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Rügen Garzer streiten für den Erhalt eines Naturcampingplatzes
Vorpommern Rügen Garzer streiten für den Erhalt eines Naturcampingplatzes
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07:02 07.09.2018
Stadtvetreterin Eike Lüth engagiert sich gegen das Projekt in seiner jetzigen Form. Quelle: Uwe Driest
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Garz

Mehr als 150 Einwohner beteiligten sich am Dienstag an einer streckenweise hitzig geführten Diskussion in der zum Bersten gefüllten Aula der Garzer Schule. Bereits vor der Tür wurden die Teilnehmer mit Transparenten begrüßt und mit Flyern und Buttons mit der Forderung „Keine 44 Häuser auf dem Naturcampingplatz Pritzwald, Zicker“ versorgt.

Entsprechend viel Mühe hatte Mayk Buettler, stellvertretender Bürgermeister von Garz, für die Einhaltung der proklamierten zweiminütigen Redezeit zu sorgen. Zunächst aber hatte Mirko Leddermann vom Neubrandenburger Planungsbüro „Baukonzept“ in das Thema eingeführt. Von „Klärung der Waldeigenschaft“ war da die Rede und von Hochwasser-, Küsten- und Brandschutz. Schließlich seien bei einem großen Feldbrand im Juli 850 Gäste mit 350 Kraftfahrzeugen einer unmittelbaren Gefährdung ausgesetzt gewesen. Auch die Modernisierung der Versorgung mit Strom, Wasser, Abwasser und Multimedia führte der Planer ins Feld. „Sie können nicht länger in nostalgischen Erinnerungen schwelgen“, meinte Leddermann, um es schließlich auf den Punkt zu bringen: „Man muss nicht drum herum reden: Was Ihnen Probleme bereitet, ist die Schaffung von 44 Häusern“.

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Mögliche Planungsfehler sollen korrigiert werden

„Sie wollen uns besoffen quatschen. Was Sie hier vorführen, hat mit dem, was in Bergen ausliegt, nichts zu tun“, ruft jemand unter Applaus und dann wird es unruhig. Mehrere Redner betonen die Bedeutung der intakten Natur für den Erholungwert oder monieren, zu spät von den Plänen erfahren zu haben.„Wir haben uns mindestens sechs mal mit dem Thema beschäftigt und die Sitzungen waren immer öffentlich, aber da waren immer nur zwei oder drei Bürger“, hält Wolfgang Fiß, Vorsitzender des Bauausschusses, dem entgegen. „Wenn Sie das Gefühl haben, nicht mitgenommen worden zu sein, tut mir das leid. Dann ist das vielleicht auch ein Kommunikationsfehler“, versucht Jens Brauer zu besänftigen. Den Investor trifft offenbar auch Unmut über eine bauliche Entwicklung, wie sie derzeit an vielen Orten der Insel stattfindet. „Warum wird so etwas in einem so sensiblen Gebiet geplant und nicht beispielsweise auf dem Areal eines verfallenen Feriendorfes?“, fragt auch Sabine Eisenknappl aus Groß Schoritz.

„Auf dem Platz muss Ordnung geschaffen werden“, findet Helmut Bartz, Vorsitzender der Ortsteilvertretung Zudar. „Aber wir wollen nicht 44 Häuser, die aussehen, wie große Einfamilienhäuser. Wir wollen einen Naturcampingplatz für Familien“. Am 20. September tage sein Gremium. „Werfen Sie Ihre Einwendungen in unseren Briefkasten.“ Aber auch konkrete und sachkundige Fragen hatten Planer und Investor zu beantworten. Und konnten dies nicht in allen Fällen aus dem Stegreif. „Sie haben bei dem Projekt große Teile des Bereichs der Gültigkeit des Erbbauvertrags überplant“, hielt Stadtvertreterin Eike Lüth dem Planer entgegen. „Wenn da eine fehlerhafte Zuordnung erfolgte, muss das selbstverständlich korrigiert werden“, so Leddermann, der „noch einmal in die Verträge hineinschauen“ will.

„Unrecht kann nicht mit Unrecht geheilt werden“

Andreas Meyer weist darauf hin, dass im Küstenschutzstreifen grundsätzlich nicht gebaut werden dürfe: „Dort müsste allenfalls zurückgebaut werden. Wollen sie Unrecht mit Unrecht heilen?“ Dafür interessiert sich auch Florian Hoffmann, Gebietsbetreuer des WWF, der sich um die Schoritzer Wiek sorgt. „Das Naturschutzgebiet ist eine Perle im Greifswalder Bodden.“ Wer sich dort aufhält, werde sicherlich auch die Wasserflächen nutzen, so Hoffmann. Der ebenfalls anwesende Bauamtsleiter Rainer Starke wies die Versammlung darauf hin, dass die Unterlagen zum B-Plan noch bis zum 28. September im Bergener Rathaus ausgelegt sind. Starke lenkte die Aufmerksamkeit auch auf den Städtebaulichen Vertrag „Der Vertrag ist nicht alltäglich und sollte ausführlich in den Ausschüssen beraten werden.“

Driest Uwe

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