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Rügen Zwei Abbrüche zerstörten Wissower Klinken
Vorpommern Rügen Zwei Abbrüche zerstörten Wissower Klinken
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11:55 15.02.2019
Ein Mann betrachtet im Februar 2005 einen riesigen Teil des abgebrochenen Kreidefelsens „Wissower Klinken“ . Die Menge beziffert das Nationalparkamt Jasmund auf etwa 50000 Kubikmeter. Quelle:  
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Sassnitz

Das Verschwinden der Zacken der Wissower Klinken war einer der spektakulärsten Kreideabbrüche auf Rügen. Die Hauptzinnen rutschten in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2005 ab, hieß es bislang. Seit kurzem wissen es die Wissenschaftler besser: „Es waren zwei Abbrüche kurz hintereinander am späten Nachmittag“, erklärte Dr. Michael Dietze vom Potsdamer Geo-Forschungszentrum am Mittwoch im Nationalparkamt in Sassnitz. Dort hatte der Geomorphologe über die Küstendynamik auf Jasmund gesprochen, die er während eines Projekts 2017 und 2018 untersuchte. Dietze konnte dabei die Abbrüche an den Klinken auch 14 Jahre später noch auf die Minute genau nachweisen: „Das erste Ereignis fand um 16.35 Uhr, der zweite Abbruch zehn Minuten später um 16.45 Uhr statt.“

Aufgezeichnet wurden die Abbrüche schon seinerzeit von einer seismischen Station auf Rügen. Die reagiert auf geringste Wellenbewegungen in der Erde, auf Erdbeben beispielsweise ebenso wie auf Küstenabbrüche. Dietze hat sich die Messwerte von damals angesehen und an dem Muster erkannt, dass es sich um größere Erdbewegungen in der Nähe handelte. Damals waren rund 50000 Kubikmeter Kreide ins Meer gestürzt. Verletzt wurde niemand.

Abbrüche lassen sich metergenau lokalisieren

Welche Bedingungen sorgen dafür, dass es zu Abbrüchen kommt? Das haben Dr. Dietze und seine Kollegen aus Potsdam in den zurückliegenden Monaten versucht herauszufinden. An verschiedenen Stellen der Kreideküste setzten sie Sensoren, die seismische Daten lieferten. Glück für die Insel, Pech für die Wissenschaftler: In dieser Zeit rutschten keine nennenswerten Brocken ab. „Insgesamt haben wir über den gesamten Zeitraum 32 Ereignisse an der Küste nachweisen können.“ Dabei, so Dietze, habe es sich aber eher um kleinere Abbrüche gehandelt. Dennoch habe sich gezeigt, dass die Wissenschaft mithilfe der seismischen Aufzeichnungen innerhalb kürzester Zeit den Ort des Naturereignisses bestimmen kann. Einen Abbruch am Kollicker Ort konnten sie mit ihrer Messmethode bis auf 30 Meter genau lokalisieren. Das ist zum einen für die Nationalparkverwaltung wichtig, zum anderen unter Umständen aber auch für Retter, die gegebenenfalls eingesetzt werden müssen, um Verletzte zu finden.

Dr. Michael Dietze vom Geo-Forschungszentrum Potsdam Quelle: Maik Trettin

Die Sicherheit der Menschen ist der Haupt-Zweck der Forschungsarbeiten der Potsdamer. „Die Hälfte der Küsten dieser Welt sind Hochufer und mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe – Tendenz steigend“, so Dietze. Man versuche herauszufinden, wie häufig diese Kliffs versagen – und warum. Eine schlüssige Antwort haben sie, zumindest auf Rügen, noch nicht gefunden. Die Wissenschaftler des Geo-Forschungszentrums haben immer dann, wenn ihre Seismographen einen Küstenabbruch meldeten, diese Daten mit anderen zu der Zeit herrschenden Faktoren verglichen, etwa mit der Temperatur. Der Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden wird bislang häufig als einer der Auslöser für Abbrüche betrachtet. Am Ende des Projekts könne man das ebenso wenig bestätigen wie die Annahme, dass Wellengang, Wind oder starker Regen solche Rutschungen befördern. „Kann sein, muss nicht“, formulierte es Michael Dietze immer wieder vorsichtig. Das Zusammenspiel vieler Faktoren könne ausschlaggebend sein und auch ein zeitversetztes Wirken der Witterungsbedingungen auf das Kliff. Ein Muster lasse sich aus den gewonnenen Informationen nicht ableiten. „Dazu bräuchten wir mehr Daten. Wir haben ja nur die von einer Saison.“

Ein Abbruch kommt selten allein

In der war die Kreideküste vor allem in dem Bereich zwischen dem Kollicker Ort und dem Kieler Bach in Bewegung. Südlich davon in Richtung Sassnitz sowie nördlich in Richtung Königsstuhl gab es keine nennenswerten „Ereignisse“ aus geologischer Sicht. Dort hatte sich die Küste vermutlich in den zurückliegenden Jahren durch größere Abbrüche schon „umgeformt“. Von den im Projektzeitraum erfassten Abbrüchen fanden die meisten zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang sowie am Nachmittag statt. „Wir wissen nicht warum“, sagte Dietze schulterzuckend. Sicherheit könne man daraus aber nicht ableiten. Denn ein Abbruch kommt selten allein: Besonders gefährlich ist es für die Menschen daher offenbar unmittelbar nach einem Kreiderutsch. Um den Jahreswechsel 2017/18 gab es zwölf Abbrüche kurz hintereinander. Man könne die Besucher dann nur warnen. Vorhersagen, so Dietze, ließen sich solche Ereignisse noch lange nicht.

Er und seine Kollegen werden die Dynamik von Hochufern weiter untersuchen – vorerst auf Hiddensee. Dort habe man in den zurückliegenden Monaten verstärkte Aktivitäten der Küste beobachtet, die wissenschaftlich untersucht werden sollen.

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Maik Trettin

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