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Rügen Christoph Eder dreht Kino-Dokumentarfilm über Göhren
Vorpommern Rügen Christoph Eder dreht Kino-Dokumentarfilm über Göhren
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18:07 08.08.2019
Christoph Eder (l.) ist für sein Filmprojekt immer wieder auf Rügen. Auf dem Bild ist er mit Kameramann Jonas Römmig am Strand von Göhren zu sehen. Quelle: Gerit Herold
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Göhren

Erwachsene bräunen sich in der Sonne, schauen vergnügt auf das Meer, Kinder planschen im Wasser, Rettungsschwimmer beobachten auf ihren Wachtürmen aufmerksam das Treiben in der Ostsee. Ein Schiff tutet laut an der Seebrücke. Am Strand läuft eine große Sandburgenbau-Aktion. Das pralle Badeleben im Sommer in Göhren. Mittendrin filmen Christoph Eder, Michael Holz und Jonas Römmig und fangen Szenen und Bilder ein, die jeder sofort mit Rügen verbindet. Der Bau der vielen Sandburgen steht für Regisseur Christoph Eder dabei aber auch als Metapher. Der 31-Jährige arbeitet an einem Film über Rügen, seine Heimatinsel. Er ist 1987 geboren und in Göhren aufgewachsen. Hierher zieht es den Filmemacher, der in Berlin lebt, immer wieder. „Es ist 30 Jahre her, dass die Mauer fiel. Ich will zeigen, wie extrem sich Rügen verändert hat und vor welchen Herausforderungen die Menschen stehen, wie sie mit den Themen Natur und Tourismus umgehen. Im Mittelpunkt dabei steht Göhren“, so Eder.

In seinem Langfilmdebüt zeichnet Christoph Eder ein Porträt seines Heimatortes und seiner Bewohner. Dabei werden die Reibungspunkte zwischen den Interessen Einzelner und dem Gemeinwohl vor dem Hintergrund der Tourismusentwicklung deutlich. Zwei Jahre lang hat er verschiedene Protagonisten im Alltag begleitet, ihnen als stiller Beobachter bei ihrer Arbeit, ihren Hobbys und bis zur Kommunalwahl auch in ihrem Wahlkampf zugesehen. „Anfangs stießen wir auf Ablehnung, die Leute hatten keine Lust auf Medien, es hat Zeit gedauert“, erinnert sich Eder. Das Filmteam kam immer wieder, war bei Gemeinderatssitzungen mit aufreibenden Debatten zu großen Bauvorhaben dabei, aber auch bei Veranstaltungen und Festen und schaute sich im Ort um.

Neben dieser Ebene gibt es eine zweite, sehr persönliche mit Rückblenden in die eigene Kindheit. Es sind Videoaufnahmen aus den 90er Jahren, die ein Freund der Familie einst gemacht hat. Alles fließt zusammen. „Der Film zeigt die Welt in der Nussschale“, so Eder, der Göhren dabei auch als ein Beispiel für viele Orte in der Welt sieht.

40 Stunden Material sind inzwischen zusammengekommen. Daraus entsteht ein 90-Minuten langer Kino-Dokumentarfilm. Der Schnitt ist eine große Herausforderung und wird bis Endes des Jahres dauern, weiß Eder. Dann wird der Film zu nationalen und internationalen Filmfesten eingereicht. Voruaussichtlich Ende 2020 ist er im RBB-Fernsehen zu sehen. Eineinhalb Jahre hat der Regisseur und Drehbuchautor gebraucht, um eine geförderte Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wie der Film, den die ostlicht filmproduktion GmbH produziert, heißen wird, ist noch nicht klar. „Ich habe mich noch nicht entscheiden“, sagt der Macher.

Christoph Eder hat nach dem Abitur in Bergen eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton in Greifswald absolviert und danach an der Bauhaus-Universität in Weimar das Studium der Medienkunst. Er ist freiberuflich tätig und studiert nebenbei Regie für Dokumentarfilm an der Filmuniversität BabelsbergKonrad Wolf“ in Potsdam. Der Göhren-Film ist Teil seiner Abschlussarbeit.

Die Dokumentarfilmerei ist der Kern seiner Arbeit. Daneben hat das Rügener Regie-Talent Auftragsproduktionen zum Beispiel für das Funk-Format (ARD/ZDF) Bohemian Browser Ballett, das dieses Jahr mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde. Eder ist Regisseur und Produzent für Online-Produktionen und Musikvideos und wurde mehrfach für seine Arbeiten mit Filmpreisen ausgezeichnet, so auch für den Doku-Film „Imbiss“, den er mit seinem Freund und Kollegen Jonas Eisenschmidt 2015 auf der griechischen Insel Lesbos drehte. Dieser Film wurde auch beim Rügen International Film Festival vor zwei Jahren gezeigt, für das Christoph Eder den Trailer drehte.

Filmarbeiten von ihm sind am Freitag, 9. August, am Selliner Südstrand zu sehen. Unter dem Motto „Kino am Strand - am Meer“ finden am Klangpavillon zwei Sommerabende mit Open Air Kino statt, die von Kammer11 präsentiert werden. Kammer11 ist ein Filmkollektiv, das Christoph Eder 2013 mit vier Kommilitonen an der Weimarer Uni gegründet hat. Es ist ein Netzwerk von Filmemachern, die sich gegenseitig in ihrer Arbeit unterstützen.

Am Freitag zeigen sie 100 Minuten lang ihre preisgekrönten Kurzfilme. Danach können die Zuschauer mit den Filmemachern Clemens Beier, Till Krücken, Duc Ngo Ngoc, Patrick Richter und Christoph Eder ins Gespräch kommen. Am Sonnabend wird der Film „Er Sie Ich“ gezeigt, der es in die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2019 schaffte. Die Regisseurin Carlotta Kittel wird vor Ort sein. Filmstart ist jeweils um 21 Uhr, der Eintritt ist frei.

„Ich freue mich sehr auf die Abende“, so Eder, der das Konzept der Strandklangkultur schätzt. Dies sieht er auf einer Welle mit dem Skateboardverein „Rügen roll!“, für den er sich seit 18 Jahren engagiert. Der Verein sei eine Oase der alternativen Jugendkultur und liegt ihm am Herzen. Als 13-Jähriger stand er das erste Mal auf einem Rollbrett und entdeckte eine Leidenschaft, die wenig später eine noch größere weckte. Auf der Selliner Skaterbahn drehte er seine ersten Videoclips und wusste bald: „Ich will Filmemacher werden.“

Von Gerit Herold

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