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Rügen Gemeinde kann alte Schule in Prora noch nicht abreißen
Vorpommern Rügen Gemeinde kann alte Schule in Prora noch nicht abreißen
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08:00 27.06.2018
Das ehemalige Schulgelände im Binzer Ortsteil Prora soll seit über zehn Jahren entwickelt werden. Quelle: Stefan Sauer
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Binz

Es tut sich nichts auf dem Gelände der früheren Schule in Prora. Eigentlich sollte der DDR-Bau längst abgerissen sein, doch es gibt Knatsch wegen der Ausweichquartiere für Fledermäuse und Schwalben, die dort ihre Zuhause haben.

„So lange das nicht geklärt ist, können wir nicht abreißen“, informierte Bürgermeister Karsten Schneider auf OZ-Nachfrage. Vor eineinhalb Jahren hatte die Gemeinde Binz, die das Grundstück seit Jahren entwickeln will, damit begonnen, das Gelände zu beräumen. Aus Verkehrssicherheitsgründen und weil es sich so auch besser vermarkten lasse. Doch der Landkreis stoppte dies und ließ die Bagger wieder abrücken. In der seit Jahren leerstehenden Ruine befinden sich Quartiere von Fledermäusen und Schwalben, wofür erst ein Ersatz geschaffen werden muss. Die Gemeinde Binz als Eigentümerin muss dies mit einem Gutachten nachweisen. Als mögliches neues Heim für die Tiere konnte Flächen auf der DBU-Naturerbefläche Prora gefunden werden.

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Aber: „Die vom Gutachter geforderten Kompensationsmaßnahmen gehen über Gebühr hinaus. Zumal ein zweiter Gutachter das alles ganz anders sieht. Der Ausgleich sollte nur in der Anzahl der vorhandenen Tiere sein und nicht deutlich überzogen“, beklagt Schneider. Immerhin gehe es um eine Summe von rund 150000 Euro. Allein der gewollte Artenschutzturm koste rund 80000 Euro. „Das ist zu viel verlangt, ich bin nicht bereit, Steuergeld zu verschwenden. Das ist viel Geld, auch wenn wir Binz sind. Der Abriss kostet schon eine Menge“, so Schneider.

Auch gebe es Uneinigkeit darüber, wo kompensiert werden solle. Die Gemeinde möchte dies auch auf ihren eigenen Flächen. „Es ist eine verfahrene Kiste“, so Schneider. Der Bürgermeister wünschte sich in diesem Zusammenhang vom Landkreis mehr Unterstützung. Ein weiterer Knackpunkt: Der Abriss dürfe nur erfolgen, wenn die Tiere nicht in dem Gebäudekomplex sind. „Die Fledermäuse kommen im Herbst und bleiben bis zum Frühjahr. Dann kommen die Schwalben, die bis zum Herbst bleiben. Wir haben also nur zwei Zeitfenster von jeweils zwei bis drei Wochen und müssen dazwischen ein halbes Jahr warten“, so Schneider.

Wie nach dem Abriss mit dem Grundstück weitergeht, ist weiterhin offen. Seit 15 Jahren will die Gemeinde das Areal schon entwickeln – bisher vergebens. Ursprünglich wollte die Gemeinde in einer „Gartenhofsiedlung“ Reihenhäuser und kleine Baufelder für 28 Eigenheime bauen und verkaufen. Doch es gab keine Resonanz. Auch nicht, als die Grundstücke auf 550 Quadratmeter vergrößert und auf 17 reduziert wurden. Dann erwarb ein Stuttgarter Investor die Fläche und plante zuerst eine Nachsorgeklinik sowie Wohneinheiten für altersgerechtes Wohnen, dann zwei zweigeschossige Wohnhäuser für altersgerechtes Wohnen mit Betreuungsangeboten und sechs Parzellen für Eigenheime. Weil der Verkaufspreis von 700000 Euro nie floss, wurde der Vertrag rückabgewickelt.

Den kühnen Plan, ein 104 Meter hohes Hochhaus zu bauen, hatte die Mehrheit der Binzer im Jahre 2016 bei einem Bürgerentscheid abgelehnt. Der Binzer Bauunternehmer Jürgen Breuer wollte das Areal für 3,5 Millionen Euro erwerben und hatte damit mehr als das Fünffache des üblichen Verkehrswertes angeboten.

Nun soll nach dem Abriss und bis zum Verkauf das Gelände als Parkplatz genutzt werden. In der Gemeindevertretung gibt es Stimmen, die diese Variante als bessere Lösung als eine Veräußerung sehen, weil Binz damit Einnahmen erziele. Andere Gemeindeväter meinen, dass dort Eigenheime entstehen sollten oder Erbpachtland für Binzer Familien.

Neben Jürgen Breuer hatten sich noch weitere Interessenten gemeldet mit Ideen zur Entwicklung des brach liegenden Geländes. Diese seien aber noch nicht alle im Bauausschuss beraten worden, informierte der Bürgermeister. Am Donnerstag wird im nichtöffentlichen Teil der Bauausschussitzung ein weiteres Konzept vorgestellt.

Herold Gerit