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Rügen Drogen bei Jugendlichen: Eltern sind oft hilflos
Vorpommern Rügen Drogen bei Jugendlichen: Eltern sind oft hilflos
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06:41 28.12.2018
Cathleen Spröte (v. l.), Ulrike Vogel und Julia Kälber beraten in Bergen Jugendliche und Angehörige über Suchtverhalten und Sexualität. Quelle: Mathias Otto
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Bergen

Das Thema Sucht im Jugendalter spielt auf der Insel Rügen eine immer größere Rolle. Angehörige stehen oft vor großen Problemen – und haben viele Fragen. Um welche Substanzen handelt es sich, was sie im Kinderzimmer finden? Wie gefährlich sind die Drogen? Wie reagiere ich meinem Kind gegenüber? „Aus diesem Grund bieten wir jetzt eine Erziehungsberatung nicht nur in Stralsund, sondern auch auf der Insel Rügen an“, sagt Pädagogin Cathleen Spröte vom Verein Chamäleon Stralsund.

Neues Angebot: Sprechstunde auf Rügen

Dieses Angebot ist neu. Es gibt viele Rügener, die die Sprechstunde nutzen. Jeden Montag von 9 bis 16 Uhr spricht sie im Haus der Dienste in der Bergener Hermann-Matern-Straße mit Angehörigen. „Oft sind Eltern total aufgelöst, wenn sie etwas bei ihren Kindern finden, das auf Drogen hindeutet“, sagt sie. Sie erklärt ihnen, was sie gefunden haben, wie es wirkt und wie es beschafft werden kann. „Eltern, die zu uns kommen, sind meist vorher noch nie mit Drogen in Kontakt gekommen, wissen deshalb auch nicht, wie sie sich verhalten sollten“, so Cathleen Spröte. In den Besprechungen gibt die Pädagogin Tipps, wie sie mit ihrem Nachwuchs ins Gespräch kommen können. „Wichtig ist, Sicherheit zu vermitteln. Die Kinder sollen wissen, dass sich die Eltern mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben und wissen, worüber sie sprechen. Damit hat man eine ganz andere Gesprächsgrundlage“, so die Expertin.

Der Verein Chamäleon Stralsund fördert unter anderem in den Bereichen Gesundheitshilfe, Jugendhilfe, Erziehung, Volks- und Berufsbildung sowie Kunst und Kultur.

Auch auf der Insel Rügen sind Mitglieder des Vereins tätig. Im Bergener Haus der Dienste in der Hermann-Matern-Straße findet die Erziehungsberatung jeden Montag von 9 bis 16 Uhr statt (Infos unter 03831/2 03 95 10). Die Jugendsuchtberatungsstelle findet dienstags von 13 bis 17 Uhr statt (Infos: 0176/20 60 02 02). Die Beratungsstelle zur Förderung zur sexuellen Gesundheit ist vierzehntägig nach Vereinbarung geöffnet (Infos: 03831/2 03 90 64).

Es gibt Fälle, da sind Eltern oder die Erziehungsberechtigten unsicher und hilflos mit der neuen Situation umgegangen. Oft würden Strafen wie Taschengeldentzug oder Stubenarrest genau das Gegenteil bewirken. In der Sprechstunde werden Erziehungsmethoden besprochen, die eher zu Ziel führen können, nämlich das Kind von den Drogen wegzubekommen. Auch immer mehr Jugendliche vertrauen sich Cathleen Spröte an und kommen in die Sprechstunde. „Die Jugendlichen legen ihre Ziele selbst fest. Ich bin diejenige, die dabei unterstützt“, sagt sie. Etwa wenn es darum geht, die eigenen Lebensziele festzulegen. Da spielt nicht nur die Berufswahl eine große Rolle, sondern auch die Fahrerlaubnis. „Dies ist der Punkt, wo am häufigsten Einsicht bei den Heranwachsenden gewonnen werden kann“, sagt sie.

Bedarf der Beratung ist höher, so Jugendsuchtberaterin

Ihre Kollegin Julia Kälber ist Jugendsuchtberaterin beim Verein Chamäleon, arbeitet seit 2016 auch in Bergen. Sie bestätigt: „In den vergangenen Jahren haben wir festgestellt, dass der Bedarf der Beratung immer höher wird. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr.“ Aber anders als bei Cathleen Spröte, liegt ihr Schwerpunkt im Jugendbereich. Sie ist deshalb neben den Sprechstunden auch in Schulen und anderen Einrichtungen der Insel unterwegs und klärt auf. Hier geht es unter anderem um junge Menschen mit fehlender Berufs- oder Ausbildungsreife, aber auch Schulabbrecher aufgrund bestehender Suchtprobleme. „Meine Arbeit beruht auf Freiwilligkeit. Das heißt, die Jugendlichen müssen auf mich zukommen“, sagt sie.

Es gebe aber auch Fälle, wo eine Entgiftungs- und Langzeittherapie nötig ist“, sagt sie. Da der Verein Chamäleon Stralsund ein großes Netzwerk hat, „wissen wir genau, an wen wir weitervermitteln können. Oft sind es Ärzte oder Mitarbeiter vom Jobcenter, aber auch Bewährungshelfer.“ Gemeinsam werde dann beraten, welche Therapie für den Heranwachsenden am besten geeignet ist.

Beratungsstelle auch für sexuelle Gesundheit

Wer hingegen einen Termin mit Ulrike Vogel vereinbart, möchte nicht über Drogen sprechen. Die Fachfrau vom Verein Chamäleon Stralsund ist Ansprechpartnerin in der Beratungsstelle zur Förderung zur sexuellen Gesundheit. „Egal ob Sex, Homosexualität, Pornografie und sexualisierte Gewalt: Die Jugendlichen auf der Insel Rügen sind aufgeschlossen, was dieses Thema betrifft“, sagt sie. Sie bietet aber auch Weiterbildungen und Fachvorträge für Erwachsene an. Denn es gehe nicht nur um Sex. Vielmehr auch darum, Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Themen wie sexualisierte Gewalt oder den Umgang mit Medien zu sensibilisieren.

Mathias Otto