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Rügen Kasprzyk ist neuer Bürgermeister in Lietzow
Vorpommern Rügen Kasprzyk ist neuer Bürgermeister in Lietzow
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07:59 20.07.2019
Daniel Kasprzyk (43) ist von der Gemeindevertretung zum neuen Bürgermeister der Jasmunder Kommune gewählt worden. Quelle: Maik Trettin
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Lietzow

Die Gemeinde Lietzow hat einen neuen Bürgermeister. Auf der konstituierenden Sitzung votierten vier der sechs Gemeindevertreter für Daniel Kasprzyk (Bürger für Vorpommern-Rügen), der sich damit gegen den ebenfalls zur Wahl stehenden Einzelbewerber Dr. Reinhart Schroeder-Baumgart durchsetzte. Zur Kommunalwahl im Mai hatte sich in Lietzow kein Bürgermeisterkandidat gefunden, weshalb die Entscheidung nun bei den neu gewählten Gemeindevertretern lag.

Herr Kasprzyk, um ganz sicher zu gehen: Habe ich Ihren Namen richtig geschrieben und ausgesprochen?

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Daniel Kasprzyk (lacht): Ja, das ist nicht einfach. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich ihn fast immer buchstabieren muss. In der Geschichte gab es verschiedene Schreibweisen, bis sich die jetzige durchsetzte. Gesprochen wird es „Kaspehrzyk“, also so, als stünde noch ein betontes „e“ in der Mitte. Aber auch da habe ich schon ganz unterschiedliche Varianten gehört. Das ist aber auch nicht so wichtig – Hauptsache, man spricht überhaupt miteinander.

Sie unterhalten sich gern?

Ich denke, ich bin durchaus kontaktfreudig, sonst wäre ich für ein solches Ehrenamt ja der völlig falsche Mann. Aber ich meine das auch im doppelten Sinn. Ich habe Kommunalpolitik in Lietzow in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt. Da wurde viel übereinander und zu selten miteinander geredet. Das ist nicht meine Art. Ich denke, dass so etwas hemmt. Im direkten Gespräch erfährt man, wo der Schuh drückt, welche Probleme es gibt und man kann gemeinsam eine Lösung finden.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Borchtitz, also auch für Lietzower Verhältnisse „jwd“. Ist das für einen Bürgermeister nicht von Nachteil, wenn er nicht mitten im Ort lebt?

Das glaube ich nicht. Die Lage des Wohnorts ist aus meiner Sicht zweitrangig. Davon abgesehen sind wir schon jetzt oft im Dorf unterwegs, zu Fuß, mit dem Auto und ganz viel mit dem Fahrrad. Ich denke, dass ich da schnell einen kurzen Draht zu den meisten Einwohnern finden werde. Ich werde zukünftig regelmäßig Sprechstunden im Gemeindehaus abhalten.

Sie waren bislang in der Kommunalpolitik gar nicht aktiv und stehen jetzt gleich an der Spitze des Ortes. Macht Ihnen dieses Tempo Angst?

Angst nicht, sonst hätte ich mich der Aufgabe nicht gestellt. Ich hätte es mir auch anders gewünscht und vor einem solchen Schritt erst ein paar Jahre in der Gemeindevertretung mitgearbeitet. Ich hatte als Einzelbewerber schon in der vergangenen Wahlperiode kandidiert und mich diesmal als Kandidat der Wählergemeinschaft „Bürger für Vorpommern-Rügen“ aufstellen lassen. Dass ich im Gemeinderat nun gleich auf dem Stuhl des Bürgermeisters Platz nehme, hatte ich nicht geplant und entsprechende Ansinnen vor wenigen Wochen noch abgelehnt. Nachdem niemand als Gemeindeoberhaupt kandidiert hatte, waren einige Gemeindevertreter erneut an mich herangetreten. Ich habe das gründlich mit meiner Frau besprochen und schließlich „ja“ gesagt.

Warum?

Weil ich finde, dass zu viele Leute nur rummeckern, aber keine Verantwortung übernehmen. Wenn man etwas bewegen will, muss man auch etwas dafür tun, selbst wenn es dann unbequem wird.

Welches Problem müsste aus Ihrer Sicht bald angegangen werden?

Ich bin gerade dabei, mir einen Überblick zu verschaffen. Jürgen Böhnig, der sich als Bürgermeister 15 Jahre für die Gemeinde engagiert hat, unterstützt mich dabei dankenswerterweise sehr. Ich denke, wir sollten die bereits angeschobenen Projekte, wie zum Beispiel die Slipanlage und den Bau des Bootsstegs am Kleinen Jasmunder Bodden, zu Ende führen, damit sie für die Gemeinde nutzbar sind und etwas Geld in die Kasse kommt. Um das Ortsbild zu verschönern, müssten der oder die Gemeindearbeiter verstärkt eingesetzt werden. Da prüfen wir in der Gemeindevertretung gerade, was wir mit unseren finanziellen Mitteln machen können. Auch das Industriegebiet an der Südstraße liegt mir am Herzen. Das müssen wir gemeinsam mit der Stadt Sassnitz entwickeln.

Sie haben ein Unternehmen, eine junge Familie – bleibt Ihnen da noch Zeit für ein solches Ehrenamt?

(Lacht) Man hat doch eigentlich nie Zeit. Zeit muss man sich nehmen.

Sportbegeisterter Handwerker

Daniel Kasprzykstammt ursprünglich aus Sassnitz, ist dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seit dem Jahre 2004 lebt der Zimmerermeister im Lietzower Ortsteil Borchtitz. Dort befindet sich auch sein Handwerksbetrieb, in dem außer ihm drei weitere Mitarbeiter tätig sind. Der 43-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder. Seine Freizeit verbringt er gern aktiv. Die ganze Familie liebt unter anderem den Wintersport. Daniel Kasprzyk ist zudem gern mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder auf dem Wasser unterwegs.

Maik Trettin

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