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Rügen Ende von historischer Hofanlage in Vilmnitz besiegelt
Vorpommern Rügen Ende von historischer Hofanlage in Vilmnitz besiegelt
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00:00 19.03.2014
Der bevorstehende Abriss des fast 200 Jahre alten Bauernhofes betrübt vor allem ältere Einheimische, die jahrzehntelang mit dem Dreiseitenhof gelebt und ihn geliebt haben. In dem Haus wurden auch Teile des berühmten Films „Die Heiden von Kummerow“ gedreht. Quelle: Udo Burwitz
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Vilmnitz —

Nun ist es zu spät. Die amtlichen und ehrenamtlichen Denkmalschützer auf Rügen haben alles versucht, in Vilmnitz einen der letzten Dreiseitenhöfe der Insel zu retten. Jetzt aber steht der Abrissbagger vor den Toren des fast 200 Jahre alten Gebäudes in der Dorfstraße 22.

Gekauft wurde der historische Hof im Sommer 2008 von einer Arztfamilie aus Wuppertal, bei einer Versteigerung, für 86 000 Euro. Schon damals schrillten bei vielen Denkmalschützern die Alarmanlagen.

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„Ein solches Ensemble ist intakt auf der Insel nicht mehr zu finden, nun ist das exemplarische Gehöft in Vilmnitz Opfer von Bauspekulation geworden“, schreibt Sibylle Berger vom Verein Insula Rugia im Vorwort zur aktuellen Baustilfibel Rügen. Exemplarisch an dem Haus sei seine klassizistische Bauweise, angelehnt an den Charakter des kulturellen Zentrums im fürstlichen Putbus, erklärt die Expertin.

Die Abrissgenehmigung für die bäuerliche Hofanlage aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, flankiert von Scheune und Stall, wurde am 20. Dezember 2013 erteilt. „Wir haben jahrelang um den Erhalt des Gebäudes gerungen, aber der Verlust an Originalsubstanz ist so groß, dass nichts mehr zu retten ist“, sagt Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. Er berichtet, dass Fachleute 2004 bei einer Besichtigung bereits einen sehr schlechten Zustand des Hauses festgestellt hätten. „Schon damals war klar, dass der Patient sterben wird und das Gebäude so, wie es entstand, nicht mehr aufzubauen ist.“ Erklärend fügt Bednorz hinzu: „Natürlich könnte man alles mit altem Material wieder aufbauen, aber dann ist ein solches Objekt kein Denkmal mehr.“ Mit dem Abbruch erlösche der Denkmalwert eines Gebäudes.

Beim Thema Abbruch scheiden sich auf der Insel immer wieder die Geister. Die „Hobby“-Denkmalschützer, engagierte, historisch interessierte Rügener, darunter etliche Architekten, argumentieren häufig gegen die „Offiziellen“, also die Denkmalschützer in den Ämtern. Diese wiederum betonen ihren engen Handlungsspielraum. „Wir sind eine Behörde und müssen uns an die Gesetze halten, darüber bin ich nicht immer glücklich“, betont Markus Sommer-Scheffler von der für Rügen zuständigen Denkmalschutzbehörde. Zu den Gesetzen gehöre beispielsweise die Bestimmung, Abrissgenehmigungen dann zustimmen zu können, wenn die Bausubstanz eines Gebäudes nicht mehr zu retten ist und der Aufwand für den Erhalt unzumutbar wäre.

Im Ringen um das einst wunderschöne Vilmnitzer Gehöft fallen beim jüngsten Arbeitskreis Denkmalschutz oft kritische, manchmal unfreundliche Worte gegenüber den zuständigen Behörden. „Schlimm, dass die Denkmalpflege eingeknickt ist“, meint die ehrenamtliche Denkmalpflegerin Sibylle Berger. „Die Stadt Putbus ist froh über jeden beseitigten Schandfleck im Ort“, wettert Klaus Gampe, unmittelbarer Nachbar des dem Abriss geweihten Hauses. Dass es zum Schandfleck geworden ist, liegt nach Meinung der engagierten Bürger an ungeeigneten Bestimmungen, nach denen die Wirtschaftlichkeit des Wiederaufbaus geprüft wird. „Das Ganze ist immer wieder ein abgekartetes Spiel: Der Käufer eines historischen Objekts wartet erstmal jahrelang, bis das Haus fast zusammengekracht ist und weist dann mit einem Gefälligkeitsgutachten nach, dass eine Sanierung zu teuer ist“, schimpft Reinhard Börst aus Nistelitz. „Ein Schildbürgerstreich, nicht nur für uns Einheimische ein Drama, sondern auch für den Tourismus“, findet Carl-Stefan Wurzer. Die Urlauber kämen schließlich nicht wegen der Neubauten nach Rügen. Vielleicht ist es zumindest für die Laien unter den Denkmalfreunden ein Trost, dass der neue Besitzer des Hauses plant, auf dem Grundstück ein Gebäude zu bauen, dass genauso aussieht wie der frühere Dreiseitenhof in Vilmnitz.

Das Gutachten zum Vilmnitzer Dreiseitenhof
1990 etwa begann der sichtbare Verfall der Hofanlage, Scheune und Stall fielen mehr und mehr zusammen. An der Rückseite des Traufenhauses mit rohrgedecktem Krüppelwalmdach habe es wegen der Hanglage schon viel früher Probleme gegeben, berichtet der Stralsunder Architekt Frank Hoffmann, der ein Gutachten zu dem Dreiseitenhof anfertigte. Sein Fazit: Eine sechsstellige Summe im oberen Bereich sei mindestens notwendig gewesen, um das Haus wiederaufzubauen. „Zu vernünftigen wirtschaftlichen Aspekten ist eine Rettung aber so gut wie nicht möglich.“ Weit weniger als die Hälfte der Bausubstanz wäre im Falle eines Wiederaufbaus noch nutzbar, beantwortete Hoffmann eine Frage des Landesamtes, das daraufhin das Aus für den Hof besiegelte.



Lena Roosen

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