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Rügen Der Hochaltar Rugard
Vorpommern Rügen Der Hochaltar Rugard
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13:25 29.07.2019
Der Arndt-Turm und Restaurant 1912 Quelle: Sammlung Uwe Hinz
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Bergen

Der von 1771 bis 1849 in Bergen als Geheimgelehrter lebende Johann Jacob Grümbke schrieb in seinem Gedicht über den Rugard: „Sei mir willkommenn in deiner Pracht, du stattlicher Rugard. Deinen bemoosten Gipfel habe ich endlich erklettert,hier die Natur umher imMorgengewande belauschend soll mein staunender Geist sich ganz in Entzücken verlieren. Hier mich lagernd will ich den großen Schauplatz betrachten, den die Mutter Natur mit schöpferischen Händen bebildet...“

Nordöstlich, über die Vieschstraße vom Markt ausgehend, liegt leicht erhöht ein einzigartiges Natur- und Kulturdenkmal, der Rugard. Als der Bergener Geheimgelehrte Johann Jakob Grümbke im 4. Brief seiner „Streifzüge durch das Rügenland“, datiert Bergen, den 18. August 1803, die Stadt charakterisierte, würdigte er ganz besonders diesen Flecken.: „Dieser Hochaltar des Landes ist allein schon würdig, daß Reisende auf ihm der Natur ein Opfer bringen, die einen Kreis von Reizen um ihn her geschaffen hat.”

Blick bis zum Jasmunder Bodden

Zu der Zeit war diese Heidelandschaft kaum bewaldet. So war es verständlich, dass es von dem circa 91 Meter über dem Meeresspiegel befindlichen Plateau einen wunderschönen Blick über die zerklüfteten Weiten der Insel bis zum Jasmunder Bodden zu genießen gab. Die so gestaltete Landschaft ist das Ergebnis mehrere Eiszeiten. Sanfte Grundmoränen und hohe Endmoränen entstanden. Die Endmoräne vor circa 12 000 bis 15 000 Jahren entstanden, bildete eine lange Kette beginnend vom Dornbusch auf Hiddensee, über die Höhen des Jasmunder Boddens, dem Rugard, weiterführend über die Granitz und endend am Südperd auf Mönchgut.

Etwa 200 nach Christus in der Litorinaära entstand durch Bodensenkung aus Schmelzwasser der Eiszeit die Ostsee. Welch ein Schauspiel der Natur. Kein geringerer Künstler, als der berühmteste Maler der deutschen Romantik Caspar David Friedrich entwarf mit Bleistift und Feder eindrucksvoll eine Zeichnung mit dem unbewaldeten Rugard und den Blick nach Jasmund gerichtet. Die Zeichnung entstand am 17.Mai 1802. Heute ist diese landschaftliche und kulturelle Erhabenheit noch vom Ernst-Moritz-Arndt-Turm nachzuvollziehen.

Gehen wir in die geschichtlichen Ursprünge zurück. Der Name Rugard ist wohl abgeleitet von dem germanischen Stamm der Rugier, auch Rugii oder Rogoi genannt. Das berichtete der römische Historiker Tacitus. Gard selbst ist ein begrenztes Gebiet. Das Volk der Rugier wanderte im 4. Jahrhundert nach Christus über Norwegen, das untere Weichselgebiet bis auf die Insel Rügen. Teile dieses Stammes zogen weiter nach Süden und kämpften an der Seite der Ostgoten 553 in der Schlacht am Vesuv. Hier besiegelte sich ihr Untergang. 710 wurden die Rugini erstmalig durch den Kirchenhistoriker Beda Venerabillis als Bewohner der Insel Rügen benannt.

Wohl im 7. Jahrhundert sich hier ansiedelnde slawische Ranen, auch Rujane oder Rani, verbanden sich mit den noch vorhandenen germanischen Rugiern. Erste Erwähnung der noch heidnischen Fürsten begegnet uns mit Raze, dem Vater der Söhne Jaromar I. und Tetislaw. Ihr Fürstentum reichte über Barth, Tribsees, Eldena bis nach Rügen. Der Burgwall auf dem Rugard war Aufenthaltsort der Rügenfürsten wenn sie auf der Insel Hof hielten, um ihre Macht zu präsentieren und ihre Vasallen mit Aufgaben betrauten. Diese Burgwälle, so auch der Rugardwall, dienten natürlich ebenso als Fluchtburgen, wo sich die Menschen der Region in Sicherheit brachten wenn der Feind anrückte. Wir wissen von Kaperfahrten der Ranen , auch ins dänische Königreich, die Fehden nach sich zogen.

Kastentürschloss bei Grabungen gefunden

Mit der Christianisierung der Ranen und dem Fall des heidnischen Gottes Swantevit auf Arkona durch das Heer des dänischen Königs Waldemar I. und Bischoff Absalom von Roskilde zog eine neue Epoche ein. Aus dem Mutterkloster im Bistum Roskilde kamen zwölf Nonnen des Benediktinerordens nach Bergen. In dem bisherigen Fürstensitz auf dem Rugard wurde eine Kapelle erbaut. Eine Urkunde belegt, dass Witzlaw II. diese 1291 dem Kloster zu Bergen schenkte. Sie wurde dann 1381 abgebrochen und zum weiteren Bau des Klosters verwendet.

In der St.Marienkirche fand die oktogene Kuppa der Tauffünte aus der Kapelle eine neue Heimat. Damit ist sie wohl älter als St. Marien selbst. Wahrscheinlich diente die Kapelle nach der Kirchenweihe von St. Marien 1193 unter Jaromar I. als Gemeindekirche. Erst mit dem Abriss der Kapelle in der Burg wurde aus der ehemaligen Palastkirche die Gemeinde- und Klosterkirche. Die Burg auf dem Rugard war in Haupt- und Vorburg geteilt und wurde weiter genutzt. Vom 20. September 1258 existiert eine Urkunde mit der Erwähnung des Rugards. Hier ging es um einen Kontrakt zwischen Jaromar II. und freien Zugang der Lübecker beim Fischfang. Funde und Ausgrabungen förderten immer wieder neue Belege über Handel und Wandel vor Ort zu Tage. Bedeutungsvoll war der Fund eines mittelalterlichen Kastentürschlosses, das 1780 zufällig bei Grabungen gefunden wurde. Es ging in die Sammlung des Bobbiner Pastors Frank über und befindet sich heute im Bergener Stadtmuseum.

Burg verlor an Bedeutung

Im Jahre 1868 fanden um den Burgwall herum weitere Grabungen statt. Neben Feuersteinmeißeln, Urnen und Gefäßteilen wurden auch Reste von Holzpalisaden der Befestigungen gefunden. Bedeutungsvoll war der Fund von arabischen Silbermünzen, datiert zwischen 762 und 822 und einer Feinwaage. Mit dem Aussterben der rügenschen Fürstenhauses und ihrem letzten Fürsten und Minnesängers Witzlaw II. 1325 verlor auch die Burg an Bedeutung. Das Areal wurde landwirtschaftlich genutzt und dadurch die Wallanlage in Mitleidenschaft gezogen, auch wenn sie bis zum heutigen Tage ihre wehrhafte Größe erkennen lässt.

Grabungen in der ehemaligen Hauptburg legten Fundamente frei, die zu einer Mühle gehörten, die dort im 15./16. Jahrhundert gestanden hat. Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus, Besitzer großer Gebiete des Rugards, ließ das Gebiet einschließlich der Wallanlage nach 1830 in eine parkartige, englische Landschaft umgestalten. Es wurde zum Erholungsgebiet der Bergener und deren Gäste. Davon zeugen noch heute unter anderem Reste der steinernen Bänke und Tische. Im Wall existierte um die Wende zum 20. Jahrhundert eine Gastwirtschaft. Es war ein aus Holz erbautes Ausflugslokal. Nach 1929 bewirtschafteten zeitweilig die Guttempler die Gastwirtschaft im Rugard. Dazu schlossen sie einen Pachtvertrag mit der Eigentümerin,der Fürstin zu Putbus. Auch wenn es dort nur alkoholfreie Getränke gab, nach dem Diktus des Ordens, so wurde die Wirtschaft gut angenommen.

Haus als Hotel wieder aufgebaut

Später nannte man sie die „Gaststätte auf dem Rugard“. Zu DDR-Zeiten wurde 1970 an gleicher Stelle unter Führung des damaligen Bürgermeisters Hannes Präkel und der „Nationalen Front“ eine Gaststätte, ländlich geprägt mit Rohrdach, errichtet. Von März 1973 bis zum verheerenden Brand am 9. April 1988 wurde dieses ansehnliche Haus durch Herrn Hermann und seiner Frau Gerda Schmietendorf geleitet. Ein ursprünglich umgehend neuer Bau in gleicher Weise musste noch Jahre warten. Erst Jahre nach der deutschen Einheit wurde das Haus, allerdings als Hotel wieder im gewesenen Stil aufgebaut, allerdings mit Ziegeleindeckung.

Eine Besonderheit waren die in Kupfer getriebenen Kraniche, gefertigt von Herrmann Löber. Sie wurden beim Brand gerettet und zieren heute wieder die Eingangshalle. Zur Bewirtschaftung gehört der im Wall gelegene Turm, Aussichtsturm und Denkmal zugleich. Der Turm wurde dem großen deutschen Patrioten und Dichter Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860) gewidmet und seine in Tafeln eingelassene Zitate. Die Idee war vorrangig getragen durch den Landrat von Platen und dem Bergener Bürgermeister Dr. Richter. Ein Bürgerkomitee veröffentlichte einen Presseaufruf „An das deutsche Volk“ zur Spendenfreudigkeit. Fürst Malte stellte das Grundstück bereit. Der deutsch-französische Krieg 1870/71 stoppte das Projekt.

Uwe Hinz

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