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Rügen Der letzte Befehl des Kommandanten der „Admiral Graf Spee“
Vorpommern Rügen Der letzte Befehl des Kommandanten der „Admiral Graf Spee“
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16:27 05.08.2019
Nach einem schweren Seegefecht mit britschen Kreuzern am 13. Dezember 1939 läuft das stark beschädigte Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ den Hafen von Montevideo (Uruguay) an.
Nach einem schweren Seegefecht mit britschen Kreuzern am 13. Dezember 1939 läuft das stark beschädigte Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ den Hafen von Montevideo (Uruguay) an. Quelle: K.Neumann
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Montevideo/Bergen auf Rügen

Eine Stichflamme schießt aus dem Panzerschiff, Explosionen, ohrenbetäubender Donner, Feuerbälle blitzen auf. Dann ist die „Admiral Graf Spee“ in dichten Rauch gehüllt und die Nachtdunkelheit des 17. Dezembers 1939 senkt sich über die Mündung des Río de la Plata. Das verwaiste Schiff ist zerstört – auf Befehl seines deutschen Kommandanten Hans Langsdorff versenkt.

Am nächsten Tag wird er den Reportern im Hafen der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires sagen: „Tausend junge, lebendige Matrosen sind mir lieber als tausend tote Helden.“

Zehn Jahre an der Biografie gearbeitet

Hier versank das Panzerschiff „Admiral Graf Spee“. Quelle: Arno Zill

Das Drama rund um die „Admiral Graf Spee“ wurde als Spielfilm verfilmt, erforscht und vielfach diskutiert. Jetzt legt der Autor Hans-Jürgen Kaack (78) aus Brandenburg eine detaillierte Biografie zum „Kapitän zur See Hans Langsdorff“ vor. Gut zehn Jahre hat der Historiker und Politologe Kaack an dem umfangreichen Werk, das im September erscheint, gearbeitet. Er hat umfassend recherchiert, Kontakt zu Langsdorffs Familie im Schwarzwald aufgenommen und rund 150 seiner in der alten Sütterlinschrift verfassten Briefe studiert – ein Schatz an Quellen. „Ich habe mich tief in das Leben und die dienstliche Karriere des Hans Langsdorff eingearbeitet“, sagt Kaack.

Der Untergang des Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“

Die Grenzsituation: Kämpfen oder Mannschaft retten?

Ausgangspunkt für den Autor war die Frage der Grenzsituation, in der sich der Kommandant befand: Sollte er – wie es die Seekriegsleitung in Berlin von ihm erwartete – gegen die vor Montevideo lauernden britischen Kreuzer kämpfen? Oder sollte er seine Leute retten? „Langsdorff entschied sich gegen die militärische Tradition und für ein ethisch-moralisches Handeln“, sagt der ehemalige Seeoffizier Kaack, der danach auch viele Jahre in der öffentlichen Verwaltung arbeitete.

Langsdorff wurde auf Rügen geboren

Als Hans Langsdorff 1894 in Bergen auf Rügen geboren wird, leben seine Eltern in einer kleinen Dienstwohnung im Amtsgericht, an das sein Vater als junger Richter versetzt worden war. Drei Jahre verbringt die Familie auf Rügen, dann wird der Vater erneut versetzt. Die Zeit auf der buchtenreichen Insel schilderte der Vater später als „die schönste meines Lebens“.

Hans Langsdorff tritt in die Kaiserliche Marine ein und dient im Ersten Weltkrieg als Leutnant zur See. Von 1931 bis 1935 arbeitet er im Reichswehrministerium. 1932 ist er Adjutant des Reichswehrministers Kurt von Schleicher. 1938 wird er Kommandant des Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“. Ein Nationalsozialist sei Langsdorff nicht gewesen, sagt Kaack. Er habe zwar „wie nahezu alle Offiziere der Reichsmarine“ die Machtübertragung auf Hitler begrüßt. Zugleich habe er die nationalsozialistische Bewegung aber „als niveaulos abqualifiziert“.

Der Handelskrieg beginnt

Im August 1939 sticht das 186 Meter lange Panzerschiff mit einer Besatzung von 1200 Mann unter Langsdorffs Kommando in See, Kurs: Südatlantik. Wenige Wochen nach Beginn des Zweiten Weltkriegs erhält er am 26. September den Befehl zum Kaperkrieg gegen britische Handelsschiffe. Ausgerüstet mit schwerer Artillerie, Torpedos und einem, Bordflugzeug versenkt die „Admiral Graf Spee“ in neun Wochen neun britische Handelsschiffe.

Keines der gegnerischen Besatzungsmitglieder verliert dabei sein Leben. Langsdorff habe sich streng an die internationale Prisenordnung gehalten, schreibt Kaack. Demnach dürfe kein Schiff versenkt werden, bevor nicht die komplette Besatzung von Bord sei. Die Besatzungen kamen in Kriegsgefangenschaft.

Vor der Río-de-la-Plata-Mündung kommt es zur entscheidenden Schlacht

Am Morgen des 13. Dezember 1939 stößt das Panzerschiff vor der Río-de-la-Plata-Mündung auf drei britische Kreuzer, die seit Wochen Jagd auf den deutschen Handelszerstörer machen. Es entbrennt ein heftiges Seegefecht. Langsdorff sucht die Offensive und vertraut auf die stärkere Feuerkraft seines Schiffes. Doch die Kreuzer sind schneller und durch den versierten Commodore Henry Harwood den Deutschen taktisch überlegen.

Im Kampf wird Langsdorff erst durch einen Splitter verletzt, dann durch den Luftdruck einer Granate zu Boden geschleudert. Er verliert kurzzeitig das Bewusstsein. Auf der „Admiral Graf Spee“ gibt es Dutzende Tote und Verletzte. In der Außenhaut klafft ein großes Leck, Anlagen fallen aus, Wasser dringt ein. Langsdorff gibt den Befehl, Kurs auf den nächsten Hafen zu nehmen. Andere an Bord halten das für einen militärischen Fehler. Dennoch steuert er Montevideo an – und läuft in eine Falle.

Diplomatisches Tauziehen

Das neutrale Uruguay erlaubt den Deutschen nicht, ihr Schiff in Montevideo zu reparieren. Ein nervenaufreibendes, diplomatisches Tauziehen beginnt. Gesandte werden geschickt, Gespräche und Verhandlungen geführt. Schließlich dürfen die deutschen Gefallenen beerdigt werden, die britischen Kapitäne und Handelsschiffoffiziere werden freigelassen.

Unterdessen lancieren die Briten Meldungen, wonach Großkampfschiffe vor der Río-de-la-Plata-Mündung lauern würden. Aufgrund der chaotischen Nachrichtenlage nimmt Langsdorff an, Montevideo sei von britischen Kreuzern und Zerstörern abgesperrt. Ein Ausbruchsversuch erscheint ihm also militärisch aussichtslos. Und dann gibt der Kommandant den Befehl zum Auslaufen und lässt das Panzerschiff vor der Küste versenken.

Langsdorff verhindert sinnloses Gefecht

Dadurch habe er „seine gesamte Besatzung von etwa 1200 Mann“ gerettet, „anstatt ihr Leben in einem letzten sinnlosen Gefecht aufs Spiel zu setzen“, sagt Kaack. Die Deutschen werden durch eine spektakuläre Evakuierungsaktion nach Buenos Aires gebracht. Dort legt sich Langsdorff drei Tage später in seiner Unterkunft auf die Flagge seines Schiffes und erschießt sich. Sein persönliches Schicksal sei von dem seines Schiffes nicht zu trennen, schreibt er in seinem Abschiedsbrief.

Die Biografie

In der Biografie „Kapitän zur See Hans Langsdorff“ beschreibt der Autor Hans-Jürgen Kaack nach Angaben des Verlags „einen Offizier, der zeitlebens versuchte, seine geistige Unabhängigkeit – selbst in der hierarchischen Struktur des Militärs – zu bewahren“. Das Buch erscheint im September 2019. Rund 720 Seiten, Festeinband, 63,55 Euro. ISBN 978-3-506-70262-3

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