wurden Platten verwendet, die für den Wohnungsbau nicht mehr geeignet schienen. Nicht umsonst nannte man die Siedlung im Volksmund Präkelshagen.“

Julia Präkel, Enkelin des Ex-Bürgermeisters, Mitarbeiterin des Wahlkreisbüros von Angela Merkel und Burkhard Lenz sowie 2015 Bürgermeisterkandidatin für die CDU in Putbus zeigte sich enttäuscht.

„Gerade von der CDU/FDP-Fraktion hätte ich diese Ablehnung nicht erwartet“, sagte sie gestern. „Die Begründung kann man für jemanden wie Helmut Kohl anwenden, nicht für einen Ehrenbürger.“ Ihr Großvater habe immer überparteilich gearbeitet, noch heute werde sie auf der Straße auf ihn angesprochen. „Meine Oma, die demnächst 90 Jahre alt wird, wird traurig sein.“ Auch Bürgermeisterin Anja Ratzke hätte sich über eine Zustimmung gefreut. „Das wäre garantiert im Sinne vieler Bergener gewesen“, sagte sie. „Mit Blick auf seinen 10. Todestag wäre das eine schöne Geste gewesen. Wir behalten die Benennung einer Straße nach Hannes Präkel aber im Blick.“

Hannes Präkel und Bergen

Hannes Präkel war von 1955 bis 1987 Bürgermeister in Bergen.

Vor zehn Jahren ist er verstorben. Er ist einer von zwei Ehrenbürgern der Stadt.

Das Neu Deutschland schrieb am 15. 9. 1984: Bürger der Rügenschen Kreisstadt trugen bis Ende August mit „Mach mit!"-Leistungen im Umfang von 2 980 000 Mark zur Erhaltung des Wohnraums bei.

Wie uns Bürgermeister Hannes Präkel berichtete, wurden Wohnungen modernisiert bzw. ausgebaut, die Fassaden eingeschossiger Häuser und viele Dächer instand gesetzt.

Jens-Uwe Berndt

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