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Rügen Der Rugard in Bergen wurde eine Stätte der Ideologien
Vorpommern Rügen Der Rugard in Bergen wurde eine Stätte der Ideologien
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15:38 15.08.2019
Im Dritten Reich befand sich im Rugard eine Thing-Stätte. Heute ist hier die Waldbühne. Quelle: Repro: Uwe Hinz
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Bergen

Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges und der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm II. 1871 zum deutschen Kaiser konnte der Bau des Ernst-Moritz-Arndt-Turms In Bergen als nationale Gedenkstätte weiter in Angriff genommen werden. 1871 erfolgte ein Wettbewerbsaufruf. Es gingen 19 Entwürfe ein. Der Berliner Architekt und königliche Baumeister Hermann Eggert (1844-1920) ging mit seiner Idee „Vater Arndt“ als Sieger hervor. Bergener Handwerker wie Maurermeister Freese oder Tischlermeister Lange waren am Bau beteiligt. Die eiserne Wendeltreppe fertigte das Eisenhütten- und Emaillierwerk „Alte Hütte“ in Neusalz a.d. Oder.

Im Rugard gibt es markante Plätze und Gedenkstätten.

 1877 wurde der Turm als Symbol der Freiheit und des Gedenkens an Ernst Moritz Arndt der Öffentlichkeit übergeben. 1944 wurde die Kuppel entfernt und auf einer Plattform eine Flak-Stellung eingerichtet. Als eines der Wahrzeichen von Bergen wurde der Arndt-Turm nach der Vereinigung Deutschlands 1989 saniert und restauriert und vor einigen Jahren eine Erhöhung durch den Bau einer Glaskuppel vorgenommen.

Der Sprung des Mädchens

 Zahlreiche Gedenkstätten findet der Besucher im Rugard. Am Hohlweg, der nach Buschvitz führt, liegt der Sagenstein „Mägdesprung“. Alfred Haas schrieb die Sage auf und veröffentlichte sie 1896 in den „Rügenschen Sagen und Märchen“. In diesem Stein ist der Abdruck eines Mädchenfußes und ein Peitschenschlag zu sehen. In der Sage, 1939 im Verlag Walter Krohs Bergen auf Rügen erschienen, wird berichtet: „Ein Höfling der ehemaligen Fürstenburg traf einst eine schöne Hirtin, die ihre Herde nah des Rugards weidete; er suchte sie seinen Wünschen geneigt zu machen, aber das Mädchen entfloh. Als sie im Begriff war, über den Hohlweg auf einen auf der entgegengesetzten Seite liegenden Stein zu springen, rief ihr der schon nahe Verfolger zu: Ebenso unmöglich ihres Fußes Spur sich dem Steine eindrücken, so unmöglich sie mit ihrer Peitsche eine Vertiefung in den Stein hauen könne, – ebenso unmöglich sei es, daß sie ihm entkommen könne. Das Mädchen sprang zu und hieb im Sprunge mit der Peitsche auf den Stein, und siehe! des Mädchen Fußspur war dem Stein eingedrückt, und der Peitschenhieb hatte eine Vertiefung im Stein hervorgebracht – und das Mädchen entging seinem Verfolger.“

Gedenkstätten für Gefallene

.An der ehemaligen „Skiwiese“, der heutigen Sommerrodelbahn, befindet sich ein Denkmal in Form einer Säule auf einem Postament stehend in Erinnerung an die während der Napoleonischen Befreiungskriege im Bergener Lazarett 1812, 1813 und 1814 verstorbenen schwedischen und der französischen Armee angehörenden Soldaten. Ein erstes Denkmal in Form eines hölzernen Obelisken wurde mutwillig zerstört. Das heutige Denkmal wurde am 18. Oktober 1913 eingeweiht. Im Rugard gibt es heute für diese Verstorbenen zwei anonyme Begräbnisstätten. Auf dem Krähenberg befindet sich das 1927 geweihte Denkmal für die 206 gefallenen Bergener Bürger im Ersten Weltkrieg. Es wurde nach einem Entwurf von dem Stuttgarter Architekten Professor Janssen gestaltet und durch die Bergener KunststeinFabrik „Rugia“ des Olwald Seiferts erbaut. Im letzten Jahr zum 100-jährigen Ende dieses unseligen Krieges wurde das Denkmal würdig restauriert. Zu seinen Füßen befindet sich heute die „Rugardwaldbühne“. Hier entstand nach 1925 die Thingstätte und wurde nach 1933 durch die Nationalsozialisten als Aufmarschplatz inszeniert. Nachweislich fand die Nutzung als ideologische Versammlungsstätte am 22. Juni 1935 statt. Sie war eine von 44 neu geschaffenen Orten dieser Art im Dritten Reich. Eine Thingstätte war ursprünglich ein germanischer Kult- und Versammlungsplatz.

Ideologische Nutzung

Auch zu DDR-Zeiten wurde die Freilichtbühne für ideologische Veranstaltungen, aber auch für kulturelle Events genutzt. Versteckt hinter diesem Platz, von der Natur heute zugedeckt, liegen die Trümmerreste der „Hans Mallon Stätte“. Hans Mallon hieß eigentlich Johannes und wurde am 30. Juni 1914 geboren. 1923 nach Bergen gekommen schloss er sich der Hitlerjungend an und wurde Fahnenträger. Als Elektrikerlehrling arbeitete er bei der Firma Bollmann. Am 3. September 1931 starb er, es wird angenommen, an den Folgen eines Steinschlages am Kopf. Diese Wunde hatte er sich während einer Auseinandersetzung der Hitlerjungend mit den Kommunisten zugezogen. Er wurde zum Märtyrer und ihm eine eigene Grablege in Form einer germanischen Kultstätte erbaut. Der Entwurf kam von Hermann Willes. Am 20. Juni 1937, zur Weihe des Mallondenkmals unter Führung des Reichsjugendführers Baldur von Schirach und in Anwesenheit von circa 7000 junger Menschen, begann eine Zeit der Aufmärsche der HJ auf Rügen. Nationalsozialisten zerstörten kurz vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen am 1. Mai 1945 selbst diese Stätte.

Das einsame Gehöft

Auf dem Weg zum Rugard steht linkerhand im Park ein Denkmal für die Opfer des Faschismus. Es wurde um 1960 angelegt und trägt die Inschrift „Die Toten mahnen uns“. Der Granitstein des Denkmals stammt vom Treppenaufgang des Gutshauses Reischvitz. Südlich am Rande des Teteler Wegs liegt ein einsames Gehöft namens „Fabrik“. Hier gründete der Bergener Kaufmann und Stadtkämmerer Augustin Hieronymus Breitsprecher eine Tuchmanufaktur. Dort stand auch eine Windmühle. 1845 ging die Manufaktur ein, der Name aber blieb bis zum heutigen Tag. Mittlerweile wird der Rest des Gehöftes privat genutzt. Ebenfalls an einem Südhang des Rugards gelegen, mit einem mediteranen Flair, gründete Anfang des 20. Jahrhunderts der „Obstsiedler“ Major a.D. Siegfried Campe eine Obstplantage.Während und nach den beiden Weltkriegen konnten so das Krankenhaus und die Bergener mit nötigem Obst und Gemüse versorgt werden. Heute ist diese einst blühende Oase eine Wildnis und das Wohnhaus und die Anlage sind zerstört. Am Rande des Rugards findet der Wanderer eine Naturbesonderheit, die Kuckuksblume. Sie ist eine wilde Orchideenart.

Immer ein Naherholungsgebiet

Am Rugard fließt ein kleiner Bach, die Labenitz. Das Wasser brachte in früheren Zeiten zu Ostern das heilende Osterwasser, wurde geschöpft und getrunken. Eingangs des Rugard steht heute noch die 1875 gepflanzte Stieleiche. Sie steht dort als „Friedenseiche“ und zeugt vom Willen dieser Generation, das Leben in Frieden zu gestalten. Dieser währte dann 43 Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Der Rugard war stets das Naherholungsgebiet der Bergener und deren Gäste. Im Winter war er Ski- und Schlitteneldorado und im Sommer brachte er Entspannung unter den Kronen der Laubbäume. Noch heute findet der Wanderer hier die verschiedendsten Baumarten, wie Eiche, Buche, Roßkastanie und die Linde, sowie die Fichte.

Das Gesicht verändert sich

Im 21. Jahrhundert bietet der Rugard eine Vielzahl an sportlichen Möglichkeiten mit Sommerrodelbahn, Rutschenturm, Minigolf , Kletterwald und einem Motocrossgelände. Über der Höhe von Campehof gab es den Blick durch die Bäume auf Schloss Granitz. Leider ist dieser einst schöne Ausblick heute überwuchert. Auch der Wanderer findet seine Ziele und wird nach einer Berg- und Talwanderung belohnt bei der Einkehr im Hotel „Am Rugard“. Ein besonderer Weg führt den Wanderer noch heute durch Nadel- und Mischwald des Rugards nach Bootstelle. Bootstelle etwa 45 Minuten Fußweg liegt am Kleinen Jasmunder Bodden. Hier gab es in den 40er Jahren das Gasthaus „Fritz und Rehling“. Auch der Badespaß im Bodden gab einst angenehme Entspannung. Bergen und der Rugard sind untrennbar miteinander verbunden. In zahlreichen Regionen dieser Naturoase lässt eine behutsame Naturalisierung und Kultivierung heute auf sich warten. Neue Touristikangebote verändern Bild und Wirkung. Das gefällt dem einen und missfällt dem anderen. Wichtig ist, dass wir das uns anvertraute Erbe behüten.

Von Uwe Hinz

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