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Rügen Sassnitzer Fischerei- und Hafenmuseum wieder geöffnet
Vorpommern Rügen

Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz wieder geöffnet

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10:02 14.02.2020
Das Fischerei- und Hafenmuseum im Sassnitzer Stadthafen zählte 2019 knapp 10000 Besucher. Weil die weitere Finanzierung durch die Stadt unsicher war, sollte es geschlossen werden. Quelle: OZ
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Sassnitz

Dass derzeit Gäste durch das Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz spazieren, ist ein kleines Wunder. Im vergangenen Jahr hatte sich der Stiftungsrat dafür ausgesprochen, die städtische Einrichtung zum 31. Oktober 2019 zu schließen. Es war nicht klar, ob die Stadt den Betrieb des Hauses weiter finanziell unterstützen würde. Und auch die Zukunftspläne für ihr Museum mussten die Sassnitzer vorläufig zu den Akten legen, nachdem die Rechtsaufsicht des Kreises für die Umgestaltung im Haushalt vorgesehene Summe nicht genehmigte. Zumindest die übliche, jährliche Finanzspritze für das Museum scheint auch für 2020 sicher. „Das war Konsens während der Haushaltsberatung in den Gremien der Stadtvertretung“, sagt Bürgermeister Frank Kracht. Auch in diesem Jahr werden wie bislang 80000 Euro aus dem Haushalt der Kommune für den Museumsbetrieb bereitgestellt. Das Museum kann also 2020 wie bisher weiter betrieben werden.

Stürmisches Jahr für den Förderverein

Dafür stark gemacht hatte sich naturgemäß der Förderverein für das Fischerei- und Hafenmuseum. Dessen Mitglieder hatten vor mehr als 25 Jahren mit dem Aufbau der Einrichtung begonnen und es seit 1996 selbst betrieben. Vor zehn Jahren schenkten sie es der Stadt Sassnitz, um den Weiterbetrieb zu sichern. Die Entscheidung des Stiftungsrates brachte nicht nur die „Väter“ des Museums auf die Barrikaden, sondern auch viele andere Sassnitzer, die sich der Seefahrt, der Fischereitradition und der Einrichtung verbunden fühlen. „Es war ein stürmisches Jahr für das Museum und damit auch für den Förderverein“, sagte dessen stellvertretender Vorsitzender Bernd Nöll rückblickend bei der Jahresmitgliederversammlung vor wenigen Tagen. „Es ging schlicht um das Überleben des Museums, und die endgültige Entscheidung ist immer noch nicht gefallen.“

Mangelnde Kommunikation durch den Stiftungsrat

Über die dramatische Lage hatte der Vorstand die 29 Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im August informiert. Die kritisierten damals wie heute, dass es zwischen dem Stiftungsrat und dem Förderverein so gut wie keine Kommunikation gebe. Vieles erfahre man nur nebenbei oder erst aus der Zeitung. „Wenn wir das Museum erhalten wollen, muss das besser klappen!“, fordert Bernd Nöll. Der Verein werde jedenfalls weiter mit ganzer Kraft für den Fortbestand der Einrichtung kämpfen. Zu diesem Zweck wurde ein Arbeitsgruppe gegründet. Zu der gehören unter anderem der Stadtpräsident Norbert Benedict, der gleichzeitig Mitglied im Stiftungsrat des Museums ist, aber auch der Sassnitzer Hafenkapitän Ronald Damp, der Geschäftsführer des städtischen Hafenbetriebs- und Entwicklungsgesellschaft, der Geschäftsführer der Fährhafen Sassnitz GmbH, Harm Sievers, der Wirtschaftsförderer der Stadt Sassnitz, Leon Kräusche sowie Bernd Nöll. In der Gruppe wird über die nächsten Schritte zur Entwicklung des Museums beraten.

Museumskutter wird aus dem Wasser gehievt

Auch wenn der große Wurf – die Umgestaltung des Museums, für die bereits Pläne vorliegen –wegen des fehlenden Geldes nicht umgesetzt werden kann, soll Schritt für Schritt einiges in Angriff genommen werden. An erster Stelle steht die neue Beplankung des MuseumskuttersHavel“. Der soll aus dem Hafenbecken gehievt und an Land gesetzt werden.

Impressionen aus dem Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz Quelle: Maik Trettin

Sein neuer Standort wird vermutlich an der Stützmauer neben der neu gestalteten Treppe zwischen Hafen und Stiftstraße sein. Für die neuen Planken kann der Verein 12000 Euro beisteuern, die er durch Spenden und durch die Eintrittsgelder für die von ihm organisierten Sturmgespräche eingenommen hat. Ob der Kutter dort dauerhaft bleibt, steht noch nicht fest. „Aber an der Stirnseite des Museums, wo er laut Plan hin sollte, sind die technischen Voraussetzungen leider nicht gegeben“, sagt Leon Kräusche.

Dahlemann will Museumsprojekt unterstützen

Der Wirtschaftsförderer besorgt derweil Fördergeld für den Umzug des Museumskutters. Damit der an Land stehen kann, braucht er eine Pallung. Kostspielig ist auch der notwendige Kraneinsatz. In der Stadt Sassnitz geht man von einer sechsstelligen Summe aus. Kräusche ist optimistisch, was die Förderung angeht. Immerhin habe das Landwirtschaftsministerium das Vorhaben auf die Prioritätenliste gesetzt. Derzeit schreibt Leon Kräusche den konkreten Förderantrag. Um Fördergeld will sich auch der Staatssekretär Patrick Dahlemann bemühen. Den hatte der Förderverein im September nach Sassnitz eingeladen und ihm unter anderem erzählt, dass man ein 3-D-Modell der „Havel“ anfertigen wolle. Für dieses Projekt hat der SPD-Mann seine Unterstützung signalisiert.

Ein Ticket, einheitliche Öffnungszeiten

Wer den Kutter besichtigt, soll auch ins Museum gehen und andersherum –auch dafür hat die Arbeitsgruppe in einem Positionspapier Ideen formuliert. Derzeit zahlt der Besucher im Museum fünf Euro, auf dem Kutter drei Euro Eintritt. „Wir empfehlen eine einheitliche Preisgestaltung, also eine Eintrittskarte für beide Museumsbestandteile. Die könnte schon zu Beginn dieser Saison eingeführt werden“, sagt Bernd Nöll. Auch die Öffnungszeiten für Museum und Kutter sollten vereinheitlicht werden. „Und wir werden wieder eine Sonderausstellung organisieren.“ Die des vergangenen Jahres habe sehr positiven Anklang beim Publikum gefunden. Christian Luckau aus Bergen hatte „Ostprodukte“, also vorwiegend Konsumgüter aus DDR-Produktion, gezeigt. Das lockte zusätzliche Gäste an. Knapp 10000 Besucher wurden im gesamten vergangenen Jahr im Museum gezählt.

„Muck“ ist Mitglied im Förderverein

Bei allem Einsatz für das „Sorgenkind Museum“ wird ein weiteres „Baby“ des Fördervereins nicht vernachlässigt: Die „Sturmgespräche“ sind nach wie vor eine der am besten besuchten Veranstaltungsreihen in Sassnitz. Nachdem Achim Wöllner die Organisation vor vier Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr übernehmen konnte, war es vorerst aus mit den spannenden Gesprächsrunden. Vor zwei Jahren übernahm das Vereinsmitglied Hans-Jürgen Berger die Aufgabe. Im zurückliegenden Jahr fanden vor allem die Vorträge von Kapitän Karl Seifert über die durch Sassnitzer Fischer verhinderte Brandkatastrophe im norwegischen Egersund und von Dr. Hans-Peter Gloris über die Entwicklung von Sassnitz regen Zuspruch. Für ein volles Haus sorgte Ende Januar auch Hartmut Schulze-Gerlach. „Muck“, wie der Sänger auch genannt wird, ist Mitglied des Fördervereins.

Große Fischereitradition

Im Mai 1996wurde das Fischerei- und Hafenmuseum in Sassnitz eröffnet. Drei Jahre zuvor hatte sich der Förderverein zu eben diesem Zweck gegründet.

Sassnitz war neben Rostock der wichtigste Standort der Fischerei und der Fischindustrie in der DDR, außerdem ein wichtiger Hafen. Von hier beziehungsweise vom Ortsteil Mukran verkehrten die Fähren ins schwedische Trelleborg und ins damals sowjetische Klaipeda. Heute spielt die Fischerei so gut wie gar keine Rolle mehr und auch der Fährverkehr hat kaum noch eine wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt.

Wichtigstes Exponat des Museums ist der 26-Meter-Kutter „Havel, einer der typischen Boote, die in der Blütezeit der Fischerei das Hafenbild prägten.

Von Maik Trettin

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