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Rügen Cornell Kuithan kennt den Wald wie seine Westentasche
Vorpommern Rügen Cornell Kuithan kennt den Wald wie seine Westentasche
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00:01 10.03.2017
Augustenhof

Wenn Cornell Kuithan von der Vielfalt der Rügener Wälder erzählt, kommt er ins Schwärmen: Kiefern, Eichen, Ahorn und Birken gibt es auf der Insel, dazu Douglasien, Fichten, Buchen, Pappeln, Linden und vieles mehr. Als amtlicher Revierförster fährt der 35-Jährige jeden Tag von seinem Heimatort Dierhagen rund 90 Kilometer, um die rund 4200 Hektar Waldflächen West-Rügens zu beaufsichtigen. Dazu gehört auch der rund 800 Hektar große Wald rund um Augustenhof. Wahrscheinlich kennt er dort jeden Baum. Jedenfalls findet er sich im dunklen Tann ebenso selbstverständlich zurecht wie im eigenen Wohnzimmer.

Cornell Kuithan betreut den Wald von Augustenhof.

Eigentlich hat Kuithan Zimmermann gelernt, und zwar im fernen Schwarzwald, „doch ich wollte wieder hoch“, in die Heimat. Auf dem zweiten Bildungsweg machte er sein Fachabitur und studierte danach in Eberswalde Forstwirtschaft. Auf Rügen arbeitete er erstmals als Anwärter für den gehobenen Forstdienst, dorthin kehrte er 2010 nach zwei Jahren in Ludwigslust wieder zurück. Beim Gang durch den Augustenhofer Forst erzählt Kuithan von seinem Werdegang. Er wohnt jetzt wieder auf dem Hof seiner Familie in dem Dorf vor der Halbinsel Fischland- Darß, seit neun Monaten sorgt Söhnchen Albert dafür, dass es den jungen Eltern nicht langweilig wird.

Bäume sind für den Forstbeamten nicht bloß Materie, sondern voller Leben: „Wenn ein Baum von Schädlingen befallen wird, warnt er mit Botenstoffen seine Nachbarn, und die aktivieren ihr Immunsystem“, erläutert er. Nicht immer genügt das. „Die Esche stirbt aus“, und dies hat sie einem vor 15 Jahren eingewanderten Pilz, dem Falschen Weißen Stengelbecherchen, zu verdanken, der die Triebe angreift. Derzeit werde auf Genplantagen versucht, die Esche für die Zukunft zu retten und später wieder in die Wälder zu pflanzen.

„Nachhaltigkeit“ ist ein sehr moderner Begriff, in der Forstwirtschaft aber schon seit 300 Jahren ein zentrales Anliegen. Angesichts der Alters vieler Bäume, bis zu 1000 Jahre können Eichen werden, „müssen wir mindestens 130 Jahre voraus denken.“

Natürlich begegnen dem Forstmann jede Menge Tiere, wenn er durch die Wälder streift. Denn die unterschiedlichen Klimazonen auf der Insel schaffen nicht nur für vielfältige Pflanzen, sondern auch für Tiere günstige Lebensbedingungen. Rot-, Reh- und Schwarzwild, Füchse, Käfer, Insekten und jede Menge Vögel tummeln sich zwischen den Bäumen rund um Augustenhof. Selbst vor Wildschweinrotten oder einem hormongesteuerten Hirsch in der Brunft hat Kuithan keine Scheu. „Die suchen nicht die Nähe von Menschen und laufen in der Regel weiter“, beruhigt er ängstliche Zeitgenossen. Vorsicht ist höchstens bei Bachen mit Frischlingen angeraten. Doch bis man auf einen „Wurfkessel“, eine wie ein überdimensionales Nest aussehende „Kinderstube“ für den Wildschweinnachwuchs stößt, müsste man schon sehr tief in den Wald vorgedrungen sein. Susanna Gilbert

OZ

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