Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Der Letzte seiner Zunft
Vorpommern Rügen Der Letzte seiner Zunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:20 01.02.2019
Tobias Bredow ist der letzte verbliebene Fischer in Vitt. Das Handwerk hat er von seinem Vater erlernt. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
Anzeige
Vitt

Er bleibt dort, wo viele längst gegangen sind. Als letzter Fischer des Ortes lebt Tobias Bredow hier seinen Traum. „Hier habe ich Ruhe, meine Familie, den Garten, meinen Hund und bin mein eigener Chef“, sagt der 36-Jährige. Sein Vater Peter Bredow gehörte zu dem großen Kreis der Vitter Fischer. „Für uns war immer klar, dass ich die Fischerei übernehme.“

Während er schon als Kind an freien Tagen mit im Boot saß, ging er nach der Schule 1998 offiziell bei seinem Vater in die Ausbildung. „Wenn man die Ausbildung vor der Tür hat, warum sollte ich es nicht machen“, so Bredow. Noch bis zu dessen Renteneintritt im Jahr 2011, gingen Vater und Sohn gemeinsam auf See.

15 Fischer gingen hier einst jeden Morgen in den Dienst. „Früher hat man es aber auch gar nicht abgefischt bekommen. Damals gab es keine Quote. Heute muss man mehr aufpassen“, sagt Tobias Bredow. Bei immer wieder sinkenden Fangquoten gerät der Beruf des Fischers in Gefahr. „Von der Fischerei allein kann man nicht leben“, so der Fischer-Junior. Mit der familieneigenen Räucherei und dem Fischverkauf am Strand belebt die Familie in der Touristensaison das Geschäft. Dann sind auch Vater und Mutter – die im Haus nebenan wohnen – immer noch unterstützend an der Seite ihres Sohnes.

Als Fischer hat er sich auf die nicht quotierten Flundern, Forellen, Steinbutte und Aale spezialisiert. Andere Sorten werden für die Räucherei bei den Kollegen abgekauft. „Auf Hering zu gehen rentiert sich für mich nicht. Der hat keine Quote mehr“, sagt Bredow. Schon im Dunkeln geht es für ihn morgens auf Wasser hinaus. Pünktlich vor der Mittagszeit ist er wieder an Land, um dort in der Räucherei anzupacken. Am Abend wird der Fisch für den Räucherofen am nächsten Morgen vorbereitet. Urlaub im Sommer kommt da für den Familienvater nicht in Frage. „Da zählt jeder Tag. Urlaub gibt es nur im Winter“, sagt Bredow, der trotz aller Mühen den Reiz des Berufes immer vor Augen hat. „Man hat seine Ruhe dabei. Und als einziger Fischer lebt es sich hier natürlich nicht schlecht.“

Ein Alleinstellungsmerkmal haben Tobias und Ramona Bredow jedoch noch im Haus: Tochter Emma ist das einzige Kind im Dorf. Die Sechsjährige besucht derzeit noch den Kindergarten in Wiek und wird dort in diesem Jahr auch eingeschult. Ehefrau Ramona arbeitet im benachbarten Putgarten als Restaurantfachfrau. Für die Familie kommt ein anderer Wohnort überhaupt nicht in Frage. „Die Einheimischen sterben hier aus. Es kommt ja auch nichts nach. Andere sehen hier keine Zukunft“, sagt Tobias Bredow bedauernd.

Wenke Büssow-Krämer

Rügen Dorfgeschichten Vitt - Hausmarke statt Zahl

Die Zeichen markierten Haus, Vieh und Eigentum

01.02.2019
Rügen Abschied in Kirchengemeinde - Bergener Pastor verlässt die Insel

Nach 15 Jahren verlässt Jörn Kiefer seine Kirchengemeinde. Ein Nachfolger soll bis zum Sommer gefunden sein

01.02.2019

Die Einheimischen möchten ihr Gotteshaus wieder im Weiß strahlen sehen

31.01.2019