Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Drohnen gegen den Mähtod auf der Insel
Vorpommern Rügen Drohnen gegen den Mähtod auf der Insel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
06:00 04.04.2019
Mit einer Drohne sollen Rehkitze, Junghasen und Nester aufgespürt werden, bevor der Mähdrescher über das Grünland fährt. Quelle: Wildtierhilfe MV
Anzeige
Bergen

 Die Wiesen auf der Insel Rügen sind bis Juni Kinderzimmer für viele Wildarten. Doch die erste Mahd des Grünlandes kann zu großen Verlusten und unendlichem Leid führen. Laut Schätzungen fallen in Deutschland mehr als 500 000 Wildtiere jährlich zum Opfer. Die Jägerschaft der Insel Rügen und Hiddensee macht deshalb auf die verheerenden Wildtierverluste aufmerksam und ruft zur Spende auf. Mit dem Bergener Sven Lamprecht wurde jetzt ein Partner gefunden, der sich als Fachmann mit Drohnen und Wärmebildkameras auskennt.

Termine der Mahd werden immer häufiger vorverlegt

„Die Landwirte der Insel müssen speziell in dieser Zeit das Futter für ihre Tiere einfahren. Aber sie sind sie dazu verpflichtet, alles zu unternehmen, um Opfer während der Grünland-Mahd zu vermeiden“, sagt Thomas Nießen, Vorsitzender des Jagdverbandes Rügen. Die Technik ist immer effizienter geworden. Die Maschinen seien mit mehr als Tempo 15 auf den Feldern unterwegs und die Mähwerke sind heute breiter als noch vor einigen Jahren. Auf einem Spaziergang durchs Revier hat er am Wochenende die ersten Tiere entdeckt, die bald brühten werden. „Ich habe schon jetzt den Braut-Gesang der Lerchen sowie der Kiebitze vernommen und auch die ersten Junghasen gesehen“, sagt er. Durch den milden Winter, so schätzt er ein, beginnt die Brut- und Setzzeit auch eher. Besonders gefährlich für diese Tiere: In den vergangenen Jahren wurden die Termine der Mahd immer weiter vorverlegt, um optimale Erträge und Qualitäten zu erreichen. Dies könnte schon Ende April oder Anfang Mai so weit sein. „Teilweise erfolgt vier bis sechs Wochen später schon die zweite Mahd. Somit laufen eventuelle Nachgelege und nachgeborene Junghasen Gefahr, dem Mähtod zu erliegen“, so der Jäger.

Jagdverband sucht Spender

Neben dem Einsatz der Drohne gibt es auch konventionelle Methoden, etwa das Absuchen der Flächen in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft.

Bei der Mahd soll in diesem Jahr zum ersten Mal eine Drohne mit Wärmebildkamera zum Einsatz kommen. Für dieses Projekt wird eine Summe von 3000 Euro benötigt. Der Jagdverband bittet um Mithilfe.

Konto:
IBAN: DE31 1309 1054 0006 5564 50; BIC: GENODEF1HST; Pommersche Volksbank e.G.; Verwendungszweck: „Gegen den Mähtod

Deshalb sollen auf der Insel Rügen, wie unter anderem auf Usedom oder in anderen Bundesländern üblich, speziell angefertigte Drohnen zum Einsatz kommen. Diese sind mit Infrarot-Kameras ausgestattet. Mit Sven Lamprecht aus Bergen ist ein Spezialist auf diesem Gebiet gefunden worden. Mit seiner Technik wird es ermöglicht, dass ein Tier, das knapp zehn Zentimeter groß ist, noch aus 75 Metern Höhe Temperaturunterschiede von 1,5 Grad erfasst werden kann. „Es ist mir ein persönliches Anliegen, den Jägern und Landwirten zu helfen“, so der Drohnen-Pilot. Er verfügt über die erforderlichen Flugberechtigungen und organisiert die gesetzlich erforderlichen Fluggenehmigungen auch im Bereich von Schutzgebieten. „Wenn ich die Drohne starte, kann ich die Wildtiere in Echtzeit erfassen, so dass die Verantwortlichen die Nester markieren können. Damit weiß der Landwirt, wann er ausweichen muss“, sagt Sven Lamprecht. Oder der Jagdausübungsberechtigte versetzt die Rehkitze oder Junghasen auf ein anderes Feld oder an den Waldrand.

Jagdverband sucht Unterstützer

Da es ein Pilotprojekt ist, wird Sven Lamprecht im ersten Jahr zu jedem Einsatz gerufen und die Drohnen selbst steuern. „Soweit die Nachfrage vorhanden ist, wollen wir das Projekt ausbauen“, so Thomas Gießen. Da immer ein Jagdausübungsberechtigter dabei sein muss, wird unter den Jägern eine Hotline eingerichtet. „Wir können uns auf dem einfachsten und kürzesten Weg organisieren“, sagt er. Zudem werden Flug-Tagebücher mit Fundzeit, -ort und -menge geführt. „Nach der Auswertung können wir uns gezielter für das nächste Jahr vorbereiten“, so Nießen.

Geld für seine Arbeit lehnt Sven Lamprecht ab, nur einen Ausgleich für die Technik möchte er haben. Die Umrüstung dieser Drohne kostet knapp 3000 Euro. Der Jagdverband kann das Geld aber nicht aufbringen und ist deshalb auf der Suche nach Unterstützern. Eine Spende (Infokasten) schaffe die Voraussetzung für diese effektive und nachhaltige Rettung von Wildtieren. Das Ziel, das die Jägerschaft anstrebt, ist, den Einsatz der Drohne allen Flächenbewirtschaftern, Landwirten und Ornithologen in Zusammenarbeit mit den Jagdpächtern unentgeltlich schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen.

Mathias Otto

Der Eisenbahn-Fan Günther Klebes aus Erlangen hat jüngst einen Briefmarkenblock aus dem afrikanischen Niger erworben, der unter anderem als Motiv den „Rasenden Roland“ von Rügen enthält. Die Marke zeigt den Zug bei der Fahrt in Podewald.

03.04.2019

In dem Rügener Urlaubsort soll in einer öffentlichen Diskussion erst über künftige Strategien beraten werden.

03.04.2019
Rügen Die schönsten Laufstrecken in MV - Binzer Bucht auf Rügen: Laufen direkt am Meer

Die OZ zeigt die schönsten Strecken für Läufer in Mecklenburg Vorpommern. OZ-Redakteur Alexander Loew ist am liebsten auf Rügen unterwegs. Die zehn Kilometer durch die Binzer Bucht führen zumeist direkt am Strand entlang. Der Sandboden ist hier hart genug zum Laufen. Luft und Ausblick sind grandios.

04.04.2019