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Rügen Ex-AfD-Politiker Bernhard Wildt will CDU-Mann werden: Intern brodelt es
Vorpommern Rügen Ex-AfD-Politiker Bernhard Wildt will CDU-Mann werden: Intern brodelt es
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19:00 03.12.2019
Bernhard Wildt wartet auf die Entscheidung vom CDU-Kreisverband. Dieser entschließt, ob er aufgenommen wird. Quelle: FOTO : Cornelius Kettler
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Gager

Erst Landessprecher der Alternative für Deutschland (AfD), dann Gründungsmitglied der „Bürger für MV“ (BMV), und seit Oktober sitzt Bernhard Wildt für die Fraktion der CDU im Schweriner Landtag. Der 52-Jährige möchte jetzt Teil der Christdemokraten werden und hat einen Mitgliedsantrag gestellt.

Intern brodelt es deswegen in der Kreis-CDU. Einige Kollegen akzeptieren den Entschluss des Mannes aus Gager nicht und haben ihre Kritik geäußert.

Vorgeschichte schreckt ab

Dazu gehört der Regionalverband der CDU Mönchgut-Granitz, in dessen Gebiet Bernhard Wildt seinen Wohnsitz hat. Dieser hatte vor knapp vier Wochen einstimmig den Beschluss gefasst, dass sie keinen Grund sehen, ihn in die CDU aufzunehmen. Diese Entscheidung haben die Mitglieder einen Tag später dem Kreis-Vorstand mitgeteilt.

„Wir sehen nicht, dass wir als CDU Möchgut-Granitz Herrn Wildt zur besseren kommunalen Ausstattung benötigen. Und schon gar nicht mit der Vorgeschichte, den Äußerungen und mit dem populistischen Gehabe des letzten Landtagswahlkampfes“, sagt der Vorsitzende Mark Houben.

Radikaler Ton im Chat

Er spielt damit auch auf Äußerungen der Rügener AfD an, die Bernhard Wildt nach dem Rücktritt aus der Fraktion sowie dem Parteiaustritt einen recht radikalen Ton nachgesagt haben. Der OZ liegt der damalige interne AfD-Chat vor, in dem er unter anderem schreibt, dass Berlin „wieder Reichshauptstadt“ werde.

Seine Aussage vor der jüngsten Bundestagswahl: „Wenn wir stärkste Fraktion werden und die Arschlöcher von den anderen Parteien doof gucken: dann ist alles gut. Noch besser, wenn wir regieren. Dann rate ich aber jedem von uns zur Bewaffnung.“

Worte seien im Scherz gefallen

„Ich möchte vermeiden, dass wir als Mönchguter Regionalverband öffentlich in den Fokus rücken, nur weil dieser Mann irgendwann mal seinen Wohnsitz hier genommen hat. Und dass hinter jeder Äußerung von Bernhard Wildt die Gemeinde Mönchgut in Verbindung gebracht wird. Er wohnt hier einfach nur“, sagt Mark Houben. Er habe mit den Menschen in dieser Region, mit der Kommune und mit dem Leben genauso wenig zu tun, „wie jemand, der in Wuppertal wohnt, wo er auch herkommt“.

Diese Worte seien damals im Scherz gefallen, beteuert Bernhard Wildt. Der Chatverlauf sei entstanden, als die Umfragewerte der AfD vor der Landtagswahl nach oben gingen. „Es sah so aus, als wenn AfD stärkste Fraktion wird“, sagt er. In diesem Zusammenhang habe er das gesagt. „Es war scherzhaft gemeint, wie ,Dann müssen wir uns aber warm anziehen.’“

Er habe sich dafür schon mehrfach entschuldigt und wisse, dass es falsch angekommen ist. „Ich bin in die CDU-Fraktion eingetreten, weil ich für Rügen und den Landkreis tätig sein und die Interessen der Insel vertreten möchte. Dies kann man im Idealfall über eine Partei erreichen. Das ist der Hintergrund zum Antrag“, sagt Bernhard Wildt.

Gespräche waren offen und konstruktiv

Der Landtagsabgeordnete Holger Kliewe (CDU) stellt sich vor Bernhard Wildt. Er schätzt die Arbeit seines Fraktionskollegen. Er mache eine ordentliche Arbeit und habe ein gutes Fach- und Sachwissen. „Es gibt Leute, die das ein oder andere probiert und eine Vorgeschichte wie die AfD haben. Er hat aber schnell gemerkt, dass es nicht seine Partei ist und er sich deshalb auch abgekoppelt hat. Wir sollten ihm eine Chance geben, Mitglied zu werden“, sagt er.

Jetzt liegt es an Harry Glawe (CDU). Der Wirtschaftsminister ist gleichzeitig Kreisvorsitzender der hiesigen CDU. Er hat die Stellungnahme aus Mönchgut erhalten. „Auch der Kreisvorstand hat sich Anfang dieser Woche mit dem Thema befasst und sieht das Ansinnen ebenfalls eher zurückhaltend und kritisch“, so der Vorsitzende. Diese Stellungnahme werde dem Antragsteller zugeschickt.

Gespräche im Vorfeld seien sehr offen und konstruktiv gewesen, wie er sagt, allerdings noch nicht abgeschlossen oder beendet worden. Vor allem zu den Äußerungen aus dem internen AfD-Chatverlauf gebe es noch Klärungsbedarf. „Es gibt noch viele offene Fragen und kritische Nachfragen, die gemeinsam zu besprechen, und zu klären sind. Das braucht Zeit und auch den Willen zur Aufarbeitung.“ Die Frist für den Antrag läuft diese Woche aus, der Kreisvorstand muss also schnell entscheiden, ob Bernhard Wildt aufgenommen werden soll.

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