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Rügen Feuerwehren üben spektakulär am Bahnhof
Vorpommern Rügen Feuerwehren üben spektakulär am Bahnhof
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18:28 30.07.2019
Zwei Feuerwehrleute besteigen den Kesselwagen und bergen dort eine Person. Quelle: Mathias Otto
Bergen

Großalarm am Dienstagvormittag: Um 10.19 Uhr heulten die Sirenen in Bergen. Am Bahnhof steckte ein Fahrer in einem Gleisarbeitsfahrzeug fest, nachdem sich eine Stromleitung gelöst hatte und zu Boden fiel. Nur zehn Meter weiter lief eine Flüssigkeit aus einem Kesselwagen aufs Gleisbett. Auf dem Fahrzeug befand sich eine leblose Person.

Doch schnell entpuppte sich der Alarm als eine Übung. Feuerwehrleute aus Bergen, Sehlen und Patzig wurden zum Einsatzort Bahnhof gerufen. Lutz Peters, Bezirksleiter Betrieb der DB Netz AG, und Uwe Lindenberg, Leiter des Ausbildungszuges Gefahrengut, überwachten den Einsatz und machten sich Notizen.

Löschen mit Wasser, Pulver oder Schaum

Nach acht Minuten erreichte der erste Einsatzwagen der Feuerwehr den Zug in der Ladestraße. André Muswieck war an diesem Tag der Einsatzleiter. Der Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Bergen verständigte sich mit seinen Kollegen aus Sehlen und Patzig. „Sie nehmen eine Lage-Erkundung vor. Das heißt, sie verschaffen sich am Waggon und am Gleisarbeiterfahrzeug eine Übersicht über die Lage und über mögliche verletzte Personen. Sie geben dann die Warnhinweise, die an den Waggons angebracht sind, an die Kollegen weiter“, sagt Andreas Burwitz. Der Bergener Feuerwehrmann agierte an diesem Tag als Beobachter und gehörte zum Planungsteam dieser Übung.

Ein Schild wies auf entzündbare flüssige Stoffe hin, ein anderes auf Dieselkraftstoff oder Heizöl. Aus diesem Grund parkten die Feuerwehrfahrzeuge in einiger Entfernung. „Sicherheit geht vor“, so Andreas Burwitz. Die Feuerwehrleute bereiteten in dieser Zeit die Löschbereitschaft vor. „Da wir auf alle Situationen eingestellt sein müssen, werden alle drei Möglichkeiten, um Feuer zu löschen, ausgeschöpft. Das heißt, wir können in kurzer Zeit mit Wasser, Schaum oder Pulver löschen“, sagt der Feuerwehrmann.

Restspannung von 7000 bis 8000 Volt

Eine 80 Kilogramm schwere Puppe befand sich auf dem Kesselwagen und sollte einen bewusstlosen Arbeiter darstellen. Das Problem: Aus dem Behälter darunter floss ununterbrochen eine Flüssigkeit auf das Gleisbett. Damit sich die Rettungskräfte durch möglich austretende Gase nicht selbst in Gefahr bringen, stiegen zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzmasken auf den Waggon. Sie hievten die verletzte Person auf eine Trage. Eine angekippte Leiter diente als Rutsche, die Trage wurde vorsichtig mit Seilen herabgelassen. Ein anderer Trupp war damit beschäftigt, das Leck mit Holzpflöcken abzudichten.

3500 Leute pro Jahr geschult

Der Ausbildungszug Gefahrengut ist pro Jahr an 35 Standorten in Deutschland im Einsatz. „Somit trainieren fast 3500 Feuerwehrleute in diesem Zeitraum den praktischen Umgang mit Leckagen an Kesselwagen“, sagt Uwe Lindenberg, Leiter des Ausbildungszuges Gefahrengut.

Laut Statistischem Bundesamt werden pro Jahr 142 Millionen Tonnen Gefahrgut auf der Straße transportiert, 75 Millionen Tonnen auf der Schiene sowie 46 Millionen Tonnen mit Binnenschiffen und 44 Millionen Tonnen auf See. Laut Uwe Lindenberg sind Gefahrguttransporte auf der Schiene 20 mal sicherer als auf der Straße.

„Leckagen an Kesselwagen sind glücklicherweise äußerst selten. Deshalb ist es umso wertvoller, einen solchen Einsatz tatsächlich einmal zu simulieren“, sagt er.

Der Fahrer im Gleisarbeiterfahrzeug wartete währenddessen auf seine Rettung. Speziell ausgebildete Feuerwehrleute aus Bergen erdeten die Oberleitung vor und hinter der Bahn. „Der komplette Strom an den betroffenen Gleisen wurde sofort nach Absetzen des Notrufs abgestellt. Aber von den 15 000 Volt bleibt noch eine Restspannung von 7000 bis 8000 Volt übrig“, sagt Lutz Peters. Elf Feuerwehrleute aus Bergen wurden speziell dafür geschult. Sie sind die einzigen Einsatzkräfte auf der Insel, die für einen solchen Notfall ausgebildet sind. Ihr letzter Einsatz liegt fast auf den Tag genau ein Jahr zurück, als am 31. Juli 2018 auf der Strecke zwischen Stralsund und Binz bei Lietzow die Oberleitung zum Teil abgerissen worden war. Erst als die Spezialkräfte die Oberleitung geerdet hatten, konnten die 67 Fahrgäste evakuiert werden.

Die Warteliste ist lang

Bei der Übung war der Mann im Gleisarbeitsfahrzeug schnell aus seinem Fahrerhaus befreit. Kameraden der Feuerwehr trugen den Mann über die Gleise zu Steffi Koos und Felix Jäsch. Die beiden Mitarbeiter vom Sanitätszug warteten bereits und versorgten den Mann. Um 11.30 Uhr war damit der Einsatz beendet. „Wir werden im Anschluss noch eine Auswertung bei uns auf der Wache machen. Wir sprechen dann die Dinge an, die gut und weniger gut gelaufen sind. Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden über den Verlauf dieses Einsatzes“, sagt André Muswieck.

Feuerwehrleute aus Bergen, Sehlen und Patzig trainierten den praktischen Umgang mit Leckagen an einem Kesselwagen.

Die Chance für ein reelles Übungsszenario wie dieses wird so schnell nicht wiederkommen. „Denn dieser Zug ist der einzige seiner Art in Deutschland. Die Warteliste ist sehr lang. Wir unterstützen somit die Schulung von Feuerwehren, in deren Einsatzbereich Bahnstrecken liegen“, sagt Uwe Lindenberg.

Mathias Otto

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