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Rügen Volksvertreter in Bergen verabreden neue Mehrheiten
Vorpommern Rügen Volksvertreter in Bergen verabreden neue Mehrheiten
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17:07 04.06.2019
Für die Zukunft von Bergen: Die gewählten Stadtvertreter führen derzeit Gespräche für mögliche Zusammenschlüsse. Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Nach dem zum Teil überraschenden aber deutlichen Ergebnis der Kommunalwahl in Bergen, bilden sich in Vorbereitung auf die konstituierende Sitzung Ende Juni oder Anfang Juli bereits neue Mehrheiten. Dabei scheint vor allem die Linkspartei, die fünf Mandate erringen konnte, heiß umworben zu sein. „Mit Matthies Knuth von den Freien Wählern laufen Gespräche für eine engere Zusammenarbeit“, sagt Kerstin Kassner. Sie ist als Bundestagsabgeordnete die populärste Person in dem neuen Gremium. Fraktionsvorsitzender der Linken bleibt aber wie in der zurückliegenden Wahlperiode Peter Wendekamm. Grund für diese Entscheidung: Die einstige Rügener Landrätin rechnet sich einen Platz im Präsidium der Stadtvertretung aus. „An der Funktion der Präsidentin hätte ich Spaß. Dazu sage ich ganz deutlich ,Ja’“.

Gespräche für eine Zählgemeinschaft bei der Vergabe von Ausschussplätzen laufen laut Kassner auch mit dem CDU-Mann Paul Knüppel, der den Sprung in die Bergener Stadtvertretung als Einzelbewerber schaffte. Knüppel bestätigt das. „Die CDU-Fraktion hat abgelehnt, mit mir eine Zählgemeinschaft zu bilden“, sagt er. „Das hat wohl etwas mit einem Zahlenspiel zu tun: Würde ich bei der Vergabe der Ausschussplätze mit zur CDU-Fraktion zählen, hätte wohl eine andere Wählergemeinschaft in der Stadtvertretung den Anspruch auf einen berufenen Bürger mehr. Das will man verhindern.“

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Freie Wähler und Linke eine Fraktion?

Auch der ehemalige SPD-Mann Matthies Knuth bestätigt, die Linken zu umwerben. „Verlaufen die Gespräche positiv, könnte die Linke mit mir zur zweitstärksten Fraktion hinter dem Bergener Bündnis werden“, sagt Knuth. Damit deutet er an, dass es schließlich nicht nur bei einer Zählgemeinschaft bleiben soll. „Ich habe mich für die Linke entschieden, weil sie nach dem BB die kleinere Fraktion bildet. Da würde ich politisch gern mit unter die Arme greifen.“ Außerdem – so Knuth weiter – würden Linke und BB im Wesentlichen eh das Gleiche für die Stadt wollen.

Das BB hat den Arzt Dr. Uwe Rühlow zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Sein Stellvertreter ist Handwerksmeister Jan Dethlefs. Auffällig auch hier: Das bekannteste Gesicht der Wählergruppe, Zahnärztin Dr. Carmen Kannengießer, hat keine Funktion in der siebenköpfigen Fraktion. „Ich rechne mir ganz klar eine Position im Präsidium aus“, sagt sie. „Welche es im Detail wird, zeigt sich dann später.“

AfD will Zusammenarbeit mit allen

Die auf zwei Mandate zusammengeschrumpfte SPD ist laut Kristine Kassner mit allen Fraktionen im Gespräch für eine spätere Zusammenarbeit. Worum es dabei im Speziellen geht, wollte sie nicht verraten. „Allerdings schließen wir eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus“, sagt Kasten. Die Alternative für Deutschland errang bei ihrem erstmaligen Antritt bei den Kommunalwahlen in Bergen drei Mandate.

Für Thomas Naulin von der AfD gibt es keine Berührungsängste. „Ob Linke, Freie Wähler oder CDU – wenn es im Sinne der Stadt ist, werden wir mit allen zusammenarbeiten“, sagt Naulin. „Wir von der AfD wissen, wie es ist, politisch ausgegrenzt zu werden. Da werden wir das gleiche nicht mit anderen tun.“ Der AfD-Mann ist zuversichtlich, dass es auf Grund der neuen Machtverhältnisse in der Stadtvertretung besser wird für Bergen. Diesen Hinweis betrachtet Naulin aber nicht als Schelte in eine bestimmte Richtung. „Die AfD steht zwar bundesweit für Streit mit den Altparteien, das würde ich auf die kommunale Ebene aber niemals herunterbrechen.“

CDU will alleine bleiben

Kerstin Kassner von den Linken spricht zwar davon, dass die AfD bei der Zusammenarbeit in dem Entscheidungsgremium ein Tabu sei, fügt zur Abmilderung aber ein „zumindest im Moment noch“ hinzu. Matthies Knuth, Paul Knüppel und auch Carmen Kannengießer halten hingegen nichts davon, die AfD von vornherein abzulehnen. Knuth: „Die Zusammenarbeit in der Stadtvertretung sollte ein Miteinander sein, und nicht wie in den vergangenen Jahren ein Gegeneinander.“ Knüppel: „Wenn die AfD gute Vorschläge zum Wohle der Stadt macht, kann ich nicht sagen, ich will das nicht, nur weil es von der AfD kommt.“ Kannengießer: „Wir schließen niemanden aus, wenn er im Sinne der Stadt handelt.“

Eike Bunge, Vorsitzender der nunmehr fünfköpfigen CDU-Fraktion, gibt zu „persönlich mit der AfD ein Problem“ zu haben. Er möchte die drei Stadtvertreter dieser Partei erst kennenlernen. Mit anderen Kräften im beschließenden Gremium Bergens will er aber „sachlich und fachlich“ zusammenarbeiten. „Neue Wahlen – neuer Start“, sagt Eike Bunge. Einen Fraktionszusammenschluss wie in der zurückliegenden Wahlperiode mit der FDP schließt die CDU aus. Ebenso Zählgemeinschaften.

Kleine CDU/FDP-Fraktion in Sicht?

Sven Fröhlich, einziger FDP-Mann in der neuen Stadtvertretung, will mit Paul Knüppel nach der Vergabe der Ausschussplätze eine eigene Fraktion bilden. Für Zählgemeinschaften mit Blick auf die Ausschussbesetzung seien mit allen Fraktionen Gespräche geführt worden. „Außer mit der CDU“, sagt Fröhlich. „Das haben wir von Anfang an kategorisch ausgeschlossen.“ Derzeit bahne sich ein Schulterschluss mit dem Bergener Bündnis an.

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