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Rügen Einsam aber niemals langweilig
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00:00 11.04.2017
Wolfgang Groth (re.) gibt den Schlüssel ab. Ab heute wird Polizeioberkommissar Holger Hojenski die Baaber Station besetzen. Quelle: Foto: Steffi Besch
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Baabe

Wo die Jahre geblieben sind, fragt sich Wolfgang Groth, während er die geladenen Gäste von Amt und Gemeinde zu Brötchen ins Dienstzimmer des Bürgermeisters bittet. Es ist sein Ausstand. Groth ist 60. Der Kriminalhauptkommissar quittiert seinen Dienst auf dem einsamen Posten der Baaber Polizeistation und versucht sich nun als Pensionär. Gestern übergab er offiziell den Schlüssel an den neuen, sogenannten „Kontaktbeamten“, seinen Nachfolger Holger Hojenski (52).

Ein Akt, der Wolfgang Groth sichtlich schwer fiel. Seit 1982 trägt er die Uniform der Gesetzeshüter. Zuerst beim Betriebsschutz der Volkspolizei in Glowe. In der Dienststelle Rügenradio arbeitete er dann weiter nach seinem Studium der Staatswissenschaften an der Fachhochschule in Aschersleben. Bis zur Wende. In der Folge steuerte er alltäglich das Sassnitzer Revier an, organisierte als Schichtführer hier die Abläufe. In Bergen sammelte er viele Jahre Erfahrungen als Verkehrsermittler und später war er bei der Kripo in Stralsund tätig. Bis Groth vor fünfeinhalb Jahren von der Hansestadt ins Ostseebad versetzt wurde. „Keinesfalls ein öder Posten“, meint er. Im Gegenteil. „Wenn du hier allein tätig bist, hast du immer zu tun. Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich von Zirkow bis Klein Zicker und in der Hauptsaison hältst du schon auf deinem Dienstweg von Sassnitz nach Baabe ein paar Mal an“, berichtet er. In der Ferienzeit stünden Hilfesuchende oft schon morgens um 8 Schlange. Da geht es dann um gestohlene Kennzeichen oder Fahrräder, Beschwerden, Unfälle oder auch Vermisste.

„Im vergangenen Jahr, und das werde ich auch nicht vergessen, bekam ich über Funk vom Sassnitzer Schichtführer die Meldung, dass vor der Station in Baabe bereits ein Urlauber auf mich warte. Er vermisste seine Frau, mit der er einen Tag zuvor noch Silberhochzeit feierte. Ich nahm die Personenbeschreibung auf und bat ihn mit der Familie weiter zu suchen, denn eine Vermisstenanzeige ist ja üblicherweise erst nach 24 Stunden zu stellen. Um 11 Uhr wussten wir dann aber, dass sie sich mit einer kaputten Flasche die Pulsadern verletzte, das Selliner Hochufer hinunterstürzte und sich ins Wasser schleppte. Sie wurde gefunden, Ersthelfer verbanden die Wunde und der Greifswalder Rettungshubschrauber holte sie ab. Die Frau überlebte. Suizide oder eben Suizidversuche bei Urlaubern sind gar nicht mal so selten. An dem Ort, wo sie es schön finden, wollen sie ihr Leben beenden. Muss man nicht verstehen“, so Wolfgang Groth vor einem Präsentkorb. Zu seinem Aufgabenbereich gehörten auch Strandspaziergänge zum Beispiel mit Arne Fründt vom Amt. Natürlich nicht zur Entspannung, sondern zum Auffinden von alter Munition, die immer wieder gern an die Strände von Göhren und Baabe gespült werde. Die besonders enge und gute Zusammenarbeit von Polizei und Amt Mönchgut-Granitz unterstrich auch Thomas Riedel, Leiter des Sassnitzer Polizeireviers, zu dem die Stationen in Wiek, Binz und Baabe gehören. In seiner Rede lobte er Wolfgang Groth für seine Orts- und Menschenkenntnis. „Wolfgang wusste immer, wo es den ersten fangfrischen Hering zu kaufen gab oder die beste Bockwurst zu essen“, witzelte Riedel. „Als Kontaktbeamter war er nun lange Zeit erster Ansprechpartner für Bürger und Gäste der Orte im Südosten der Insel. Neben ihm werden noch acht weitere Mitarbeiter bis Ende September mein Revier verlassen. Der Dienststelle fehlt es an Nachwuchs und es wird immer schwieriger die Stationen zu erhalten. Hier freue ich mich über den Glücksfall, dass wir diese Nachfolge so unaufgeregt und schnell regeln konnten und mit Holger Hojenski einen qualifizierten Beamten für diesen Posten gefunden haben“, erzählt Riedel erleichtert.

Der „Neue“, so sagt er, Polizeioberkommissar Hojenski, ist nach drei Jahren bei der Berufsfeuerwehr Mukran, 1991 direkt ins Sassnitzer Revier gekommen. „Manchmal ein Muffel, aber immer durchsetzungsstark. Ein Einzelkämpfer, der hier gebraucht wird“, meint Riedel mit einem Augenzwinkern in dessen Richtung. Und nachdem er Hojenski ein halbes Jahr in den Schichtdienst steckte, dürfen sich dieser und auch Ehefrau Simone, mit der er zu seinem Dienstbeginn in Baabe 30-jährigen Hochzeitstag feierte, nun über geregelte Arbeitszeiten freuen.

Die Station in Baabe ist Montag bis Freitag von 8 bis 15 Uhr besetzt.

Steffi Besch

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