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Rügen Das Rennen um den goldenen Hering von Vitt
Vorpommern Rügen Das Rennen um den goldenen Hering von Vitt
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00:00 31.03.2016
Fischer Tobias Bredow (33) holt nicht nur zum Heringsfest frischen Fisch an den Strand von Vitt.
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Vitt

Geräuchert, gebraten oder eingelegt — in Vitt dreht sich morgen wieder alles rund um den Hering. Mit einem Heringsfest feiern die Einwohner und Gäste „ihren“ Fisch, der sogar für die Entstehung des Ortes mitverantwortlich ist. „Vitt war schon immer ein echtes Fischerdorf“, berichtet Ricarda Schwanz, eine von 19 Einwohnern des kleinen Ortes. „Überliefert sind die Anfänge aus dem 11. Jahrhundert.“ Die Fischer hätten hier ihren Hering an Land gebracht, eingesalzen und weiterverkauft. Daher stammt auch der Name: „Vittas“ bedeutet so viel wie Stapel- oder Handelsplätze.„Man geht davon aus, das Vitt der Hafen von der Siedlung am Kap Arkona war — vom Hochufer dort kam man ja nicht ans Wasser“, so Ricarda Schwanz.

Helga Schwanz bei der Zubereitung ihres „Pfefferherings“, mit dem sie im vergangenen Jahr den goldenen Hering gewann. Quelle: Anne Ziebarth

Bis heute hat sich das Fischerhandwerk hier gehalten, wenngleich auch in kleinem Maßstab. In dem winzigen Hafen fährt der einzige Fischer von Vitt, Tobias Bredow mit seinem flachen Boot auf Heringsfang. Den Betrieb hat der 33-Jährige von seinem Vater übernommen, neben der Fischerei betreibt die Familie eine Räucherei und einen Fischimbiss am Hafen von Vitt. „Zum Heringsfest fahre ich natürlich auch raus und bringe den Fang dann direkt zum Grill“, berichtet Tobias Bredow. „Frischer geht es nicht.“ Wenige Meter neben der Anlegestelle werden die Heringe dann am Stand von Rainer Nitschke, dem Chefkoch des Restaurants Arcun gebraten.

Neben Brat- und Räucherhering startet an diesem Tag auch das Rennen um den „goldenen Hering“, einer liebevoll verzierten Holzskulptur, die es zu gewinnen gilt. Fünf Gastronomen und Hobbyköche kämpfen um die begehrte Trophäe, die demjenigen verliehen wird, dessen Rezept in der Gunst der Gäste ganz weit vorne liegt. Wurde auf dem Fest im vergangenen Jahr der beste Pfefferhering gesucht, ist es in diesem Jahr der schmackhafteste eingelegte Brathering, der ermittelt wird. Mit einem kleinen Gäbelchen kann sich der Besucher durch die Heringe probieren und die Stimme für seinen Favoriten abgeben.

Die Rezepte, nach denen die Köche ihre Heringe zubereiten, werden streng gehütet. „Familiengeheimnis, das wird nicht verraten“, bestätigt Helga Schwanz. „Die besten Rezepte werden über Generationen weitergegeben.“ Die 62-Jährige ist Titelverteidigerin. Mit „Helgas Pfefferhering“ holte sie sich den goldenen Hering im vergangenen Jahr. Beim Pfefferhering zieht der frische filetierte Hering in einer Marinade aus Essigwasser, Zwiebeln und Salz gar. „Die Mischung aus Pfeffer und Zucker ist entscheidend“, berichtet Helga Schwanz. „Mit unserer lieblichen Variante haben wir im vergangenen Jahr den Geschmack gut getroffen“, sagt sie. „Mal sehen, wie es dieses Mal klappt.“ Beim eingelegten Brathering liege das Geheimnis in der Würze des Fonds, meint sie. „Und der Hering muss natürlich richtig frisch sein, sonst nützt auch ein guter Fond nicht mehr.“

Die Organisatoren des Festes haben sich noch eine Besonderheit ausgedacht. Am Strand wird es Kurzvorträge zu den Themen Heringsfang und Steilküstendynamik geben. Den Vortrag über Hering hält Arno Vetterick von der Fischereiaufsichtsbehörde. „Es ist mir eine Ehre, eingeladen zu werden, schließlich habe ich ja hier in Vitt meine Fischerlehre gemacht.“ Von den 1950er Jahren bis 1990 gab es in Vitt eine Fischereibrigade von rund zehn Mann in Vitt, die zur Fischproduktionsgenossenschaft Wittow gehörte.

Selbst die kleine achteckige Kapelle in Vitt ist auf eine Weise mit dem Hering verbunden: Sie ist 1806 auf Betreiben des Pastors Ludwig Gotthard Kosegarten gebaut worden. Weil die Fischer während der Heringsfangwochen keine Zeit für einen Kirchenbesuch in Altenkirchen fanden, predigte der engagierte Pfarrer zunächst unter freiem Himmel. So konnten die Fischer schnell wieder zu ihren Heringen.

Heringsfest morgen am Strand in Vitt

Ab 10 Uhr: Hering in allen Variationen, DJ und Livemusik, Kinderaktionen. Infostand der Freiwilligen Feuerwehr Putgarten und des Umweltamtes zum Thema „Küstenabbrüche und das richtige Verhalten an der Steilküste“

11 Uhr: Vortrag Arno Vetterick (Fischereiaufsichtsbehörde): Heringsbestand, Quoten und Fangmethoden

11.30 Uhr: Eröffnung Wettbewerb um den goldenen Hering: Probierstand mit eingelegten Bratheringen 12 Uhr: Vortrag „Küste in Bewegung“ vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie.

13 Uhr: Schubkarrenrennen in

Zweier-Teams mit Preisverleihung

14.30 Uhr: Prämierung des besten Bratheringrezeptes.

Anreise: Autos bitte auf dem Parkplatz in Putgarten stehen lassen, dann mit der Kap-Arkona-Bahn fahren.

Keine Parkplätze in Vitt.

Von Anne Ziebarth

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