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Rügen Streicheln und füttern erlaubt: Ein Reh ist der Star der Tagespflege von Altenkirchen
Vorpommern Rügen Streicheln und füttern erlaubt: Ein Reh ist der Star der Tagespflege von Altenkirchen
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17:00 29.08.2019
Einrichtungsleiterin Peggy Mitschker füttert den Star der Einrichtung. Quelle: Mathias Otto
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Altenkirchen

 Meist bekommt sie Äpfel, Birnen, Brezeln oder ein Stück Melone, wenn sie die Senioren mit ihren großen Augen anguckt – Fell kraulen inklusive. Manitschka ist kein gewöhnliches Haustier. In der Tagespflege „Windland“ in Altenkirchen ist eine Ricke der absolute Star. Und wie Leiterin Peggy Mitschker sagt, deutschlandweit das einzige Reh, das in einer Tagespflege zu sehen ist. 

Zweimal pro Woche nehmen sie und ihr Mann Martin das Reh vom heimischen Hof mit zur Arbeit. „Schon von Beginn an war es schön anzusehen, als sie hier auf der Couch lag und jeder abwechselnd auf sie aufgepasst hat. Und als Kitz wurde ihr abwechselnd das Trinken eingeträufelt. Das war ein richtiges Abenteuer für die Menschen hier“, sagt Peggy Mitschker. Selbst schwer an Demenz erkrankte Tagesgäste haben plötzlich laute Geräusche von sich gegeben, als sich Manitschka sich ihnen näherte. „Dies sind schöne Momente“, sagt sie.

Bisswunden und offener Schädel

Knapp 35 Tagesgäste von der Halbinsel Wittow werden jeden Tag in die Einrichtung gebracht. Manitschka entfaltet hier fast eine therapeutische Wirkung. Das Reh strahlt Ruhe aus, lässt sich streicheln und manchmal sogar füttern. Die Scheu vor dem Menschen hat sie längst verloren.

Dabei ist es fast ein Wunder, dass Manitschka noch am Leben ist. Bekannte der Jägerfamilie haben Ende Mai 2018 das Kitz mit vielen Wunden an einem Feldrand aufgefunden. Da sie wissen, dass Peggy und Martin Mitschker schon des Öfteren kranke Wildtiere bei sich aufgenommen und gepflegt haben, brachten sie das verletzte Reh zu ihnen. „Das Kitz war schwer verletzt. Es hatte einen offenen Schädel und war übersät mit Bisswunden. Zudem war ihr Kiefer geschwollen“, so Peggy Mitschker.

„Jeder wollte auf Manischka aufpassen“

Ihnen war klar, dass sie zu diesem Zeitpunkt nur wenig Chancen hatte, um zu überleben. Trotzdem ließen sie nichts unversucht. Ein Tierarzt von der Insel hatte das Rehkitz mit Antibiotikum behandelt und die Wunden gereinigt. „Uns blieb nichts anderes übrig, als ihr Lämmermilch einzuträufeln. Im Zehn-Minuten-Takt haben wir sie auf diese Weise gefüttert und aufgepäppelt“, sagt sie.

Reh Manitschka macht es sich in ihrem Körbchen neben einem Kuscheltier gemütlich. Quelle: Peggy Mitschker

Nach zwei Wochen hatte sie das Gröbste überstanden und wurde dann zum ersten Mal den Senioren präsentiert. „Hier haben sich die Männer und Frauen rührend um das verletzte Tier gekümmert. Jeder wollte auf Manitschka aufpassen und es füttern“, sagt die Leiterin.

Inzwischen sind alle Wunden verheilt und die Schmerzen vergangen. „Wir haben lange um Manitschka gekämpft. Sie hatte aber gemerkt, dass sie in liebevollen Händen ist. Wir sind uns beide sehr ans Herz gewachsen“, sagt die Leiterin. „Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich für sie die Nummer eins bin.“

Auswilderung ist nicht mehr möglich

Peggy und Martin Mitschker legen Wert darauf, dass sich das Reh in der Tagespflege zurückziehen kann, wenn ihr der Trubel zu viel wird oder sie sich einfach ausruhen möchte. Oft liegt sie in ihrem Körbchen in einem der Räume des ehemaligen Restaurants. Hier ist es dunkel, hier hat sie ihre Ruhe.

Obwohl das Tier wieder vollkommen genesen ist, kann es aber nicht mehr artgerecht ausgewildert werden. „Durch die Verletzungen ist es nicht mehr möglich. Sobald sie sich schneller bewegt, kann sie nicht mehr richtig atmen“, sagt Peggy Mitschker. Sie hat also nicht mehr die Kondition, um bei Gefahren davonzulaufen.

Die Tagesgäste kümmern sich um das Reh. Manchmal lässt es sich sogar füttern. Quelle: Peggy Mitschker

Also bleibt das Reh der Wittower Familie und den Tagesgästen in Altenkirchen erhalten. Aber hier hat sie Konkurrenz bekommen. Pudel-Männchen Gustav tapst neuerdings durch die Tagespflege. Der 14 Wochen alte Hund hat ein flauschiges Fell, lässt sich gerne streicheln und fühlt sich sprichwörtlich pudelwohl zwischen den Senioren.

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