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Rügen Gastronomen-Ehepaar vom „Strandhaus“ auf Rügen: „Wir setzen weiter auf Qualität“
Vorpommern Rügen

Gastronomen-Paar vom Strandhaus auf Rügen: Wir setzen weiter auf Qualität

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11:03 31.12.2021
Die Betreiber des Restaurants „Strandhaus“ in Altefähr auf Rügen, Franziska und Michael Mackels, setzen auf Spezialitäten aus der Region.
Die Betreiber des Restaurants „Strandhaus“ in Altefähr auf Rügen, Franziska und Michael Mackels, setzen auf Spezialitäten aus der Region. Quelle: Christian Rödel
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Altefähr

Eine fast fünfmonatige Zwangsschließung. Kurzarbeit. Entschädigung und Übergangshilfen. Es folgt ein starkes Sommer- und Herbstgeschäft. Dann rollt die vierte Corona-Welle an. Verschärfte Testpflichten. Fast wöchentlich neue Verordnungen. Franziska (32) und Michael Mackels (39) durchlebten mit ihren fünf Mitarbeitern im Restaurant „Strandhaus“ in Altefähr auf der Insel Rügen ein wahrlich turbulentes zweites Corona-Jahr.

Aussichten für 2022 unklar

14 Gäste haben sich an diesem vorvorletzten Abend des Jahres in dem geschmackvoll eingerichteten Restaurant, das direkt am breiten Strelasund liegt, angemeldet. Vom Lichterschein Stralsunds ist indes nichts zu sehen. Dichter Nebel versperrt die Sicht über das Wasser.

Nebulös sind auch die geschäftlichen Aussichten, die sich dem Gastronomen-Ehepaar Mackels beim Blick auf 2022 bieten. „Niemand weiß, wie sich die Omikron-Variante auswirkt. Kurzarbeit ist bereits angemeldet“, erklärt der Chef des Hauses.

Die seit Wochen nötigen zusätzlichen tagesaktuellen Tests selbst für Geimpfte und Genesene sorgten auch im „Strandhaus“ für zusätzliche Leere. Dürfen hier doch ohnehin nur 40 der vorhandenen rund 90 Plätze mit entsprechenden Abständen belegt sein.

Staatliche Hilfen haben Wirkung gezeigt

Viele der traditionell gut gebuchten Kochkurse und Weihnachtsfeiern fielen aus. „Wer nimmt schon einen Urlaubstag, um am Abend bei uns essen gehen zu können? Denn die Testkapazitäten fehlten“, bedauert der gebürtige Oberhausener (Nordrhein-Westfalen). Seit einigen Tagen nun können Gäste, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhielten, ohne tagesaktuellen Test kulinarische Freuden genießen.

2021 war für’s „Strandhaus“ existenzbedrohend

Es war ein Auf und Ab in diesem Jahr. Mitunter existenzbedrohend. „Die staatliche Entschädigung für November und Dezember des Vorjahres und die Überbrückungshilfen haben uns geholfen“, betont der Gastronom. Zudem habe man aus dem ersten Corona-Jahr gelernt. Frühzeitig wurde ein Außer-Haus-Verkauf etabliert. Das Versenden von Spezialitäten des Hauses erwies sich als Erfolgsrezept.

Ob selbst gemachte Pasta, Knödel, Entenbraten, Lammragout, veganer Wintergemüse-Schmortopf, ausgesuchte Weine. . . Vor allem die Weihnachtspäckchen von der Insel sind bundesweit, aber auch in Österreich und der Schweiz gefragt. „Die Gäste haben uns die Treue gehalten. Etwa 80 Prozent sind Stammkunden“, freut sich Gattin Franziska.

Service-Mitarbeiterin Claudia Wandt (36) stellt ein Paket mit Produkten aus dem „Strandhaus“ zusammen. Quelle: Christian Rödel

Existenzgründer im Ort gut aufgenommen

Die gebürtige Schwarzwälderin lernte ihren Mann während ihrer Kochausbildung vor mehr als sieben Jahren im damaligen Gourmet-Restaurant „Vau“ in Berlin kennen. Er arbeitete dort unter anderem drei Jahre lang als Küchenchef bei Sternekoch Kolja Kleeberg.

2015 entschied sich das Paar für Deutschlands größte Insel. Es übernahm das Haus im Seebad Altefähr als Pächter und Betreiber von den Eltern Marianne und Hans-Jürgen Mackels. In 1a-Lage, wie die Wahl-Rüganer betonen. „Und wir wurden im Ort prima aufgenommen und fühlen uns sehr wohl an der Küste. Unsere Kinder Johann (6) und Luise (4) sind echte Insulaner.“ Familienvater und Existenzgründer Mackels lächelt.

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Klar es sei hart gewesen, als 2020 die Pandemie alles auf den Kopf stellte. Nach fünf Jahren hatten sie sich etwas „freigeschwommen“, sich einen Ruf über das Eiland hinaus erarbeitet. Die Bank räumte erstmals einen Dispokredit ein. Dann der Lockdown.

Gast Nico Harloff zeigt „Strandhaus“-Mitarbeiterin Claudia Wandt sein Impfzertifikat. Quelle: Christian Rödel

„Qualität auf dem Teller“ entscheidet

Bewährt hat sich gerade in Krisenzeiten das Setzen auf Klasse: frische, regionale Bio-Produkte, wechselnde Speisekarten und Zubereitung mit internationaler Finesse. „Qualität auf dem Teller und bei der Bedienung des Gastes sind entscheidend“, so Mackels.

Tim Seidewitz, Koch im „Strandhaus“, bereitet den Gruß aus der Küche vor. Quelle: Christian Rödel

Das hat seinen Preis. Bei 16,50 Euro – für eine Pasta-Spezialität – beginnt aktuell der Hauptgang. Und das Sommergeschäft war „extrem stark“. Touristen fluteten die Urlaubsregion. Dazu Hochzeiten, Familienfeiern, Veranstaltungen – selbst die sonst üblichen zwei Wochen Auszeit im November ließen die Betreiber sausen.

„Unter den gegebenen Voraussetzungen war es ein sehr erfolgreiches Jahr!“ Die ersten Gäste trudeln ein. Check der Impfnachweise. Am Silvesterabend steht noch ein Sechs-Gänge-Menü an. Und auch wenn das Tanzen hier derzeit noch „strengstens verboten ist“, haben sich die Profis vom „Strandhaus“ auf heiße Tänze in 2022 eingestellt.

Von Volker Penne