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Rügen Traditionsräucherei im Focus
Vorpommern Rügen Traditionsräucherei im Focus
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17:00 24.08.2019
Das Team der Filmakademie Baden-Württemberg (v.l., Kathleen Witt, Rafael Simmann und Dominik Moos) war in der Traditionsräucherei Lietzow zu Besuch und hat dem Eigentümer Tom Will, Bruder Felix und Mitarbeiter Michael Krüger über die Schulter geschaut. Quelle: Wenke Büssow-Krämer
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Lietzow

Locker und ungezwungen gaben sich die Männer in der Traditionsräucherei Lietzow, während sie in dieser Woche einen Tag lang unter Beobachtung eines Filmteams standen. Ganz bewusst sind die Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, die sich die B96 als Schauplatz einer Serie ausgesucht haben, bei Tom und Felix Will gelandet. „Die B96 ist ja sehr bekannt und bereits mit vielen Geschichten aufgeladen worden. Jeder kennt sie“, sagt Theresa Bacza. „Wir wollten jedoch eine neue Perspektive und neue Geschichten mit jungen Protagonisten“, erklärt die 31-jährige Produzentin.

Im Mittelpunkt der Serie steht dabei das Leben der um die 30-jährigen Ostdeutschen. Was macht die Generation der deutschen Umbruchphase heute? Wie gehen sie mit immer noch aufkommenden Vorurteilen um? Und wie behaupten sie sich in den teilweise tot gesagten Regionen? Das Diplom-Projekt führte das Team von Zittau bis Sassnitz. „Wir wollten da auch keinen Tourismus-Werbefilm drehen, sondern haben nach Leuten mit Vorbildfunktion gesucht, die mit Heimat und Tradition verbunden sind“, sagt Regisseurin Kathleen Witt. Nach einigen Recherchen im Internet begaben sich die Teammitglieder im Mai zum ersten Mal nach Rügen, um sich vor Ort ein Bild über ihre Filmakteure zu machen. „Und das passte“, sagt Kathleen Witt.

Erst im Februar übernahm der 33-jährige Tom Will die Traditionsräucherei, in der sein Bruder Felix schon seit einigen Jahren arbeitet. In nur wenigen Wochen haben sie mit viel Eigenleistung und der Unterstützung von Freunden ihr Kleinod aufgewertet. „Es ist die älteste bekannte Räucherei auf der Insel, in der Buchenholz und -späne mit den Zusätzen im Ofen landet“, sagt der Inhaber. Und der junge Mann hat ein Auge darauf, was seinen Gästen hier serviert wird. Das typische Fischbrötchen wurde neu definiert. Die Brötchen in Muschelform gibt es hier in hell und dunkel zur Wahl, statt Eisbergsalat gibt es Rucola, weiße Zwiebeln werden durch rote ersetzt und der Matjes wird in Lietzow selbst eingelegt. So ist es für viele Urlauber selbstverständlich, auch am letzten Urlaubstag nochmal vorbei zu schauen, um sich hier vor der Abreise noch mit reichlich Fisch für Zuhause einzudecken.

Doch nicht nur inhaltlich hat sich die Traditionsräucherei – die man rechter Hand hinter dem Ortseingangsschild aus Richtung Bergen kommend am Spitzer Ort findet – verändert. Auch an dem Biergarten wurde bereits fleißig gearbeitet und Spielplatz und Streichelzoo sollen einen unbeschwerten Aufenthalt für die ganze Familie bieten. „Und wir haben noch mehr Pläne. Aber nun soll das erste Jahr gemeistert werden“, meint Tom Will.

In der Gastronomie sind Tom und Felix, deren Mutter zwei Restaurants betrieb, groß geworden. Außerdem haben beide eine einschlägige Ausbildung absolviert. Der Fisch war für Tom Will allerdings Neuland. Doch er hat schnell dazu gelernt. „Wenn der Kollege nicht da ist, muss man plötzlich einspringen. Wenn dann Stammkunden keinen Unterschied bemerken und den Fisch loben, dass er wie vor 40 Jahren schmeckt, hat man alles richtig gemacht“, sagt der Jungunternehmer.

Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg besuchten für eine Web-Serie junge Leute, die ihre Zukunft im Osten Deutschlands bewusst planen.

Das sieht das Filmteam genauso. Die fünf gedrehten Folgen, sollen im nächsten Jahr in der SWR und ARD-Mediathek abrufbar sein. Die Arbeit hat die Filmstudenten beeindruckt. „Da gab es Leute, die den nicht entwickelten Osten als Potential sehen, um sich hier entfalten zu können“, berichtet Kathleen Witt.

Zum Start der Tour haben sie in Zittau jene Frauen porträtiert, in deren Händen die Bewerbung zur Kulturhauptstadt liegt und die Stadt nicht als östlichsten Zipfel Deutschlands im Drei-Länder-Eck sehen, sondern als Herz Europas. Auf Station in Großräschen im Lausitzer Seeland standen junge Menschen vor der Kamera, die den Strukturwandel von der Braunkohle- zur Seenlandschaft gestalten.“Da gibt es Leute, die ganz bestimmt sagen: Ich möchte nicht nach München oder Hamburg, da ist alles fertig. Ich möchte hier selbst etwas anpacken und gestalten“, sagt Kathleen Witt.

Zum Abschluss ihrer Reise waren sie bei der Binzer Bernsteinfischerin Tina Pellegrin zu Besuch, die ihnen zeigte, wo sie auf die Suche nach dem Gold des Meeres geht und in Familienarbeit Schmuckstücke und wahre Schätze entstehen. „Es waren immer Leute, die Lust haben hier zu leben unter dem Motto: Wir wollen hier etwas gestalten“, so Produzentin Theresa Bacza.

Von Wenke Büssow-Krämer

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