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Rügen Das Aus für die frisch gezapfte Milch auf Rügen
Vorpommern Rügen

Das Aus für die frisch gezapfte Milch auf Rügen

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17:00 20.01.2020
Wie hier im Real-Markt in Bergen hat die Rügenmilch auf Rügen und in Stralsund acht Automaten aufgestellt. Sie werden im Februar abgebaut. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Wiek

Die Nachricht traf zum Ende der vergangenen Woche vor allem die Rügener, die sich bewusst für den Konsum frischer und regionaler Produkte und Erzeugnisse entscheiden. Doch nachdem Rügenmilch 2017 den ersten Automaten aufstellte, der die frische Milch von der Insel für den Endverbraucher zapfbar machte, ist nun Schluss.

Wie das Unternehmen mitteilte, werden die mittlerweile acht Frischmilchzapfstellen auf Rügen und in Stralsund am 10. und 11. Februar abgebaut. „Wir bedauern das sehr. Da steckt viel Herzblut drin. Das Projekt wurde von der ganzen Familie und den Mitarbeitern getragen“, sagt Rügenmilch-Chef Enno Tammling.

Auf die Begeisterung folgte Interessenverlust

Der Grund für das Aus der Automaten ist die mangelnde Nachfrage. „Es lief sehr gut, nachdem wir 2017 den ersten Automaten aufgestellt haben. Der Zuspruch ist dann 2018 abgeflacht und hat auch 2019 nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen“, bedauert der Landwirt. Den Verlust durch eine Preissteigerung abzuschwächen, sei da keine Option gewesen, da dann ein weiterer Kundenrückgang zu befürchten gewesen wäre.

Gerade in den ersten Monaten war eine starke Mundpropaganda spürbar gewesen. „Und das sind tatsächlich oft die Gäste der Insel, die sehr interessierte Kunden sind und uns wahrgenommen haben. Aber die sind eben auch nicht das ganze Jahr da“, so Tammling. Die Qualität der Milch wurde jedoch stets von Einheimischen und Touristen gelobt. „Ich habe nicht ein Mal erlebt, dass jemand meinte, es schmeckt nicht.“

Noch drei Wochen bleiben den Kunden, um an den Automaten in ihrem nächstgelegenen Supermarkt ihre Milch zu zapfen. Diese stehen in den Edeka-Märkten in Sagard, Bergen-Süd, Wiek und Sellin, sowie dem Real in Bergen und Rewe in Sassnitz. Auch in Stralsund stehen die Automaten im Real Andershof und Rewe in der Rostocker Chaussee. Mit dem Abbau der Automaten, haben die Rügener keine Möglichkeit mehr, in den Genuss der lokalen Milch zu kommen. Ein Hofverkauf ist nicht möglich.

An den Automaten werden die Kunden zur Zeit über die aktuelle Situation informiert. Quelle: Wenke Büssow-Krämer

Herber Verlust auch für Bäckerei Peters

Doch nicht nur der Endverbraucher muss verzichten. Den Verlust der Frischmilch bekommt auch die Konditorei Bäckerei Peters zu spüren. Denn mit dem Ende des lokalen Vertriebs, wird bei der Rügenmilch auch das Pasteurisieren eingestellt, die das Vermarkten der Frischmilch überhaupt möglich macht. „Wir bedauern das sehr, denn wir zeichnen uns durch regionale Produkte aus. Aber auch für Familie Tammling finden wir es sehr schade“, sagt Knut Jarmer von der Bäckerei Peters. Nicht nur in den Kaffee oder die Backwaren floss hier die gute Milch von der Insel. Auch die hauseigene Eisproduktion ist betroffen. „Es reißt wirklich ein großes Loch, die Rügenmilch nicht mehr zu haben. Diese Lücke muss erstmal gefüllt werden“, so Knut Jarmer.

Der bei der Pasteurisierung angefallene Rahm ging dann an die Rügener Inselfrische zur Weiterverarbeitung, die nun ebenfalls auf die Lieferung aus der Nachbarschaft verzichten muss. Somit geht nun der komplette Milchertrag des Unternehmens von Enno Tammling in die Molkerei Uckermärker Milch in Prenzlau, wo sie zu Butter, Quark und anderen Milcherzeugnissen verarbeitet wird.

Kunden bedauern den Frischmilch-Wegfall

„Es ist uns sehr schwer gefallen. Aber es war nun der Zeitpunkt, da wir jetzt auch einen Käufer für die Automaten gefunden haben“, sagt Tammling. Diese werden zukünftig in Berlin stehen. „Wir sind unseren Kunden sehr dankbar. Aber es waren eben nicht genügend. Zu oft wird noch auf den Preis geblickt.“

Die bisherigen Automaten-Kunden bedauern diesen Schritt des Unternehmens. Auf der Facebook-Seite der Rügenmilch gingen zahlreiche Einträge unter der Mitteilung des Abbaus ein. Stephanie Loe meint: „Ich bin geschockt und traurig zugleich. Danke für eure tolle Qualität, Kundenfreundlichkeit und Liebe für Lebensmittel. Ich werde es sehr vermissen, sie zu trinken.“ Auch Andrea Sakowski bedauert den Verlust: „Aber die meisten Leute kaufen die Milch, die am billigsten ist. Das ist ganz fatal für die kleinen regionalen Produzenten.“

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Von Wenke Büssow-Krämer

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