Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Das Silber der Wikinger: Sellin will Kopie des Blauzahn-Schatzes zeigen
Vorpommern Rügen Das Silber der Wikinger: Sellin will Kopie des Blauzahn-Schatzes zeigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 07.11.2019
Teile des Silberschatzes von Schaprode mit gewendeltem, verschließbarem Drahtring, Silberperlen mit Granulationsauflage, zerhacktem Silberschmuck, Thorshammeramulett und dänischen sowie ottonischen Münzen. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Anzeige
Sellin

Es könnte ein Besuchermagnet für die Insel Rügen und ganz MV werden: Das Ostseebad Sellin plant, eine Kopie des berühmten Blauzahn-Schatzes in seinem Museum zu zeigen. Zur nächsten Saison soll eine Sonderausstellung im „Seefahrerhaus“ eröffnet werden, in der Repliken der kostbaren Fundstücke präsentiert werden sollen. Bis zum Jahresende werden dazu Konzept und Finanzierung erarbeitet, informiert Bürgermeister Reinhard Liedtke.

Der Wikingerschatz zählt zu den spektakulärsten Funden in MV. Er wurde 2018 auf einem Acker bei Schaprode ausgegraben und umfasste knapp 2000 Münzen und Objekte aus der Zeit von Harald Blauzahn (um 910 bis 987), dem ersten König von Dänemark. Auch Silberschmuck, Armreifen, Perlen, Amulette und weitere Fundstücke gehörten zu dem rund 1,6 Kilo schweren Schatz.

Streit um Ausstellungsort begann nach dem Fund

Schon kurz nach dem Sensationsfund meldeten verschiedene Orte und Institutionen des Landes Interesse am Silberschatz an. Es begann ein Streit, ob der Schatz einmal in einem Museum auf der Insel, in Stralsund, Greifswald oder im noch zu bauenden Archäologischen Landesmuseum in Rostock der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Doch wann und wo das Original einmal gezeigt wird, ist derzeit völlig offen. Der Silberschatz befindet sich im Depot des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV und muss erst wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Hobbyarchäologe René Schön: „Das war der Fund meines Lebens.“

„Weil das noch lange dauern kann und der Schatz nicht in Vergessenheit geraten soll, bemühen wir uns jetzt, die Stücke als Kopien in Sellin zu zeigen“, erklärt Bürgermeister Reinhard Liedtke. Dafür sei die Genehmigung vom Landesamt eingeholt worden. „Der Schatz darf nachgefertigt werden, allerdings in leicht geänderter Form“, informiert der Selliner Museumsleiter Michael Parchow. Geplant ist, alle Stücke aus Silber nachzugestalten und auszustellen. Zudem wird die Geschichte des Fundes dokumentiert und dabei auch über die Entdecker informiert, so Parchow, der auch Leiter und Sprachrohr der Interessengemeinschaft „De Ackerlöper“ ist. 

„Ackerlöper“ entdeckten Schatz 2018 

Die 26 Mitglieder zählende Rügener Arbeitsgemeinschaft der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger hatte im Januar 2018 den „Silberschatz von Schaprode“ entdeckt. Danach fühlten sich die „Ackerlöper“ zunehmend auf Schatzsucher reduziert. Wochenlang hatten Medien aus aller Welt über den Sensationsfund berichtet und sich vor allem auf den damals 13-jährigen Luca Malaschnitschenko als Entdecker fokussiert. Der Nachwuchs-Archäologe war seinerzeit gemeinsam mit acht „Ackerlöpern“ auf dem Feld und hatte mit seinem Metalldetektoren die erste Münze im Boden entdeckt. Parallel empfing auch sein Mentor René Schön Signale.

Präsentation besorgt Knut Hartwig

Den inhaltlichen Part der neuen Sonderausstellung werden Michael Parchow sowie Mitglieder der „Ackerlöper“ übernehmen. Für die Präsentation ist der Selliner Galerist Knut Hartwich zuständig. Die Idee: In dunklen Vitrinen und bei wenig Licht soll der „Schatz“ stark beleuchtet erstrahlen und den Besucher in seinen Bann ziehen.

Wikingerschmuck als Souvenir

Mit der Blauzahnschatz-Kopie erhofft sich die Gemeinde Sellin einen neuen Anziehungspunkt für Gäste, von denen jährlich 2500 das Museum besuchen. Mit der Sonderausstellung soll das „Seefahrerhaus“ umgebaut und aufgewertet werden. Die Schatz-Kopie wird dann in der neu gestalteten unteren Etage drei Jahre lang zu sehen sein und ist Auftakt von dann folgenden Sonderschauen. Es gibt zudem Überlegungen, im Museum einen Souvenirshop einzurichten, in dem Nachbildungen von Teilen des Schatzes als Ketten oder Anhänger angeboten werden.

Neu wird auch sein, dass Besucher künftig Eintritt für das Museum zahlen werden. Neben der Sonderausstellung können sie im oberen Teil die jetzige maritime und geschichtliche Ausstellung in abgespeckter Variante besichtigen.

Museum im Jahre 2011 eröffnet

Im Jahre 2011 hatte die Gemeinde das mit Fördermitteln errichtete rohrgedeckte Fachwerkhaus direkt am Selliner See als Museum eröffnet, das einen Einblick in das frühere Leben und Arbeiten der Fischer, Schiffer und Bootsbauer gibt. Kernbestand des Museums ist die Sammlung des Selliner Ortschronisten Gerhard Parchow. Zu sehen ist auch eine kleine Ausstellung zu Ur- und Frühgeschichte, zur Historie des Ostseebades und eine Fossilien-Schau.

„Mit der Sonderausstellung wollen wir nicht nur Urlauber und Touristen anlocken, sondern auch Einheimische und vor allem Kinder, um sich mit der eigenen regionalen Kulturgeschichte vertraut zu machen“, meint Museumsleiter Michael Parchow. Viele Insulaner hätten bisher leider nicht den Weg ins Museum gefunden.

Mehr zum Thema:

Gezerre um den Blauzahn-Schatz auf Rügen

 Sensationsfund auf Rügen: Wikingerschatz aus 10. Jahrhundert

 Silberschatz soll in Vorpommern bleiben

 Silberschatz in die Mönchguter Museen?

Von Gerit Herold