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Rügen Schlechte Nachrichten für Filmfans: Einziges Kino auf Rügen macht dicht
Vorpommern Rügen Schlechte Nachrichten für Filmfans: Einziges Kino auf Rügen macht dicht
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15:40 23.09.2019
Das einzige Multiplex-Kino der Insel muss im März kommenden Jahres seine Türen schließen. Quelle: Uwe Driest
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Bergen

Kaum haben die Insulaner die Nachricht vom Aus des Rügener Badejungen verdaut, da erreicht sie eine neue Hiobsbotschaft. Nach OZ-Informationen muss im März kommenden Jahres auch das einzige Multiplex-Kino der Insel seine Türen schließen.

So lange läuft der Pachtvertrag, den der jetzige Betreiber nicht mehr verlängert habe, bestätigt Marc Weisener, Sprecher der Hahn AG mit Sitz in Bergisch Gladbach, der das Fachmarktzentrum gehört. Vom Betreiber des Kinos, der Firma Michel Bau aus Neumünster, war dazu kein Statement zu bekommen.

Nur bei Regen volle Kinosäle

Die Besucherzahlen würden kontinuierlich sinken, bestätigt Sebastian Grabbert, der in Bergen für den Betrieb des Kinos verantwortlich ist. Nur wenn es regne, stürme das Publikum die Kinosäle, ansonsten herrsche Flaute. „Wir brauchen immer fünf oder sechs Regentage, dann sind unsere Kinosäle voll. Der nasse Sommer vor vier Jahren war für uns der bisher beste, aber der heiße Sommer im vergangenen Jahr könnte uns das Genick gebrochen haben.“ Auch das integrierte Bistro wird schon seit Jahren nicht mehr betrieben, weil sich kein Pächter fand.

So ganz mag Grabbert noch nicht an ein endgültiges Aus glauben. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sich ein neuer Betreiber finden könnte.“ Schließlich sei die Immobilie in einem guten Zustand und auch die Eigentümer hätten ein Interesse daran, dass sie nicht leer steht.

Kino auf Rügen

Das UC Kino in Bergen ist das einzige Multiplex-Kino der Insel.

Die Lichtspiele Sassnitz zeigen jeden Freitag ausgewählt Filme in ihrem Programmkino.

Das Cliff-Hotel in Sellin zeigt ab dem 5. 10. Filme in seinem Spiegelsaal, dem ehemaligen „Funktionärskino“.

Ostseekino Dranske, Zeltplatzkino Göhren und das Open-Air-Kino werden saisonal betrieben. Auch das Zeltkino auf Hiddensee ist noch bis Ende Oktober geöffnet.

„Wir sind aktuell auf der Suche nach einem Nachmieter und bereits mit einem Anbieter im Gespräch“, sagt dazu Marc Weisener. Die Hahn Gruppe kaufte das 1998 erbaute Fachmarktzentrum an der Ringstraße im vergangenen Jahr für 37 Millionen Euro. Hauptmieter der 53 000 Quadratmeter großen Flächen mit 630 Parkplätzen sind neben dem Kino auch Warenhaus, Baumarkt und Schnellrestaurant.

Die brisante wirtschaftliche Lage erklärt Sebastian Grabbert mit der Struktur im Kinosektor. „Wir sind ein Einzelkino, gehören zu keiner Kette und erhalten weder Förderungen oder Vergünstigungen, die die großen Kino-Ketten aufgrund ihrer Marktmacht aushandeln können.“ Die großen Anbieter könnten die Lizenzbedingungen diktieren und die kleinen Betriebe würden zwischen Film-Verleihen und Kino-Ketten zerrieben.

Vorlieben der jungen Menschen haben sich geändert

Und was ist mit dem Kinoerlebnis? „Gerade Komödien machen in Gesellschaft viel mehr Spaß oder Filme, die auf einer großen Leinwand einfach besser aussehen“, sagt Grabbert. Die Vorlieben gerade eines jungen Publikums hätten sich allerdings in den letzten Jahren gewandelt. Hinzu käme die Konkurrenz des Online-Markts. Während Besucher eines Kinos schnell mehr als zehn Euro auf den Tisch legen müssen, ist ein Monatsabo bei einem Streaming-Dienst für dasselbe Geld zu haben.

Dabei ist ein Kino nicht einmal bei der Preisgestaltung wirklich autonom. „Wir können bei den Preisen nicht weiter runter, weil sich damit auch die Umsätze reduzieren würden und wir im Ranking der Verleihe abrutschen“, so Grabbert. Die vergeben die Kopien ihrer Filme nämlich in der Reihenfolge der Umsätze und wenn es beispielsweise 350 Kopien eines Films gibt, gehen die nachfolgenden Kinos vorerst leer aus.

Nur noch Remakes und Fortsetzungen

Auch die Qualität der Filme werde nicht unbedingt besser, meint Grabbert. Hochwertige und innovative Filme seien Mangelware. Stattdessen würden zahlreiche Remakes und Fortsetzungen produziert. „Als ich in der Branche anfing, gab es einen großen Film in der Woche.“

Der Blockbuster „Avatar“, der vor zehn Jahren auf den Markt kam, sei so einer gewesen. Der mit seiner Vermischung aus computeranimierten Szenen und real, mit neuartigen 3D-Kameras gedrehte Streifen spielte weltweit über 2,78 Milliarden US-Dollar ein und ist damit der erfolgreichste Film weltweit.

Frühere Kiosk-Betreiberin wird wieder arbeitslos

Gut lief auch der Horrorstreifen „Es“ von Stephen King, erinnert sich Grabbert. „Heute aber kommen jede Woche zehn schnell produzierte Titel auf den Markt.“ Allein von „X-Men“ wurde ein Dutzend weiterer Folgen gedreht.

Einmal im Jahr macht Grabbert sein Multiplex- zum Programmkino. Dann laufen die Rügener Frauenfilmtage. „Dabei federt aber die Stadt das finanzielle Risiko ab.“

Drei Festangestellte und acht Aushilfen stehen auf der Straße, wenn der Projektor im März ausgeht. Darunter ist Ilona Raimann, die zehn Jahre lang den Kiosk am Hafen in Lohme betrieb. Als dort der Hang rutschte, habe sie aufgeben müssen und fing beim Kino an. „Ich hoffte, hier bis zur Rente bleiben zu können“, sagt sie. Ein Dreivierteljahr wäre es noch gewesen.

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Von Uwe Driest

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