Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rügen Einstiges Altstadt-Hotel nur noch Schutt
Vorpommern Rügen Einstiges Altstadt-Hotel nur noch Schutt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:57 29.12.2017
Abriss des ehemaligen Hotels Tourist an der Marktstraße in Alt Sassnitz.
Abriss des ehemaligen Hotels Tourist an der Marktstraße in Alt Sassnitz. Quelle: Oliver Roeber
Anzeige
Sassnitz

Dass der Sassnitzer Ortschronist obdachlos würde, stand vermutlich nicht im Drehbuch zur Fernsehserie „Ein Bayer auf Rügen“. Er residierte im ehemaligen „Hotel Tourist“, das im Film ein Fotogeschäft beherbergte. Nun ist diese malerische Kulisse verschwunden. Das Eck-Gebäude in Alt Sassnitz wurde abgerissen – offenbar mit der Zustimmung der Landes-Denkmalbehörde. Das Loch, das nun an der Marktstraße in der ansonsten dicht bebauten Sassnitzer Altstadt klafft, ist noch größer geworden. Geschlossen wird es in absehbarer Zeit vermutlich nicht.

Zu massig: Nachfolgebau nicht genehmigt

Denn zwischen dem Eigentümer, der Kieler Abacus-Gruppe, und den Vertretern der Stadt Sassnitz gibt es scheinbar nach wie vor erhebliche Meinungsverschiedenheiten zum Aussehen und Umfang eines Nachfolgebaus – und zwar nicht erst seit gestern. Vor mehr als vier Jahren gab es eine ähnliche Situation. Damals wurde das Gebäude an der Marktstraße 7 dem Erdboden gleich gemacht. Dabei handelte es sich um einen Gebäudeteil des früheren „Hotel Tourist“, der 1881 an das Hauptgebäude angebaut wurde. Seitdem liegt die Fläche brach und wird als Parkplatz genutzt. Jetzt ist auch das Haupthaus verschwunden – und es gibt derzeit kein genehmigtes Projekt, das auf dieser Fläche umgesetzt werden könnte. „Wir haben eine aktuelle Planung eingereicht. Die ist von der Stadt abgelehnt worden“, sagt Abacus-Geschäftsführer Edmund Majerus. Das „Nein“ zu dem Neubauvorhaben bezieht sich offenbar auf eine Ablehnung des Bauausschusses, der sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit dem Bauantrag befasst hatte. Dem Vernehmen nach waren die Kritikpunkte unverändert die Massigkeit der geplanten Gebäude und deren Höhe.

Baugenehmigung nicht das erste Mal gescheitert

Daran war auch in der Vergangenheit eine Genehmigung für einen Neubau an dieser Stelle gescheitert. Vorgesehen war eine großflächige Bebauung des Areals, das bis an die Bergstraße reicht. Das stieß nicht nur bei den Nachbarn, sondern auch in der Stadtvertretung auf Unmut. Eigenen Angaben zufolge hatte Majerus das Projekt verändert und Kritikpunkte ausgemerzt. Doch auch in dieser Form scheint die Mehrheit der Sassnitzer Stadtväter nicht viel von dem Vorhaben zu halten. Die Abacus-Gruppe will an dieser Stelle ein Wohnhaus errichten. Den ursprünglichen Plänen zufolge sollte das jetzt abgerissene Eckhaus stehenbleiben. „Aber es drohte weiter zu verfallen“, begründet Majerus auf OZ-Nachfrage den Einsatz der Abrissbagger. Anstelle des alten Gebäudes soll ein neues Wohnhaus entstehen, in dessen Erdgeschoss eine kleine Gewerbeeinheit vorgesehen ist. Um die Massigkeit der neu entstehenden Zeile aufzulockern, sei eine Art Vorhof zwischen der Straße und der Fassade vorgesehen. An der Stelle soll die Hausfront ein Stück nach hinten eingerückt werden. Die Autos sollen die Wohnungsmieter in einer Tiefgarage parken können.

Maik Trettin