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Rügen Fischerei- und Hafenmuseum vor der Schließung?
Vorpommern Rügen Fischerei- und Hafenmuseum vor der Schließung?
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15:57 16.07.2019
Langweilig? Das findet der sechsjährige Tyron gar nicht. Aufmerksam lässt er sich im Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum die Funktionsweise des Fischsichtgeräts erklären. Quelle: Maik Trettin
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Sassnitz

Das Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz erlebt derzeit womöglich seine letzte Saison. Das befürchtet der gemeinnützige Förderverein. Nach Informationen des Vorstands habe der Stiftungsrat unter Bürgermeister Frank Kracht auf der vergangenen Sitzung über eine Schließung der Einrichtung zum 31. Oktober dieses Jahres gesprochen. Die Finanzen sind demnach der Grund für diese Überlegungen: Die Stadt Sassnitz, die über eine Stiftung Eigentümerin der Sammlung ist, zahlt für den Museumsbetrieb jährlich 80000 Euro. Dass das auch künftig so bleiben wird, ist offenbar nicht sicher.

Seit 2010 kommunale Einrichtung

Dabei habe sich die Kommune seinerzeit dazu verpflichtet, erinnert Bernd Nöll, der im Verein vorübergehend den Vorsitzenden Andreas Pfaffe vertritt. 14 Jahre lang hatten die Vereinsmitglieder die Exponate gesammelt und das Museum betrieben – auch mit Unterstützung der Stadt. Als sie das ehrenamtlich nicht mehr leisten konnten, erklärte sich die Kommune bereit, das Museum zu übernehmen und gründete dafür eine Stiftung. In der Übergabe-Vereinbarung vom 21. Januar 2010 verpflichtet sich die Stadt, die Einrichtung im Stadthafen weiter zu betreiben: „Sollte der Betrieb des Museums nicht kostendeckend möglich sein, wird die Stadt alle Möglichkeiten prüfen, durch Gewährung eines Zuschusses aus dem städtischen Haushalt den Fehlbedarf auszugleichen und dadurch den Betrieb weiterhin zu sichern.“

„Anker der Stadtgeschichte“

Die Exposition im Stadthafen bezeichnet Bernd Nöll als „entscheidenden Anker unserer ureigenen Geschichte“. Denn es geht nicht allein um die für Sassnitz so wichtige Entwicklung des Hafens und der Fischerei. Auch der Tourismus mit der Bäderschifffahrt, die Entstehung des Fährhafens Mukran, das Zollwesen und die Transformation zweier Dörfer zu einer Stadt werden anhand ganz unterschiedlicher Ausstellungsstücke dargestellt. Viele der hier gezeigten technischen Exponate seien woanders nicht mehr auffindbar. Rund 260000 Besucher haben die Ausstellung seit der Eröffnung des Museums am 25. Mai 1996 gesehen. Der Museumsverband MV attestierte der Einrichtung 2007 die „Einzigartigkeit“.

Allerdings hat die Magnetwirkung, die das Museum auf die Rüganer und Gäste ausübt, in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen. 7367 Besucher wurden 2018 in der Ausstellung und auf dem dazugehörenden Museumskutter „Havel“ gezählt. 2016 waren es noch rund 9000. Seit Jahren wird davon gesprochen, die Einrichtung attraktiver zu gestalten. Auf rund zwei Millionen Euro werden die Kosten für den Umbau und die Neugestaltung geschätzt. Die Stadt hatte bereits Eigenmittel in Höhe von einer halben Million Euro in ihren Doppelhaushalt eingestellt, um Fördergeld für den rund zwei Millionen Euro teuren Umbau beantragen zu können. Angesichts der Haushaltslage hat die Kommunalaufsicht beim Landkreis diese Summe ebenso aus dem Papier gestrichen wie das Geld für die vorgesehene Umgestaltung der Freifläche auf dem ehemaligen Netzboden-Areal (die OZ berichtete). Darauf müsse man dann wohl oder übel verzichten, sagt Bernd Nöll. „Aber die notwendige Beplankung der ,Havel' könnte in Angriff genommen werden.“ Der ehemalige Sassnitzer Fischkutter gilt als der Besuchermagnet des Museums. Die Sanierung könnte gefördert werden; die notwendigen Eigenmittel würde der Förderverein zur Verfügung stellen. Er hat die Eintrittsgelder aus den „Sturmgesprächen“ der vergangenen Jahre eigens zu diesem Zweck gesammelt. Perspektivisch sollte die „Havel“ aus dem Wasser geholt und an Land gebracht werden. Der Zugang zum Museum könnte in Zukunft über das dann daneben stehende Schiff erfolgen.

Neue Finanzierungsideen bis Jahresende

Die Zukunft des Museumskutters und sein künftiger Standort seien einer der Punkte, die geprüft werden sollen, sagt Frank Kracht. Darauf habe sich der Stiftungsrat auf seiner vergangenen Sitzung verständigt. „Wir haben für den Betrieb des Museums verschiedene Varianten besprochen und wollen bis August die technische Umsetzbarkeit der unterschiedlichen Möglichkeiten prüfen.“ Dazu gehöre unter anderem auch der Standort des Museums. Grundsätzlich seien die Mitglieder zur Verschwiegenheit verpflichtet, weshalb er auch eine mögliche Schließung des Hauses zum 31. Oktober nicht kommentieren wolle. Nur soviel: „Im Stiftungsrat ist keine Entscheidung gefallen.“ Man wolle auf der nächsten Sitzung im kommenden Monat die Ergebnisse zusammentragen. Danach sollen die Stadtvertreter sich für eine der vorgelegten Varianten entscheiden – spätestens bis zum Jahresende. Dann endet der aktuelle Doppelhaushalt, in dem die Zahlung des Zuschusses an das Museum geregelt ist. Solle das weiter so gehandhabt werden, müsse diese Position auch in den nächsten Doppelhaushalt übernommen werden. Darüber haben die Stadtvertreter zu entscheiden. „Die krasseste Entscheidung wäre, wenn es zukünftig gar keinen Zuschuss mehr von der Stadt gäbe“, macht Frank Kracht deutlich.

Stadtpräsident: „Museum ist Gedächtnis der Stadt“

Zu einem Gespräch darüber hatte der Förderverein die neu gewählten Stadtvertreter am 1. Juli eingeladen. Alle Anwesenden hätten den Wert des Museums für Sassnitz unterstrichen, sagt Bernd Nöll: „Ohne die Fischerei wäre Sassnitz noch heute ein Dorf.“ Außerdem habe man über Wege gesprochen, wie der Bekanntheitsgrad und die Besucherzahl erhöht werden können. Darüber sollten die Stadtverwaltung, die Fraktionen der Stadtvertretung und der Förderverein gemeinsam beraten. Das bekräftigt auch der Stadtpräsident Norbert Benedict. „Fischfang und Hafenindustrie sind bei uns identitätsstiftend: Sassnitz ist dadurch zur Stadt geworden und hat sich rasant entwickelt. Und das Museum ist das Gedächtnis der Stadt. Das sollten wir erhalten.“ Über das Wie müssten sich alle Beteiligten unterhalten.

Seit 1996 kann man die Geschichte der Stadt Sassnitz durch Exponate aus den einst wichtigsten Wirtschaftszweigen der Stadt, der Fischerei und der Hafenindustrie, im Fischerei- und Hafenmuseum erleben.

Maik Trettin

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