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Rügen Kastellan verlässt das Jagdschloss Granitz
Vorpommern Rügen Kastellan verlässt das Jagdschloss Granitz
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11:00 05.01.2019
Kastellan Klaus-Dieter Mickschat, hier mit Hündin „Jule vom Tannenhof“, verlässt das Jagdschloss Granitz. Quelle: Gerit Herold
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Binz

Er kennt jeden Stein und jedes Detail im Jagdschloss und wohl auch jeden Baum in der Granitz. Kastellan Klaus-Dieter Mickschat hat 27 Jahre lang einen der schönsten Arbeitsplätze gehabt. Nun geht seine Zeit auf dem Tempelberg zu Ende. Und mit ihm eine Ära.

1992 übernahm Mickschat die Leitung des Jagdschlosses, das er seit ein paar Jahren in Doppelspitze mit der Kunsthistorikerin Agnes Heine führt. Nun heißt es: Abschied nehmen. Den Empfang dazu eröffnet der 63-Jährige zusammen mit der Jagdhornbläsergruppe Gingst. Er selbst bläst das Fürst Bless Horn. Viele Freunde, Weggefährten, ehemalige und aktuelle Kollegen sind erschienen. Keine offiziellen Gäste, sondern Freunde, auf die er sich immer verlassen konnte, betont der Gastgeber.

"Es ist einzigartig, wie du das immer alles gemanagt hast", lobt Kerstin Kassner (Die Linke), einst Landrätin von Rügen und heute Mitglied im Bundestag. Mickschat hat die großen Investitionen seit den 1990er Jahren gelenkt und geleitet, mit denen das Schloss sein heutiges Gesicht erhielt und zu den meist besuchten Museen im Land wurde.

Aus Offizier wurde Geschäftsführer

Unter anderen auch daran erinnert der 63-Jährige in einem bebilderten Rückblick auf sein abwechslungsreiches Arbeitsleben. Das begann für den Dresdner mit der Ausbildung zum Stahlbauschlosser. Nach dem Abitur wurde er von 1973 bis 1976 zum Leutnant der NVA und zum Aufklärer in einer Spezialeinheit ausgebildet. Der sportliche und zielstrebige junge Mann absolvierte von 1983 bis 1986 die Militärakademie in Dresden und kam dann als Major nach Rügen. An der Offiziershochschule „Otto Winzer“ in Prora bildete er ausländische Militärkader aus. „Einer ist heute Dolmetscher für die Bundeswehr“, erzählt der Diplom-Militärwissenschaftler, der zum 40. Jahrestag der DDR Oberstleutnant wurde. Wegbegleiter erzählen, dass er wohl der jüngste General der DDR geworden wäre.

Doch dann kam die Wende. Mickschat zog die NVA-Uniform aus und die der Bundeswehr nicht an. „Das konnte ich nicht mit mir vereinbaren“, sagt Mickschat, der durchaus Angebote hatte. Über den Runden Tisch kam er schließlich zum Verband Insula Rugia, der 1990 als einer der ersten Vereine nach dem politischen Umbruch gegründet wurde – auf dem Jagdschloss. Gesucht wurde ein Geschäftsführer. Klaus-Dieter Mickschat ließ sich nicht lange bitten. „Als erstes organisierten wir eine Demo gegen den Bau der Meyer-Werft in Mukran“, erinnert er sich. Als das Jagdschloss dann 1992 einen neuen Leiter suchte, war er einer von 27 Bewerbern und bekam den Job. Arbeitgeber war seinerzeit noch die Gemeinde Binz. Ab 1995 war die LVVG zuständig, ab 2003 der Betrieb für Bau und Liegenschaften MV (BBL). Seit Jahresbeginn gehört das Schloss zu den Staatliche Schlössern, Gärten und Kunstsammlungen MV.

Dackeldame als Markenzeichen

Als Mickschat auf das Schloss kam, war das erstes Büro der heutige Museumsshop. Ihm nicht von der Seite wich Dackeldame „Ivy vom Granitzhof“, deren Körbchen neben dem Schreibtisch stand. Ivy wurde Markenzeichen und Maskottchen des Schlosses und des passionierten Jägers, der den Hegering Gingst leitet und Mitglied der Teckelgruppe Binz ist. 2006 zogen Schlossherr und Hund ins Forsthaus um. Nachdem Ivy vor zwei Jahren gestorben war, ist „Jule vom Tannenhof“ treuer Weggefährte.

Und was waren in über einem Vierteljahrhundert die Höhepunkte? Klaus-Dieter Mickschat nennt sofort die Ausstellung ’Hirsche der Welt“ 1997 und im Jahre 2001 die Einweihung der beiden bronzenen Molosserhunde vor dem Schloss, die in den 1950er Jahren verschwunden waren und neu nachgebildet wurden. Aber auch die Zusammenarbeit mit der Kulturstiftung Rügen bei vielen Ausstellungen im Schloss fällt ihm da ein. „Mir war es immer wichtig, die Kulturgüter der Insel und Rügens Künstler mit einzubeziehen, um eine regionale Verbindung vor Ort zu haben.“ Schön seien aber auch die Begegnungen mit Brautpaaren gewesen, die sich auf dem Schloss als Außenstelle des Standesamtes Binz das Ja-Wort gaben.

Ein Mann mit vielen Hobbys

Als Dr. Friederike Drinkuth, Leiterin der Abteilung Schlösser und Gärten, dem Ruheständler die Entlassungsurkunde aus dem Landesdienst überreicht, findet sie nur anerkennende Worte für den Kollegen und Menschen: „Immer sehr gut organisiert und tatkräftig, offen, hilfsbereit und ein Gentleman.“ Klaus-Dieter Mickschat formuliert es so: „Ich habe immer ein Ziel vor Augen, das ich auch erreichen will.“

Dass dabei der Beruf die Familie oft zurückdrängt, haben seine Frau Angela und die beiden inzwischen erwachsenen Kinder oft erfahren müssen. Er weiß das. Und er bedauert das. „Ich habe meine Familie vernachlässigt, sie hätte mehr Zeit verdient“, sagt er und stürmt zu seiner Frau mit einem großen Blumenstrauß. Angela Mickschat arbeitet seit 1999 im Museumsshop des Schlosses und wird ihrem Mann in vier Monaten in das Rentendasein folgen.

Langeweile kommt auch in der Freizeit des dreifachen Opas nicht auf: Jagen, Angeln, Fallschirmspringen, Gärtnern, Doppelkopf spielen – der Bergener hat viele Interessen und Hobbys. Und ein Wiedersehen im Schloss ist garantiert. Mit den Jagdhornbläsern und den Binzer Teckelfreunden, die sich immer wieder an Rügens Krone treffen.

Jagdhornbläsergruppe Gingst mit Kastellan Klaus-Dieter Mickschat (Mitte) zu dessen Verabschiedung. Quelle: Gerit Herold

Gerit Herold

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