Gegen Gewalt an Frauen: Darum leuchtet Rügen im November orange
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Rügen Gegen Gewalt an Frauen: Darum leuchtet Rügen im November orange
Vorpommern Rügen

Gegen Gewalt an Frauen: Darum leuchtet Rügen im November orange

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09:21 17.11.2021
Die Garzer beteiligen sich an den „Orange Days“ und lassen ihr Rathaus anstrahlen.
Die Garzer beteiligen sich an den „Orange Days“ und lassen ihr Rathaus anstrahlen. Quelle: Sebastian Koesling
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Insel Rügen

Mit der Illumination von Gebäuden und zahlreichen Veranstaltungen setzt die Insel Rügen in den kommenden Wochen ein weit sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Auch werden vielerorts Plakate mit der bundesweiten Nummer des Hilfetelefons - 08000-116016 - zu sehen sein.

Rügen schließt sich damit wieder der UN-Kampagne „Orange the World“ an, der weltweit über 5000 Organisationen in 187 Ländern folgen. Bereits am Montag war mit dem traditionellen Fahnenhissen auf dem Bergener Marktplatz die diesjährige Antigewaltwoche eingeläutet worden, die sich seit über 20 Jahren demselben Ziel verschrieben hat.

Peilturm am Kap und Seebrücke Sellin erstrahlen in Orange

Die „Orange Days“ beginnen am 25. November, dem Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt an Frauen, und enden am Internationalen Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember. In diesen Tagen erstrahlen zahlreiche Bauwerke der Insel in weithin leuchtendem Orange, so etwa der Peilturm am Kap Arkona, die Selliner Seebrücke, der Rathausplatz in Bergen oder das Rathaus von Garz. Die Signalfarbe Orange wurde von den Vereinten Nationen als Symbol für eine hellere Zukunft frei von Gewalt gewählt . Im Rahmen des Veranstaltungsreigens zeigen die Lichtspiele Sassnitz am 26. November den Film „Woman“ im Grundtvighaus.

Gewalt betrifft jede dritte Frau weltweit

Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Welt, sie betrifft jede dritte Frau. Geschlechtsspezifische Gewalt ist Resultat der Diskriminierung von Frauen und hat unzählige Gesichter. Ziel ist es, für das Problem zu sensibilisieren und dagegen zu mobilisieren. Und: „ Wir wollen den betroffenen Mädchen und Frauen zeigen, dass sie nicht allein gelassen werden“, begründet Dagmar Kuhl das Engagement der Rügener Soroptimistinnen, deren Clubpräsidentin sie ist. “In Mecklenburg-Vorpommern steht allen Betroffenen - unabhängig welcher Nationalität – von häuslicher und sexualisierter Gewalt ein landesweites, aufeinander abgestimmtes Netz von Beratungs- und Hilfeeinrichtungen zur Verfügung“, betont Katrin Schmuhl als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vorpommern-Rügen.

Corona wirkt wie Brandbeschleuniger

Dass die Corona-Pandemie das Problem der Gewalt an Frauen wie ein Brandbeschleuniger angefacht hat, zeigte sich bereits nach wenigen Monaten eingeschränkten öffentlichen Lebens. „Wir vermuten, dass es aufgrund der vielen Zeit, die Menschen in ihren Wohnungen miteinander verbracht haben – oft in ungewohnter räumlicher Nähe und Enge und ohne Ausweichmöglichkeiten - zu noch weitaus mehr Gewaltausbrüchen gekommen ist und das Dunkelfeld im Vergleich zu den Vorjahren stark gewachsen ist, heißt es in der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking Vorpommern-Rügen.

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Thema auch in Europa relevant

Doch auch in den Zeiten vor Corona haben Frauen viel zu viel Erfahrungen mit Gewalt, Mobbing und Stalking gemacht: Nach Erhebungen des Bundesfrauenministeriums wurden allein im Jahr 2019 in Deutschland 69 012 Frauen vorsätzlich und weitere 11 991 gefährlich verletzt. 20 906 wurden bedroht, gestalkt oder genötigt. 1514 Frauen wurden ihrer Freiheit beraubt, 301 Frauen wurden getötet. Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein. Und es werden keineswegs nur Frauen in sozialen Brennpunkten von ihren männlichen Partnern geschlagen, vergewaltigt, beschimpft, gedemütigt oder gar ermordet. Auch in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten gibt es weibliche Opfer von Gewalt. Und besonders erschreckend: Sieben von zehn Europäerinnen haben sexuelle oder körperliche Gewalt erleiden müssen. Dabei waren nach EU-Angaben 50 Prozent der Opfer sexueller Übergriffe Mädchen unter 16 Jahren.

Von Susanna Gilbert